Kraftort und Wehrturm: Beste Einfamilienhäuser 2018

    Ansichtssache13. Oktober 2018, 15:00
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    Das Verlagshaus Callwey kürt jedes Jahr mit dem Deutschen Architekturmuseum die Häuser des Jahres. Der Sieger steht heuer in Ostfriesland, eine Anerkennung gab es für ein Nachverdichtungsprojekt im Wiener Speckgürtel

    foto: katharina matzig, max scharnigg/häuser des jahres 2018/callwey verlag

    Der Wettbewerb "Häuser des Jahres" wird seit 2011 vom Deutschen Architekturmuseum und Callwey ausgelobt und prämiert die besten Projekte im deutschsprachigen Raum. Eine Fachjury wählt 50 Häuser aller Kategorien aus: Holzhäuser, Massivhäuser, kleine Häuser, Villen mit Pool, Low-Budget-Häuser und energieeffiziente Häuser, und kürt die Sieger.

    Der erste Preis bei "Häuser des Jahres 2018" geht an das Projekt "Haus am Deich" in Ostfriesland von Thomas Kröger Architekten aus Berlin. "Welch ein erfrischendes kleines Haus, das einerseits so daherkommt, als wäre es schon immer in dem ostfriesischen Dorf Ostrhauderfehn gestanden, mit seiner spezifischen Gestalt, den roten kunstvoll gemauerten Backsteinen und den ebenso roten, lokal gebrannten Dachziegeln, die dem Haus seine monolithische Massivität geben", lautete das Urteil der Jury.

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    Eine Auszeichnung geht an Bearth & Deplazes Architekten, Chur (Schweiz), für das Haus "High Performance, Low Tech" im schweizerischen Tamins. Im Bild ist die Ostfassade. Das Haus ist schmal, lang und schlicht. Die Materialien: Holz, Beton und Faserzementplatten mit Photovoltaik. Die beiden langen Seiten des Gebäudes haben raumhohe Fenster. Bei Tageslicht und geöffneten Holztoren wirkt der Innenraum fast wie eine Veranda, lautet die Beschreibung im Buch. Des Weiteren sprach die Jury sechs Anerkennungen aus.

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    Unter den 50 besten Einfamilienhäusern sind auch Objekte aus Österreich: Die Caramel-Architekten erhielten eine Anerkennung für ein Haus im Wiener Speckgürtel. Sie haben in Baden einen Neubau in den Hinterhof eines alten Winzerhauses gesetzt. Das Haus aus Stahlbeton bietet den Bewohnern, einer fünfköpfigen Familie, durch Glaswände Ausblicke ins Freie. "Eine lebensfrohe Nachverdichtung für eine junge Familie", urteilte die Jury.

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    Titus Bernhard Architekten BDA aus Augsburg erhielten für das Haus "Kulturbau" im italienischen Gargnano eine Anerkennung. "Die Architektur überzeugt mit vollendeter Machart. Passgenau nimmt das architektonische Kleinod Raum ein, wo scheinbar kein Platz ist, und schafft dabei Raum für die Betrachtung dieser einzigartigen Landschaft", so die Jury. Im Inneren schaffen Stein und Holz ein traditionelles Ambiente. Spürbar sei auch die Liebe zum Detail, zum traditionellen Handwerk und zu dessen zeitgenössischer Interpretation.

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    Eine Anerkennung ging ebenfalls in die Schweiz, an Davide Macullo Architects mit Daniel Buren Artist, Lugano, für das Haus "Kunstbau" in Rossa, einem kleinen Dorf am Ende des wilden Calanca-Tals in Graubünden. Dort "befindet sich ein seltsames und gleichermaßen archetypisches Haus. In seiner Höhe und Kubatur erinnert es eher an die Wehrtürme entlang alter Passstraßen nördlich und südlich der Alpen als an die Hütten und Patrizierhäuser, deren Maße sich in der Geometrie des kreuzförmigen Grundrisses vereinen", so die Jury. Das Haus ist einfach gebaut und besteht aus einem eingegrabenen Sockelgeschoß aus Stahlbeton und einem sichtbaren in Holzbauweise. Die äußere Farbgebung wurde vom Künstler Daniel Buren entwickeltet.

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    Modersohn & Freiesleben Partnerschaft Architekten mbB, Berlin, bekamen eine Anerkennung für das "Landhaus" in Gramzow/Melzow. "Der sichtbare Werkstoff Holz in den Innenräumen und die Außenhaut aus Blech unterstreichen den minimalistischen Habitus. Statt auf kostspielige Wand-, Decken- und Fassadenverkleidungen wurde auf reduzierte Materialien, Konstruktionen und eine kluge Aufteilung des Raumvolumens gesetzt", lautete das Urteil der Jury.

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    Noch eine Anerkennung ging nach Österreich: An Innauer-Matt Architekten ZT GmbH in Bezau, für das Haus "Kraftort". Das Haus dient den Bauherren als Zweitwohnsitz und liegt nur eine halbe Stunde von deren Stadtwohnung in Bludenz entfernt. "Dieses Haus hat uns begeistert. Das von Markus Innauer und Sven Matt am Bürserberg auf der Tschengla gebaute Haus nimmt sich zurück und sich selbst nicht wichtig", lautet das Urteil der Jury. Die Architekten aus Vorarlberg waren bei dem Wettbewerb gut vertreten: Unter den 50 ausgezeichneten Häusern aus Deutschland, Schweiz, Südtirol und Österreich waren acht aus Vorarlberg, wie die Plattform "Vorarlberg online" berichtet.

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    Beer Bembé Dellinger Architekten in Greifenberg bekamen für das Haus "Länge läuft" in Oberbayern eine Anerkennung. "Das Gebäude verzichtet auf protzige Attribute der Villenarchitektur und überzeugt stattdessen durch eine abstrakte Zurückhaltung, die sich einerseits in die Landschaft einfügt, andererseits aber auch einen Kontrast zu ihr bildet", urteilte die Jury über das Haus am See.

    Eine Ausstellung mit den 50 besten Arbeiten zeigt das Deutsche Architekturmuseum noch bis zum 25. November. (red, 13.10.2018)

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