Zusammenhang zwischen MS und Darmflora entdeckt

    12. Oktober 2018, 09:32
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    Laut Forschern wandern im Darm aktivierte Immunzellen ins Gehirn und lösen dort Entzündungskaskade aus

    Zürich – Bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) könnte die bakterielle Darmflora eine größere Rolle spielen als bisher angenommen. Bei MS wird das Hirngewebe durch eine fehlgeleitete Antwort des körpereigenen Immunsystems geschädigt. Das Abwehrsystem richtet sich gegen die Hüllen von Nervenzellen, die aus Myelin bestehen. Da diese Myelinhüllen aus einer biologischen Membran aus Fetten und Eiweißen bestehen, konzentrierte sich die Wissenschaft auf ihrer Suche nach den Zielantigenen der Krankheit bis dahin auf Myelinkomponenten. Forscher der Universität Zürich (UZH) zeigten nun, dass es sich lohnt, diesen Blickwinkel zu erweitern.

    So reagieren die sogenannten T-Helfer-Zellen, die für die pathologischen Prozesse verantwortlich sind, auf ein Eiweiß namens GDP-L-Fucose-Synthase. Dieses Enzym wird sowohl in menschlichen Zellen als auch von Bakterien gebildet. Diese Bakterien treten in der Darmflora von MS-Patienten gehäuft auf. "Wir denken, dass die Immunzellen im Darm aktiviert werden, dann ins Hirn wandern und dort eine Entzündungskaskade anstoßen, wenn sie der menschlichen Variante ihres Zielantigens begegnen", sagt Studienleiterin Mireia Sospedra.

    Immunsystem umerziehen

    Die UZH-Wissenschafter hoffen, dass die Erkenntnisse bald therapeutisch nützlich sein könnten: Es ist geplant, die immunaktiven Bestandteile der GDP-L-Fucose-Synthase in einem Ansatz zu testen, den die Forschenden schon seit mehreren Jahren verfolgen.

    "Unser klinischer Ansatz richtet sich spezifisch gegen die pathologischen autoreaktiven Immunzellen", erklärt Sospedra. Damit unterscheidet er sich radikal von den aktuell verfügbaren Behandlungen, die das gesamte Immunsystem drosseln. Mit ihnen gelingt es zwar oft, die Entwicklung der Krankheit aufzuhalten, doch die Behandlungen führen gleichzeitig zu einer Schwächung des Abwehrsystems – und können deshalb mitunter schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen.

    Bei dem klinischen Versuch wird MS-Patienten Blut entnommen. Auf die Oberfläche der roten Blutkörperchen kleben die Forscher dann die immunaktiven Eiweißfragmente. Wird das Blut anschließend wieder in den Körper zurückgeleitet, helfen die Fragmente dabei, das Immunsystem der Patienten umzuerziehen und tolerant gegenüber dem eigenen Hirngewebe zu machen. (APA, sda, red, 12.10.2018)

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