Glanz und Elend der "Vergangenheitsbewältigung"

    Video14. Oktober 2018, 15:41
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    Der Film "Waldheims Walzer" von Ruth Beckermann ist der Film zum "Gedenkjahr"

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    Es ist, vielleicht auch ungeplant, der Film zum "Gedenkjahr": Der Film "Waldheims Walzer" von Ruth Beckermann. Beckermann erzählt die Geschichte der Waldheim-Affäre, und zugleich die Geschichte einer kleinen, dann größer werdenden Gruppe von Menschen, die das Land mit der Wahrheit konfrontierten. Als ganz jünger Mann war ich Teil dieser Gruppe und so ist dieser Film auch eine lustige Begegnung mit meinem zwanzigjährigen Ich.

    In Gedenkjahren wie diesen ist ja so etwas wie eine staatsoffizielle "Vergangenheitsbewältigung" angesagt – von der Regierung abwärts müssen alle beweisen, dass sie aus der Geschichte gelernt haben. Dieses offiziöse Gedenken gibt dem oft auch etwas Lächerliches, tief Falsches.

    Was die Waldheim-Affäre wirklich bewirkte, war, dass endlich offen geredet wurde, dass die Lebenslüge der Republik als Hitlers "erstes Opfer" nicht mehr zu halten war. Aber zugleich auch, dass alles, auch das Mieseste, hochkam. Entfesselt von einer antisemitischen Kampagne.

    Aber noch ein paar Dinge wurden bewirkt. Die Täter konnten sich nicht mehr davonstehlen, aber so wurde die Geschichte einfach umgedeutet. Alle waren irgendwie schuldig verstrickt, die einen mehr, die anderen weniger, außer eben die Toten, das setzte sich fast als Alternativerzählung durch. Viel zu selten wird aber über die Helden gesprochen, die dieses Land auch hat: die für die Demokratie kämpften, die für Gleichheit und Menschenrechte eintraten, oder die, die sich vielleicht nicht immer auflehnten, aber sich angewidert abwandten. Nicht mittaten. Besonders aber über die, die ihr Leben lang auf der richtigen Seite standen, wie etwa die legendäre Rosa Jochmann, die in dem Film auch einen Auftritt hat.

    Und der wichtigste Satz des Filmes stammt womöglich von Peter Turrini, der erklärte, es ginge nicht darum, wie man 1938 gehandelt hätte, sondern es könne heute einzig und allein um eine Frage gehen: Hast du heute den Mut, dich gegen Unrecht zu stellen? (Robert Misik, 14.10.2018)

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