Inserate der Stadt Wien: Nicht nach Gutsherrenart

    Kommentar11. Oktober 2018, 17:45
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    Das Boulevardtrio "Krone", "Heute" und "Österreich" liefert sich einen Zeitungskrieg wegen eines Vergleichs, den Ludwig den Wiener Linien diktiert haben soll

    Wenn die Worte Michael Ludwig und Anzeigen fallen, ist grundsätzlich einmal Vorsicht geboten – wenn nicht sogar Misstrauen. Der Wiener Bürgermeister (SPÖ) sitzt auf einem millionenschweren Inseratenbudget, das er nun neu ordnen möchte. Im Jahr 2017 waren es knapp 18 Millionen Euro. Eine ordentliche Summe, die Begehrlichkeiten auf vielen Seiten weckt und Ludwig in ein medienpolitisches Minenfeld manövriert.

    Denn die größten Profiteure der üppig verteilten Inserate sind seit Jahren "Krone", "Heute" und "Österreich". Das Boulevardtrio liefert sich derzeit einen Zeitungskrieg wegen eines Vergleichs, den Ludwig den Wiener Linien diktiert haben soll. Dieser beendete den jahrelangen Streit mit der Mediengruppe Österreich um die Entnahmeboxen in der U-Bahn. "Krone" und Heute schäumen. Ludwig wird zum Spielball der Berichterstattung.

    Zuvor hatte er sie mitgesteuert – nicht zuletzt mit Anzeigen, wie Kritiker meinen. Unter Ludwigs Ägide als Wohnbaustadtrat gab es in zehn Jahren Inseratengelder von über 40 Millionen Euro, wie die Rechercheplattform "Dossier" erhob. Ein guter Teil davon floss auf Gutsherrenart in Richtung Boulevard.

    Ludwig verspricht nun eine transparente Inseratenvergabe, will dabei "journalistische Qualität" garantieren. Das gibt zumindest Hoffnung. Noch besser wäre es, wenn er eine unabhängige Mediaagentur damit betrauen würde. (Oliver Mark, 11.10.2018)

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