Sauropoden-Vorfahr lebte wie ein Riesenfaultier

19. Oktober 2018, 13:52
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Der 185 Millionen Jahre alte Sarahsaurus lief noch auf zwei Beinen, zeigte aber bereits Anzeichen für die Entwicklung in Richtung Gigantismus

illustration: brian engh
Rekonstruktion von Sarahsaurus aurifontanalis.

Austin – Etwa 160 Millionen Jahre lang lebten Sauropoden auf der Erde. Sie brachten die größten landlebenden Tiere aller Zeiten hervor, einige Arten wurden 30 Meter lang und 70 bis womöglich sogar 100 Tonnen schwer. Die Anfänge dieser Entwicklung sahen aber noch deutlich bescheidener aus. Die unmittelbaren Vorläufer der Sauropoden waren nicht nur wesentlich kleiner und leichter, sie liefen auch noch wie der Rest ihrer Dinosaurier-Verwandtschaft auf zwei Beinen.

Eine Spezies aus dieser Übergangszeit hat nun Adam Marsh von der University of Texas im Fachjournal "Plos One" vorgestellt. Marsh ist ein Schüler des Paläontologen Timothy Rowe, der die Fossilien der Spezies 2010 erstmals beschrieben hatte. Sarahsaurus aurifontanalis lebte im frühen Jura, vor etwa 185 Millionen, in Nordamerika.

Noch leicht genug für die Zweibeinigkeit

Das Tier war laut den Forschern "so groß wie ein Auto", soll heißen: etwa vier Meter lang. Es hatte wie die späteren Sauropoden bereits einen langen Hals. Laut Marsh lässt sich an den Fossilien – insgesamt liegen zwei bis auf den Kopf sehr gut erhaltene Skelette vor – der Weg ablesen, den die Sauropoden später einschlagen sollten: Sarahsaurus war größer als noch ältere Arten, die Halswirbel hatten sich bereits verlängert.

foto: the jackson school museum of earth history vertebrate paleontology collections / the university of texas at austin
Eines der erhalten gebliebenen Sarahsaurus-Skelette. Bis auf den Schädel ist alles da, was das Paläontologenherz begehrt.

Trotzdem lief Sarahsaurus noch auf zwei Beinen. Die Vorderbeine waren kurz, aber recht kräftig ausgebildet. Besonders auffällig ist eine große, gebogene Klaue am ersten Finger jeder Hand. Die Forscher vermuten, dass der frühe Dino sie in ähnlicher Weise nutzte wie viel später die Riesenfaultiere Südamerikas.

Vakante Nische

Großgewachsene Pflanzenfresser mit aufgerichteter Körperhaltung und klauenbewehrten Vorderbeinen hat die Evolution immer wieder hervorgebracht. Gegen Ende des Dino-Zeitalters gab es etwa den neun Meter langen Therizinosaurus, den seltenen Fall eines riesenhaften pflanzenfressenden Theropoden.

In der Erdneuzeit wiederum war diese ökologische Nische nicht nur von den Riesenfaultieren besetzt – ihre Entsprechung in der Alten Welt waren die Chalicotherien: aus heutiger Sicht sehr exotisch aussehende Pferde-Verwandte mit stark verlängerten Vorderbeinen, die ebenfalls Klauen trugen.

Dass all diese Tiere – vom Sarahsaurus bis zum Chalicotherium – heute so seltsam anmuten, liegt wohl vor allem daran, dass ihre ökologische Nische derzeit nicht besetzt ist. Am ehesten kommen dem noch Pandas und Gorillas nahe. (jdo, 19. 10. 2018)

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