In Österreich wird "zu spät und zu wenig geimpft"

    16. Oktober 2018, 09:56
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    Eine Evaluierung der TU Wien zeigt große Impfdefizite in Österreich auf – "Die Folgen können schwerwiegend sein", sagen Experten

    Wien – Europaweit steigen die Fälle von Masernerkrankungen an. Österreich weist – trotz kostenloser Impfung für alle Altersgruppen – ebenso steigende Fallzahlen auf. Mit Stand 26. September wurden bisher 72 Masernerkrankungen gemeldet, heißt es vonseiten des Gesundheitsministeriums. Derzeit seien die Impfraten in Österreich zu niedrig, um die Krankheit zu eliminieren.

    Zu Keuchhusten wurden im vergangenen Jahr 1.411 Fälle registriert. Hinsichtlich Poliomyelitis, Kinderlähmung, verfolgt Österreich das globale Ziel der Krankheitsausrottung. Um Impflücken in der Bevölkerung besser beurteilen zu können und gezielt Maßnahmen setzen zu können, wurde die Evaluierung der Durchimpfungsraten seitens Gesundheitsministeriums bei der Technischen Universität Wien in Auftrag gegeben. "Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: es wird zu spät und zu wenig konsequent geimpft, womit sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen deutliche Impflücken bestehen. Die Folgen können schwerwiegend sein", stellte das Ressort fest.

    Ein Drittel der 15- bis 30-Jährigen fehlt zweite Impfung

    Für eine ausreichende Herdenschutz in puncto Masern wäre eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen erforderlich. Die Masern-Durchimpfungsraten 2017 zeigen jedoch, dass für die Zwei- bis Fünfjährigen die Durchimpfungsrate mit der zweiten Dosis nur bei etwa 81 Prozent liegt. Konkret heißt das, dass 48.000 Kinder in dieser Altersgruppe eine zweite Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln erhalten sollten und nicht ausreichend geschützt sind.

    In der Altersgruppe der Sechs- bis Neunjährigen liegt dieser Wert für die zweite Dosis bei 89 Prozent. In dieser Altersgruppe sollten demnach fast 27.000 Kinder eine zweite MMR-Impfung erhalten. Bei den 15- bis 30-Jährigen verfügen nur knappe 70 Prozent über einen kompletten Impfschutz. Das bedeutet, dass fast eine halbe Million Personen zwischen 15 und 30 Jahren die zweite Dosis der Vakzine gegen Masern (in Kombination mit Mumps und Röteln) benötigen. Die Impfung wird an öffentlichen Impfstellen für alle Personen ohne Altersbeschränkung kostenfrei angeboten.

    Etwa 21.000 der Fünf- bis Neunjährigen komplett ohne Impfungen

    Die Polio-Durchimpfungsraten 2017 zeigen, dass bei Kindern unter einem Jahr der Wert für die erste Teilimpfung bei 68 Prozent, für die zweite Teilimpfung bei 45 Prozent liegt. Unter den Zwei- bis vierjährigen sind 17 Prozent nicht ausreichend geimpft, es haben also bei den Zwei- bis Vierjährigen mehr als 43.500 Kindern keine vollständige Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung. Diese Kinder sind also, abgesehen vom fehlenden Schutz gegen Polio, höchstwahrscheinlich auch nicht ausreichend gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Pertussis (Keuchhusten) geschützt.

    Bei den fünf- bis neunjährigen Kindern sind immer noch fünf Prozent komplett ungeimpft, das sind fast 21.000 Kinder. Auch Auffrischungsimpfungen wurden bei mehr als 14 Prozent in dieser Altersgruppe noch nicht durchgeführt, so dass insgesamt rund 59.500 Kinder von fünf bis neun Jahren noch nicht ausreichend immunisiert sind. Die Durchimpfungsraten im Zusammenhang mit Auffrischungsimpfungen im Schulalter bewegen sich zwischen 70 Prozent und 80 Prozent.

    Bei den Zehn- bis 16-Jährigen sind mehr als 63.300 Kinder nicht ausreichend immun gegen Polio, davon rund 6.300 gänzlich ungeimpft, rund 57.000 Kinder haben zumindest eine Teilimpfung erhalten, jedoch keine vollständige Grundimmunisierung und sind somit vermutlich auch nicht ausreichend gegen Diphtherie, Keuchhusten oder Tetanus geschützt. Die Impfung gegen Polio steht als Sechsfach-Impfung in Kombination mit Komponenten gegen Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Hepatitis Haemophilus B und im Schulalter in Kombination mit Komponenten gegen Diphtherie-Tetanus-Pertussis im Impfprogramm gratis für alle in Österreich wohnhaften Kinder gratis zur Verfügung. (APA, 16.10.2018)

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