Wastlzwist bei den Freiheitlichen

Kolumne12. Oktober 2018, 12:04
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Wenn Parteien auf den Hund kommen

Seien wir ehrlich: Meinungsvielfalt ist überschätzt und generell ein Schmarren. Am besten fährt man damit, wenn alle dasselbe meinen, vor allem in der Politik. Türkis. Blau und Türkis-Blau feiern mit ihren kategorischen Kommunikationsimperativen – Abnicken! Nachbeten! Pappenhalten! – brillante Erfolge.

In der SPÖ hingegen geht es drunter und drüber. Bei den Roten posaunt jeder hinaus, was ihm an welchem Genossen gerade auf den Senkel geht, und trägt so zum öffentlichen Bild einer politischen Wertegemeinschaft bei, die ihren nächsten Parteitag vermutlich auf der Bluatwiesn abhält. Die seltensten Vögel auf Gottes Erdboden sind ÖVPler, die ihren Schnabel aufmachen, bzw. SPÖler, die ihn halten.

Auch bei den Freiheitlichen gibt es momentan ungute Meinungsdifferenzen. Stein des Anstoßes war eine Wortmeldung des legendären niederösterreichischen Landtagsabgeordneten Gottfried Waldhäusl, der nach einem tödlichen Hundebiss das Weichei in sich entdeckte und allen Ernstes eine generelle Beißkorbpflicht in Niederösterreich forderte. Sehr ungewöhnlich! Üblicherweise scheuen Politiker peinlich davor zurück, sich mit dem Wählersegment der Hundehalter anzulegen, und ziehen es vor, dass hin und wieder ein Kleinkind den Kopf hinhalten muss.

Waldhäusls Forderung wirkt für einen Blauen überhaupt zu sentimental. Wer 140 km/h fahren und hemmungslos tschicken will, der will auch nicht, dass der Mastiff, Pitbull oder Deutsche Schäferhund am Ausleben seiner oralen Bedürfnisse gehindert werde. Daher weg mit dem Maulkorb! Auf dass Rambo, Odin und Killer auch morgen noch kraftvoll zubeißen können!

Zum Glück blies dem Abgeordneten Waldhäusl sofort innerparteilicher Gegenwind ins Gesicht. Philippa Strache, gesamtösterreichische Schutzpatronin aller Wastls, Miezis und Murrlis, warnte davor, "alle Hunde über einen Kamm zu scheren" (zu Recht, das wäre ja auch hygienisch inakzeptabel).

Der feinsinnige Harald Vilimsky sprach sich für eine "differenzierte Lösung" aus, und Ministerin Hartinger-Klein stellte einen runden Tisch in Aussicht. Dennoch bleibt der Eindruck, dass in dieser Hundefrage ein rechter Sauhaufen entstanden ist. Vielleicht sollte man sich in der FPÖ wieder mehr mit etwas beschäftigen, bei dem man sich einiger ist. Die Ausländer zum Beispiel wären ein Superthema. (Christoph Winder, 12.10.2018)

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