Monte dei Paschi & Co brauchen Geld: Italien vor neuer Bankenkrise

    11. Oktober 2018, 18:59
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    Über Italiens Bankenlandschaft ziehen tiefschwarze Wolken auf, wieder einmal. Die Sparkasse von Genua steht am Abgrund, auch Monte dei Paschi braucht Geld

    Mailand – Italiens Banken stehen vor einer neuen Krise. Der Anstieg des Spreads (Risikoprämie) zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen auf möglicherweise 400 Basispunkte könnte massive Kapitalerhöhungen bei zahlreichen Kreditinstituten bedingen, befürchten die Analysten von Credit Suisse.

    Grund ist unter anderem der hohe Anteil von Staatspapieren (360 Milliarden Euro), den Italiens Kreditinstitute in ihrem Portefeuille halten. Am Donnerstag lag die Risikoprämie auf italienische Bonds bei 310 Basispunkten.

    Sorgenkind Staatsanleihe

    Die Staatsanleihen sind aber nicht der einzige Grund für die neue Krise. Die Genueser Sparkasse Carige steht vor der Pleite. Nachdem die Ratingagentur Fitch die Bank von B- auf CCC+ mit negativem Ausblick herabgestuft hat und eine Abwicklung für eine reale Möglichkeit hält, hat der Aktienkurs am Donnerstag mit 0,47 Cent ein Allzeittief erreicht.

    Fitch glaubt nicht, dass sich die Bank das von der Europäischen Zentralbank bis 30. November angemahnte Kapital zur Aufstockung der Eigenmittel besorgen kann. "Der Markt ist zu", heißt es auch in Bankenkreisen in Mailand. Carige hatte schon 2017 Probleme mit einer Kapitalmaßnahme. Aktuell versucht sie, einen nichtgesicherten Bond über 200 Millionen Euro zu platzieren. Großaktionär Malacalza Investimenti, der 27,5 Prozent der Anteile hält, will sich daran zwar beteiligen, verpflichtet sich aber nicht, gegebenenfalls für die gesamte Summe zu garantieren. Die Bank ist durch Korruption und abenteuerliche Geschäfte massiv in Schieflage geraten und Gegenstand verschiedener Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft.

    Rettungsaktion als Option

    "Die Bank steht am Abgrund", heißt es bei Investoren. Beobachter in Italien halten eine staatliche Rettungsaktion für das ligurische Institut für nicht ausgeschlossen – auch wenn der Widerstand aus Frankfurt bzw. Brüssel wohl massiv wäre. Der Staat muss wohl oder übel auch seinen Anteil bei Monte dei Paschi di Siena (MPS) erhöhen. MPS sei nicht mehr imstande, sich das nötige Kapital am Markt zu beschaffen. Der Staat hält bereits eine Beteiligung von knapp 70 Prozent an der Traditionsbank aus Siena. (tkb, 12.10.2018)

    • Die glänzenden Zeiten der italienischen Bank Monte dei Paschi sind vorbei.
      foto: reuters/stefano rellandini

      Die glänzenden Zeiten der italienischen Bank Monte dei Paschi sind vorbei.

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