In Türkei inhaftierter US-Pastor Brunson freigelassen

    13. Oktober 2018, 22:11
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    Ein türkisches Gericht ordnete am Freitag die Aufhebung von Andrew Brunsons Hausarrest an. Nun wird der Pastor im Weißen Haus empfangen

    Ankara – Die türkische Regierung betont nach dem Urteil gegen US-Pastor Andrew Brunson, die Entscheidung sei nicht auf Druck von außen hin gefallen. "Kein türkisches Amt, allen voran unser Präsident, hat all den Zwängen, Drohungen und unverschämten Aussagen nachgegeben", sagte der Sprecher der Regierungspartei AKP, Ömer Celik, am Samstag.

    Die Börse wusste es schon vorher. Je näher diese Woche die Verhandlung gegen Brunson vor einem türkischen Strafgericht in Izmir rückte, umso mehr machte die Lira wieder Gewinn.

    Als der 50-Jährige am Freitagvormittag in den Gerichtssaal in Aliaga geführt wurde, hatte sich die türkische Währung schon auf 5,83 für einen Dollar erholt. Bei sieben Lira stand sie im Sommer schon einmal kurz, 40 Prozent ihres Werts verlor sie allein seit Jahresbeginn. Donald Trump und Tayyip Erdogan, die zwei so impulsiven Staatschefs, hatten sich einen Krieg um den Pastor geliefert.

    Aussagen zurückgenommen

    Die Volte wurde am Freitag mit zwei Zeugen eingeleitet, die plötzlich ihre Aussagen gegen Brunson teils zurücknahmen, teils als vom Gericht irrtümlich verstanden darstellten. Nach fünf Stunden Verhandlung beantragte der neu ernannte Staatsanwalt Brunsons Freilassung. Das Gericht ordnete diese wenig später an, auch die Ausreisesperre wurde aufgehoben. Brunson war am Nachmittag ein freier Mann. Zunächst hält er sich noch in Deutschland auf bis er in die USA weiterreist. Am Samstagmittag landete er in Maryland und wurde danach von Trump im Weißen Haus empfangen.

    Trump: Gewaltiger Schritt

    Brunsons Freilassung sei ein "gewaltiger Schritt" zur Verbesserung der "sehr gespannten" Beziehungen zur Türkei, sagte Trump.

    Trump dankte erneut dem türkischen Staatschef Erdogan für Brunsons Freilassung. "Das war nicht leicht für ihn", sagte er mit Blick auf seinen türkischen Kollegen. Einen Deal mit der türkischen Regierung habe es jedoch nicht gegeben, beteuerte Trump. Kurz zuvor hatte Erdogan in einer Twitter-Botschaft an Trump betont, dass es sich um eine "unabhängige" Gerichtsentscheidung gehandelt habe.

    Brunson dankte dem Präsidenten für dessen Bemühungen um seine Freilassung. Der evangelikale Pastor sprach ein Gebet für Trump, wobei er sich neben den US-Präsidenten kniete und ihm eine Hand auf die Schulter legte.

    Die Anschuldigungen gegen den Presbyterianer-Pastor, der seit 20 Jahren in der Türkei lebt, klangen von Anfang an absurd: Staatsverschwörung, Spionage, Zusammenarbeit mit der verbotenen kurdischen Untergrundarmee PKK als auch mit der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen. 35 Jahre Haft drohten Brunson. Als der Pastor im Juli nicht aus der Untersuchungshaft freikam, sondern stattdessen unter Hausarrest in seiner Wohnung in Izmir gestellt wurde, platzte Trump der Kragen. Evangelikale Wähler sind für ihn zu Hause wichtig. Aber der US-Präsident fühlte sich vor allem persönlich betrogen von Erdogan.

    Sanktionen und Strafzölle

    Trump hatte daraufhin zuerst den türkischen Innenminister und den Justizminister mit – eher symbolischen – Finanzsanktionen belegt und etwaige Vermögenswerte in den USA eingefroren. Dann verdoppelte er die Strafzölle gegen türkische Stahl- und Aluminiumexporte. Der Nato-Partner schlitterte daraufhin in eine Währungskrise.

    "Du wagst es, das Volk von 81 Millionen Türken für einen Priester zu opfern, der mit Terrorgruppen verbunden ist?", tönte Erdogan im Sommer bei einer seiner Reden vor Anhängern in der türkischen Provinz. Diese Woche war er vor Journalisten seiner Regierungspresse deutlich zurückhaltender. Entscheidungen des Gerichts müssten respektiert werden, sagte er einsilbig auf dem Rückflug von einem Besuch in Ungarn.

    Dass der Staatschef selbst die Regie im Schauprozess gegen Pastor Brunson führte, bezweifelt dabei niemand. Er wollte mit Brunson und anderen Inhaftierten die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen aus den USA erzwingen. Den macht Ankara bekanntlich für den Putsch verantwortlich. (red, Markus Bernath, 12.10.2018)

    • Andrew Brunson wurde im Oktober 2016 wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen. Am Freitag ordnete ein Gericht die Aufhebung seines Hausarrests an.
      foto: apa/afp

      Andrew Brunson wurde im Oktober 2016 wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen. Am Freitag ordnete ein Gericht die Aufhebung seines Hausarrests an.

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