Brüssel liefert Munition für Supermärkte

Kommentar11. Oktober 2018, 19:09
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Der EU-Plan ist gut, wichtig und überfällig. Der Weg dorthin ist aber mit Stolpersteinen gepflastert.

Spar-Chef Gerhard Drexel liebt den Kampf. Mal feiert sich der Handelschef als Robin Hood, mal übt er sich als David gegen Goliath. Die Rollen sind klar verteilt: Spar kämpft gegen die aus seiner Sicht mächtige internationale Markenartikelindustrie sowie Auswüchse der EU.

Beide Feindbilder haben für Supermärkte derzeit Hochsaison, denn die EU-Kommission will ihre oft unlauteren Geschäftspraktiken eindämmen. Sie sieht im Kräftemessen der Handelsriesen mit Lieferanten Bauern wie kleine Produzenten im Nachteil und will ihnen Instrumente liefern, um sich vor einseitiger Machtausübung zu schützen.

Der Plan ist gut, wichtig und längst überfällig. Der Weg dorthin ist jedoch mit Stolpersteinen gepflastert, die Händler wie Drexel nur zu willig aufgreifen.

Einem Änderungsantrag im Agrarausschuss zufolge sollen Supermärkte künftig keine über EU-Regeln hinausgehenden Standards mehr verlangen dürfen, ob im Tierschutz oder in der Bioproduktion. Das schadet Konsumenten und ist ein Schuss nach hinten. Das Ansinnen, den Schutz auf große Industriekonzerne auszudehnen, gibt Kritikern weitere Munition. Auch Vorschläge, die Zusammenarbeit von Einzel- und Großhandel zu verbieten, überspannen den Bogen – würden diesem doch auch kleine Nahversorger zum Opfer fallen. Das EU-Parlament riskiert damit, das eigentliche Ziel zu torpedieren, nämlich faireren Wettbewerb zwischen Produzenten und Abnehmern zu erreichen. (Verena Kainrath, 11.10.2018)

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