Khashoggi: Unternehmer distanzieren sich von reichen Wüstensöhnen

16. Oktober 2018, 07:00
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Die Ungewisseheit rund um das Schicksal des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi sorgt für Spannungen – diplomatisch und wirtschaftlich

Ob der regierungskritische Journalist Jamal Khashoggi aus Saudi-Arabien noch lebt, ist nach wie vor nicht geklärt. Sein Verschwinden bleibt jedenfalls ein globales Politikum. Doch die Causa weitet sich von der diplomatischen Ebene mittlerweile aus und wird auch für die saudi-arabische Wirtschaft zum Problem – was wiederum Kronprinz Mohammed bin Salman auf den Kopf fällt.

Dieser hat große Pläne mit der Wirtschaft des Wüstenstaates. Stichwort "Vision 2030". Das Königreich erwirtschaftet rund 90 Prozent seiner Einnahmen aus dem Export von Öl. Diese Erdölabhängigkeit will bin Salman ändern. Ziel der Vision 2030 ist der Ausbau der Privatwirtschaft, um neue Einnahmen zu generieren und gleichzeitig Arbeitsplätze für die Bevölkerung zu schaffen.

Der angedachte Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco sorgte bei dieser erwünschten wirtschaftlichen Umstrukturierung für das meiste Aufsehen. Auch wenn sich dieser nun bis auf weiteres verzögert (der Standard berichtete). Doch abseits davon gibt es mit dem staatlichen Fonds "Public Investment Fund of Saudi Arabia" (PIF) eine Institution, die bereits etliche Milliarden Dollar auf der ganzen Welt investiert hat.

Milliardenschwerer Fonds

Was macht dieser Fonds? Im September erhielt der Elektroautobauer und Tesla-Konkurrent Lucid Air eine Kapitalspritze in Höhe von einer Milliarde Dollar. Der Financial Times zufolge hält PIF bei Tesla selbst auch rund fünf Prozent der Anteile, was in etwa einem Wert von zwei Milliarden Dollar entspricht. Der Bau eines Technologieparks namens "Neom" wurde vergangenes Jahr angekündigt. Um 500 Milliarden US-Dollar soll am Roten Meer sozusagen ein nahöstliches Silicon Valley entstehen. Für den Aufbau einer modernen Unterhaltungsindustrie in den kommenden zehn Jahren seien etwa 60 Milliarden Dollar eingerechnet. Insgesamt hat der staatliche Fonds in Vermögenswerte in der Höhe von gut 230 Milliarden Dollar investiert.

Die Reputation des Fonds und Saudi-Arabiens als Investor leidet unter dem Fall Khashoggi. Ende Oktober findet in Riad eine Investitionskonferenz namens Future Investment Initiative statt. Dieser Konferenz brechen nach und nach die Teilnehmer weg.

Täglich kündigen neue Partnerunternehmen an, nicht nach Saudi-Arabien zu kommen. Der Geschäftsführer des Fahrdienstvermittlers Uber, Dara Khosrowshahi, machte seine Teilnahme von der Faktenlage abhängig, diese müsse sich ändern. Spannende Situation, denn der PIF hält rund 5,6 Prozent am US-Fahrdienstleister. 3,5 Milliarden Dollar bezahlte der Fonds 2016 für die 5,6 Prozent.

Firmenchefs verabschieden sich

Viacom-Chef Bob Bakish sagte ab. Ebenso die Vorsitzenden der Investmentgesellschaft Blackrock und des Autobauers Ford Larry Fink und Bill Ford. Der Chef der US-Großbank JPMorgan, Jamie Dimon, wird auch nicht erscheinen. Mit Bloomberg, der New York Times, CNN und CNBC gingen bereits namhafte mediale Kooperationspartner verloren.

Unternehmer Richard Branson kündigte an, sein Mischkonzern Virgin Group werde Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Staatsfonds über eine Milliarden-Beteiligung an den Raumfahrtprojekten von Virgin stoppen.

Für US-Präsident Donald Trump dürfte es zudem schwerer werden, die Zustimmung des Kongresses für einen geplanten Waffenverkauf an Saudi-Arabien zu gewinnen. Das Parlament könnte den Deal blockieren. Trump verwies darauf, dass der 110-Milliarden-Dollar-Vertrag Arbeitsplätze sichere. Er wolle das Geschäft nicht stoppen.

Interne Ermittlungen eröffnet

In Reaktion auf die von den USA, aber auch vonseiten der EU-Außenminister geäußerten Forderung nach voller Aufklärung der Causa Khashoggi reagierte das saudische Königshaus am Montag mit der Anordnung einer Untersuchung. "Der König hat den Staatsanwalt mit der Eröffnung interner Ermittlungen beauftragt", sagte laut Nachrichtenagentur Reuters ein hoher Beamter in Riad. Auch ein türkischer Diplomat wurde am Montag in mehreren Medien mit der Aussage zitiert, dass es bald eine Hausdurchsuchung im saudischen Konsulat in Istanbul geben werde. (Andreas Danzer, 16.10.2018)

  • Spiel, Spaß und Spannung erhofft sich Saudi-Arabien von der geplanten Unterhaltungsstadt Qiddiya. Rund 60 Milliarden Dollar sollen dafür ausgegeben werden.
    foto: afp/bandar al-jaloud

    Spiel, Spaß und Spannung erhofft sich Saudi-Arabien von der geplanten Unterhaltungsstadt Qiddiya. Rund 60 Milliarden Dollar sollen dafür ausgegeben werden.

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