Bürgermeister Ludwig: Neue "Spielregeln" für Inseratenvergabe in Wien

    11. Oktober 2018, 14:44
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    Der Wiener Stadtchef will "journalistische Qualität" garantieren und verspricht ein "sehr transparentes Konzept". Das Inseratenbudget soll nicht angetastet werden

    Wien – Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat am Donnerstag angekündigt, die Spielregeln für die Informationstätigkeit der Stadt und damit auch die Vergabe von Inseraten neu zu definieren. Es solle ein "sehr transparentes Konzept" entwickelt werden. Das Ziel sei, die Bewohner der Stadt zu informieren – aber auch journalistische Qualität sicherzustellen.

    Gleichzeitig betonte Ludwig, dass er sich nicht von einzelnen Medien unter Druck setzen lasse. Die Stadt war zuletzt im Zusammenhang mit dem Vergleich zwischen den Wiener Linien und der Mediengruppe Österreich kritisiert worden – vor allem in der Konkurrenzzeitung "Heute" beziehungsweise in der "Kronen Zeitung". Ludwig betonte im Gespräch mit Journalisten, dass er sich in das Verfahren nicht eingemischt habe und sich an der herrschenden "Konkurrenzsituation" nicht beteiligen wolle. "Ich möchte mir nicht unterstellen lassen, dass ich mit irgendwelchen Medien Geheimverhandlungen führe."

    Ludwig "befremdet"

    Er sei "befremdet" darüber, dass der Versuch gemacht werde, ihn persönlich hier hineinzuziehen. Da er aber ohnehin eine generelle Unzufriedenheit der Medien mit der Informationspolitik der Stadt orte, würden nun die Rahmenbedingungen geändert: "Es wird neue Spielregeln geben in der Kooperation mit Medien." Gemeinsam mit Experten – auch aus dem Medienbereich – sowie mit den Grünen sollen die Richtlinien bis Anfang 2019 erarbeitet werden.

    "Wir müssen schauen, dass wieder Zufriedenheit einkehrt in der Medienwelt", sagte Ludwig. Und stellte klar, dass es einen Sinn mache, jene Medien zu stärken, "die journalistische Qualität garantieren". Gerade in Zeiten von Social Media sei es wichtig, dass Nachrichten von sicheren Quellen kämen. Wien wolle transparent informieren, und es sei in seinem Interesse, klassische Medien zu unterstützen. Zusatz: "Wenn es gewünscht ist, ich möchte mich aber auch nicht aufdrängen."

    Gute Zusammenarbeit mit Medien wichtig

    Eine gute Zusammenarbeit mit Medien sei ihm wichtig, beteuerte er. Auch die "kritische Auseinandersetzung" schätze er, die Berichterstattung müsse jedoch objektiv bleiben. Der Stadtchef versicherte: "Ich bin auf Druck nicht anfällig." Es sei zum Teil erstaunlich, wie Medien in Wien mit der Stadt umgingen, konstatierte er. Eine derart "aggressives Verhalten" gebe es in keinem anderen Bundesland. Manche hätten offenbar das Gefühl, "zu wenig vom Kuchen zu bekommen".

    Inseratenbudget soll nicht angetastet werden

    Ludwig deutete an, dass nun vieles zur Disposition stünde – auch etwa die Entnahmeboxen für Gratiszeitungen in den U-Bahn-Stationen. Das Inseratenbudget soll zumindest nach derzeitigem Stand der Dinge nicht angetastet werden: "Ich kann mir gut vorstellen, dass wir bei der Höhe bleiben, wenn es gute Argumente gibt." Der Bürgermeister betonte, dass auch untersucht werden solle, wie die Inserate bei den Bürgern ankommen – also ob sie ihren Zweck, über Serviceangebote und Leistungen der Stadt zu informieren, erfüllen. (red, APA, 11.10.2018)

    • Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ortet eine generelle Unzufriedenheit der Medien mit der Informationspolitik der Stadt.
      foto: christian fischer

      Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ortet eine generelle Unzufriedenheit der Medien mit der Informationspolitik der Stadt.

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