Gut, dass es die Schwester gibt: "Die Fürsorgefalle" im Ersten

15. Oktober 2018, 12:00
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Pflichtprogramm beim Abzocken von Senioren ist immer auch die totale Isolation von der Familie durch bitterböse Manipulation der alten Menschen

Es gibt Menschen, denen man selbst als friedfertiger Zeitgenosse vielleicht nicht gerade einen Platz in der Hölle, schon aber eine strenge Richterin wünscht. Solche, die betagte Menschen manipulieren, um an deren Erspartes zu kommen, gehören da dazu.

Ihre Machenschaften werden in "Exclusiv: Die Fürsorgefalle" (Montag, 21.45 Uhr, ARD) dokumentiert. Der junge "Lebensgefährte", der einer Dame Ende 60 die große Liebe vorgaukelt und sich unter Vorwänden immer wieder Geld überweisen, ja ein ganzes Haus überschreiben lässt. Der Herr, der per Postwurfsendung Einkaufsdienste anbietet – und wenig später, mit einer Generalvollmacht ausgestattet, die Konten einer Pensionistin ausräumt.

Das Geld ist dann futsch und kommt auch nicht wieder. Doch was für die Zuschauer der etwas zu thrillerhaft inszenierten Recherche noch beklemmender wirkt, sind die zerstörten Familien, die die Erbschleicher hinterlassen. Pflichtprogramm beim Abzocken von Senioren ist nämlich immer auch die totale Isolation von der Familie durch bitterböse Manipulation der alten Menschen.

Schwester Bernadette findet das alles auch zum Kotzen, auch wenn die Klosterschwester das natürlich nie so ausdrücken würde: Sie kämpft gegen Erbschleicherei, steht Angehörigen zur Seite – und setzt sich für eine Gesetzesänderung ein. Denn rechtlich haben die Betroffenen in Deutschland meist keinerlei Handhabe – da hilft dann auch keine noch so strenge Richterin. Dafür macht Schwester Bernadette sehr klar, was sie will. Seine netten Worte nutzen nichts, sagt sie einem Landtagsabgeordneten, der sich der Sache annehmen will: "Es braucht Taten." Gut, dass es auch die Guten gibt. (Sebastian Fellner, 15.10.2018)

  • Familie und Freunde bemerken den finanziellen Missbrauch häufig erst, wenn die Opfer schon verstorben sind.
    foto: ard/swr

    Familie und Freunde bemerken den finanziellen Missbrauch häufig erst, wenn die Opfer schon verstorben sind.

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