Trump: US-Notenbank ist "verrückt geworden"

    11. Oktober 2018, 10:25
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    Der US-Präsident kritisiert die Zentralbank für ihre Zinspolitik

    Washington – US-Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank Fed wegen ihrer Zinspolitik scharf kritisiert. Die Notenbank sei "verrückt geworden", sagte Trump am Mittwoch bei einem Besuch im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er warf der Zentralbank vor, die Leitzinsen zu schnell anzuheben. "Ich denke, die Fed macht einen Fehler", sagte Trump. "Ich denke, die Fed ist verrückt geworden."

    Zuvor hatte die Wall Street einen schwarzen Tag erlebt. Der Dow Jones verlor rund 830 Punkte – der größte Verlust seit Februar. Der Technologie-Index Nasdaq verlor 4,1 Prozent. Das war der größte Rückgang seit dem überraschenden Brexit-Votum im Juni 2016.

    Handelsstreit zwischen China und USA als Mitgrund

    Dass die Börsen nun nachgeben, hat mehrere Gründe. Als einen nennen Analysten die Sorge vor weiteren Zinsanhebungen durch die Fed. Andere Gründe sind die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die Unklarheit über den Brexit. In Summe spielt hier auch herein, dass durch die Zinsanhebungen der Fed die US-Staatsanleihen wieder höher rentieren. Für Anleger ist das verlockend, weil das Risiko im Anleihensektor geringer ist als am Aktienmarkt. Für zehnjährige US-Anleihen erhalten Anleger aktuell 3,17 Prozent, für 30-jährige winken 3,36 Prozent. Daher nehmen viele Anleger ihre Gewinne aus Aktien mit und schichten einen Teil ihrer Veranlagung in Anleihen um. Auch das zieht die Märkte nach unten.

    Trump hat die US-Geldpolitik wiederholt öffentlich kritisiert, was für US-Präsidenten ungewöhnlich ist. Ende September meldete er sich zu Wort, nachdem die Fed die Leitzinsen zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben hatte: "Leider haben sie die Zinsen gerade wieder erhöht. Ich bin darüber nicht glücklich." Er befürchtet, dass die Notenbank den US-Wirtschaftsboom abwürgen könnte. Fed-Chef Jerome Powell betonte aber jüngst die Unabhängigkeit der Notenbanker: "Wir berücksichtigen keine politischen Faktoren." Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sieht das anders. Das aktuelle Geschehen sei eine "Kurskorrektur", die "wahrscheinlich gesund" sei, zitierte CNBC den Regierungsvertreter. "Das wird vorübergehen, und die US-Wirtschaft bleibt stark."

    Viele Titel gut gelaufen

    Zu den größten Verlierern zählten Unternehmen aus dem Tech-Bereich. Papiere aus diesem Bereich haben heuer teilweise bereits rasante Kursgewinne gezeigt. Dass es hier im Verlauf zu Korrekturen kommt, ist an den Märkten nicht unüblich. Ein Dämpfer für die Tech-Sparte kam am Mittwoch aus der Schweiz: Das Technologieunternehmen VAT sprach von einer gedämpften Nachfrage von Chipausrüstern. Daher nahmen Anleger bei Unternehmen wie Intel und Nvidia Kursgewinne mit und verkleinerten ihre Positionen.

    Einen Rückschlag gab es auch für die Aktien von Luxusgüterproduzenten. Als Auslöser gilt hier eine Warnung der Louis-Vuitton-Mutter LVMH, wonach sich das wichtige Geschäft in China abschwächen könnte. Dieser Markt ist für Luxusgüterhersteller extrem wichtig, weil die aufstrebende chinesische Mittelschicht diese Produkte sehr stark nachfragt.

    IWF geht auf Distanz

    IWF-Chefin Christine Lagarde ist in wesentlichen wirtschaftspolitischen Fragen auf Distanz zu Trump gegangen. Das internationale Handelssystem dürfe nicht zerstört werden, sagte Lagarde zur Eröffnung der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Indonesien. Ihre Forderung: "Repariert es, aber zerstört es nicht."

    Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen Nutzen gebracht, sagte Lagarde, betonte aber auch, dass Zentralbanken ihre Zinsentscheidungen nach ökonomischen Indikatoren treffen müssten. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten die Zentralbanken "die Entscheidungen treffen, die sie treffen", betonte die frühere französische Finanzministerin.

    Sorge greift um sich

    Die Sorge um die Konjunktur und der schwache Vortag an den US-Börsen sorgten auch für einen Ausverkauf an den asiatischen Börsen. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 3,89 Prozent leichter, der breiter gefasste Topix ging um 3,52 Prozent leichter aus dem Handel. Auch in Europa legten die Börsen einen tiefroten Handelsstart hin.

    In den USA steht am Donnerstag die Veröffentlichung der Kernverbraucherpreise für September an. Ein weiterer Inflationsanstieg könnte weitere Impulse für Zinsschritte durch die Fed setzen. (APA, Reuters, 11.10.2018)

    • Donald Trump ist von der Zinspolitik der US-Notenbank nicht begeistert.
      foto: ap/evan vucci

      Donald Trump ist von der Zinspolitik der US-Notenbank nicht begeistert.

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