Muss man Herbert Kickl lieben, um sein Bild zu schreddern?

11. Oktober 2018, 07:19
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Innsbrucker Künstler ließen sich von Banksy inspirieren, ein Porträt des Innenministers zu zerschnipseln. Doch wie gut eignet sich die Schredderaktion des Briten eigentlich als Muster für Antipathiebekundungen?

Die Welt liegt im Schredderfieber, seit sich vergangenen Freitag ein Bild des Künstlers Banksy dank eines im Rahmen eingebauten Aktenvernichters auf einer Auktion selbst zerstörte. Unmittelbar nachdem der Zuschlag für 1,2 Millionen Euro gegeben war, schnitt der Schredder das Bild vor den Augen des verblüfften Publikums in Streifen. Verstehen lässt sich der jüngste Streich des britischen Streetart-Künstlers als Zeichen gegen den kapitalistischen Begriff vom Besitz: Lieber Käufer, du sollst mein Bild nicht besitzen, es gehört der Gemeinschaft im öffentlichen Raum!

In den sozialen Netzwerken wurde der Coup heftig bejubelt. Gut, manche fragten sich, ob Banksy nicht darauf abziele, den Wert des Kunstwerks dadurch zu steigern; und ob überhaupt die ganze Sache vielleicht nichts als ein bombastischer PR-Gag sei, mit dem sich der Künstler zugleich in der Kunstmarktwelt und bei den sozialkritischen Zeitgenossen einschleimt.

Andere überlegten sich unterdessen, welche Bilder man noch schreddern respektive wertsteigern könnte. Die Mona Lisa vielleicht? Oder Klimts Kuss? Eine App ward der Welt geschenkt, dank der jeder ausprobieren kann, wie das eigene Lieblingsbild im zerschnipselten Zustand ausschaut. Oder eben ein Foto, das einem nicht so gefällt: Lange dauerte es nicht, bis auch das in Streifen geschnipselte Konterfrei von US-Präsident Donald Trump in den Kanälen auftauchte.

Lust auf den Aktenvernichter

Ob sich die Künstler der Ausstellung "Bitt’schön, Herr Kickl!" im Innsbrucker Treibhaus unmittelbar davon inspirieren ließen, ist nicht überliefert. Auf der von Kabarettist und Poetryslammer Markus Koschuh organisierten Veranstaltung ist nun jedenfalls auch ein geschreddertes Porträt von Innenminister Herbert Kickl aufgetaucht. Die Veranstaltung versteht sich als Solidaritätsbekundung mit zwei Tirolern, die mit dem Minister im Rechtsstreit liegen. Sie trugen bei der Rad-WM ein Transparent mit der Aufschrift "Kickl, ride to höll" und wurden darob angezeigt.

Irgendwie versteht man’s ja, dass man da Lust kriegt, zum Aktenvernichter zu greifen. Die Frage wäre aber trotzdem, wie gut sich Banksys Schredderaktion als Muster für Antipathiebekundungen eignet. Immerhin mag man argumentieren, der Künstler habe sein Mädchen mit Ballon gerade deshalb zerstört, weil es ihm am Herzen liegt. Weil er es für die Gemeinschaft retten wollte. Kaum vorstellbar, dass dies die Empfindungen sind, die die Innsbrucker Künstler für den Innenminister hegen. Vermutlich ist dieser Einwand aber eh viel zu verkopft. Schreddern ist oft auch Gefühlssache. (Roman Gerold, 11.11.2018)

  • "Keep on galopping in a free world": Auf der Vernissage der Ausstellung "Bitt'schön, Herr Kickl!" im Innsbrucker Treibhaus ist unter anderem diese Variation auf Banksys Schredderaktion zu sehen.
    foto: markus koschuh

    "Keep on galopping in a free world": Auf der Vernissage der Ausstellung "Bitt'schön, Herr Kickl!" im Innsbrucker Treibhaus ist unter anderem diese Variation auf Banksys Schredderaktion zu sehen.

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