Verschwinden von Jamal Khashoggi: Möglicher Kuhhandel

Kommentar12. Oktober 2018, 15:39
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Kein Land lässt sich gerne in die Karten schauen

Zum Verschwinden des Publizisten Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul wird es eine gemeinsame türkisch-saudische Untersuchung geben: Das hat Saudi-Arabien vorgeschlagen, und die Türkei ist auf den Wunsch eingegangen. Präsident Tayyip Erdogan hat zwar seine Medien gegen Riad, das des Mordes an Khashoggi verdächtigt wird, von der Leine gelassen, die eigenen Schritte setzt er jedoch vorsichtig.

Freunde Khashoggis, die sich eine Aufklärung wünschen, fürchten einen sich anbahnenden Kuhhandel. Die Saudis würden hinter verschlossenen Türen vielleicht sogar etwas zugeben, verbunden mit einer Reinwaschung der saudischen Führung, namentlich des Kronprinzen Mohammed bin Salman. Entgleiste Geheimdienste, so etwas kommt immer wieder vor. Aber warum sollte Erdogan darauf eingehen? Der höchste Preis, den er von Riad verlangen könnte, wäre ein Nachgeben in der Katar-Krise. Eine wahrscheinlichere Variante ist eine – von der Türkei dringend benötigte – "wirtschaftliche Kooperation".

Wie gesagt, das sind Spekulationen. Was bei der türkischen Zurückhaltung, die Informationen aus dem Konsulat auf den Tisch zu legen, mit Sicherheit auch mitspielt, sind geheimdienstliche Erwägungen: Wenn man sieht, was die Türken haben, kann man rekonstruieren, wie sie es bekamen – in einer fremden diplomatischen Einrichtung. Da lässt sich kein Land gerne in die Karten schauen. (Gudrun Harrer, 12.10.2018)

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  • Jamal Khashoggi ist im saudischen Generalkonsulat in Istanbul verschwunden.
    foto: apa/afp/ozan kose

    Jamal Khashoggi ist im saudischen Generalkonsulat in Istanbul verschwunden.

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