Khashoggi soll von Saudi-Arabien in Hinterhalt gelockt worden sein

    10. Oktober 2018, 16:50
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    Fünfzehn Saudis landeten am Tag des Verschwindens in Istanbul. Der US-Geheimdienst hörte laut "Washington Post" die Saudis ab

    Eine der regierungsnahen türkischen Zeitungen veröffentlichte am Mittwoch die Namen der 15 saudi-arabischen Männer, die am Tag von Jamal Khashoggis Verschwinden mit zwei Privatjets auf dem Atatürk-Flughafen gelandet waren. Ein Forensik-Experte soll unter ihnen gewesen sein. Khashoggi sollte nach Saudi-Arabien zurückgebracht werden – das habe der US-Geheimdienst aus abgehörten Gesprächen saudischer Offizieller erfahren, berichtete die Washington Post unter Berufung auf einen nicht genannten Insider. Als Khashoggi am 2. Oktober mittags zu seinem Termin im Konsulat erschien, war der Hinterhalt bereits gelegt, so stellt es die Zeitung dar, für die Khashoggi Kolumnen schrieb.

    Seit die türkische Justiz im Fall Khashoggi Ermittlungen aufnahm und der saudische König selbst die Durchsuchung des Konsulats in Istanbul angeboten hat, wird auf die Ankunft der türkischen Kriminalpolizei gewartet. Eine Woche scheint eine ausreichend lange Zeit, um die Spuren eines möglichen Verbrechens zu verwischen. Allerdings wissen die türkischen Experten wohl selbst genau, wo und wonach sie im Gebäude suchen müssen.

    "Abstoßende" Spekulationen

    Reporter der Nachrichtenagentur Reuters führte der saudische Generalkonsul Mohammad al-Otaibi bereits vergangenen Samstag durch das sechsstöckige Gebäude im Istanbuler Büroviertel Levent. Die Spekulationen über eine Entführung oder Ermordung Khashoggis fand Otaibi "abstoßend". Nach Darstellung der Saudis hat der 59-Jährige das Konsulat verlassen und muss dann irgendwie verlorengegangen sein.

    Die Empörung über Khashoggis Schicksal, die nun Staatschef Tayyip Erdoğan und die mit ihm verbundenen türkischen Medien zur Schau stellen, ist dabei nicht ohne Ironie. Im Umgang mit Journalisten im eigenen Land ist der autoritär regierende Staatschef nicht zimperlich. Mit derzeit mehr als 170 inhaftierten Journalisten ist die Türkei unter Erdoğan eines der repressivsten Länder geworden.

    Am Tag, als Khashoggi verschwand, hat ein Istanbuler Gericht lebenslängliche Haftstrafen mit erschwerten Bedingungen gegen vier renommierte Journalisten bestätigt, darunter den 68-jährigen Ahmet Altan, einen Schriftsteller und ehemaligen Chefredakteur einer Tageszeitung. (Markus Bernath, 10.10.2018)

    • Das saudi-arabische Konsulat in Istanbul wird noch immer streng überwacht.
      foto: ap / lefteris pitarakis

      Das saudi-arabische Konsulat in Istanbul wird noch immer streng überwacht.

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