Am Tropf hängen: Wenn der Eisenspeicher aufgefüllt werden muss

14. Oktober 2018, 13:00
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In meinem Körper ist zu wenig Eisenspeicherprotein. Per Infusion wird mir der vermeintliche Kraftstoff eingeflößt

"Merken Sie das nicht?", fragte mich der Internist ungläubig. Eigentlich nicht, dachte ich mir. Obwohl, na ja – oft schlafe ich schon schlecht, das mit dem plötzlichen Herzrasen in einer eigentlich entspannten Minute kenne ich auch. Und dass mir immer kalt ist, wissen sowieso alle – darüber habe ich auch in diesem Blog schon geschrieben.

Jedenfalls, mir mangelt es an Eisen. Also eigentlich nicht an Eisen selbst, sondern an Ferritin, auch bekannt als Depoteisen. Der Eiweißstoff ist für die Speicherung von Eisen im Körper zuständig. Mein Speicher muss aufgefüllt werden, sagt der Arzt und verschreibt mir zwei Infusionen. Denn mit Tabletten könne man da nicht viel machen, zudem haben sie oft Nebenwirkungen.

Auch mehr eisenhaltige Lebensmittel – Blutwurst, Leber, Kürbiskerne oder Linsen – zu essen würde nichts bringen, erklärt mir der Internist. Denn Eisen wird vom Körper nur zu einem Bruchteil aus der Nahrung aufgenommen. "Soll ich dir ein paar rostige Nägel bringen, dass du daran lutschen kannst?", schlägt ein ganz schlauer Freund ironisch vor. Auch das ist ein Weg, der nicht ans Ziel führen würde.

Stark wie Popeye

Also geht es für mich an den Tropf. "Da wirst du dich nachher voller Power und motiviert fühlen", sagt eine Arbeitskollegin, die mit Eiseninfusionen Erfahrung hat. Mal sehen, ob die Infusion für mich das Wundermittel ist, das für Popeye einst der Spinat war.

Mir machen da eher die möglichen Nebenwirkungen sorgen, die auf dem Infoblatt stehen, das mir die Ordinationsassistentin gibt: Schwellungen der Hände und Füße, metallischer Geschmack im Mund, Muskel- und Knochenschmerzen, Schwindel sowie Unruhe.

Zu Unrecht, wie sich am Behandlungstag herausstellt. In der Ordination wird zuerst ein EKG gemacht, dann mein Blutdruck gemessen. Die Assistentin bringt mich in einen Raum, der mit Jackson-Pollock-ähnlicher Kunst behängt und ansonsten nur mit großen, bequemen Ledersesseln eingerichtet ist. Falls mir kalt wird, liegen schwarze Samtdecken bereit, auch die Füße kann ich hochlegen.

Kein Unterschied

In den nächsten eineinhalb Stunden tropft die pechschwarze Flüssigkeit gemächlich in meine Venen. Die Injektions- und eine Kochsalzlösung sowie ein Infusionsbesteck habe ich mir am Tag davor in der Apotheke auf Rezept besorgt.

Während es tropft, lese ich in meinem Buch. Von den Nebenwirkungen merke ich nichts. Nur zwischendurch riecht es immer wieder metallisch.

Abgesehen vom Pflaster am Arm fühle ich nach der Behandlung keinen Unterschied zu vorher. Der Effekt macht sich wohl erst längerfristig bemerkbar. In drei Wochen bekomme ich die zweite Infusion, wieder einige Wochen später wird erneut mein Blut untersucht. Wer weiß, vielleicht komme ich bis dahin auch zu ungeahnten Kräften, ganz wie Popeye. (Bernadette Redl, 14.10.2018)

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Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gern gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher, sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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  • Bernadette Redl beschäftigt sich von Berufs wegen mit Gesundheit. Manchmal ist sie selbst krank oder in medizinischer Behandlung
    foto: cremer/rawicka/istock

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