Weltkriegs-U-Boot mit brisanter Ladung bereitet Kopfzerbrechen

    9. Oktober 2018, 16:07
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    1945 vor norwegischer Küste versenkte U-864 hatte 67 Tonnen Quecksilber an Bord. Nun soll das Wrack zugedeckt werden

    Oslo – Was tun mit einer über 70 Jahre alten beispiellosen Umweltbombe im Meer vor der norwegischen Küste? Am 9. Februar 1945 versenkte das britische U-Boot Venturer das deutsche Unterseeboot U-864. Das in zwei Teile zerbrochene Wrack wurde im März 2003 von der norwegischen Marine in 150 Meter Tiefe zwei Seemeilen vor der Ortschaft Fedje im westnorwegischen Bezirk Hordaland entdeckt. Das gefährliche an dem Wrack ist seine Ladung: 1857 Flaschen mit insgesamt 67 Tonnen hochgiftigem Quecksilber, das für die japanische Luftwaffe bestimmt war, befinden sich nach wie vor an Bord, abzüglich geringer Mengen, die bereits ausgeflossen sein dürften.

    Laut unabhängigen Untersuchungen u.a. von Det Norske Veritas (DNV) ist die Bergung des Wracks zu aufwändig und zu gefährlich, weil das Wrack beim Heben auseinander brechen und dabei Quecksilber austreten könnte. Daher war in den letzten Jahren über eine Schutzhülle nachgedacht worden, die die Umwelt vor dem schädlichen Wrack bewahren soll. Im Februar 2017 schließlich konnte das Wrack unter einer vorläufigen Hülle aus Sand und Gestein begraben werden. Nun soll das Grab auch noch versiegelt werden: Die norwegische Regierung will für die Versiegelung des Wracks und rund 47.000 Quadratmeter Meeresboden im kommenden Jahr rund 3,5 Millionen Euro bereitstellen.

    Abdecken reicht nicht

    Insgesamt soll das Projekt bis Ende 2020 zwischen 11,6 Millionen und 31,6 Millionen Euro kosten. Ein finaler Beschluss des Parlaments steht allerdings noch aus. Anrainer und Umweltorganisationen halten aber das bloße Abdecken des Wracks für nicht ausreichend. Sie fordern im norwegischen Rundfunk NRK, dass U-864 gehoben und das Quecksilber entfernt wird. Das hatten auch die damaligen Oppositions- und jetzt Regierungsparteien Hoyre und Fremskrittspartiet trotz der damit verbundenen Risiken versprochen. Mittlerweile sind aber auch sie für ein Abdecken des Wracks. (red, 9.10.2018)

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