"Karnickl statt Kickl": Innsbrucks kreative Reaktion auf das Höll-Plakat

Blog10. Oktober 2018, 08:00
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Nach der Anzeige gegen zwei Rad-WM-Fans, die den Innenminister mit einem Spruchband aufs Korn genommen hatten, wurde in Innsbruck zum Plakatwettbewerb aufgerufen

Innsbruck – Der Tiroler Kabarettist Markus Koschuh war ein bisserl neidisch, wie er sagte: "Weil mir dieser Spruch nicht selbst eingefallen ist." Gemeint ist das Plakat mit der augenzwinkernden Einladung "Kickl ride to Höll", mit dem sich zwei Radlfans am Tag des großen WM-Finales in Innsbruck an der Höll genannten Schlüsselstelle des Kurses postierten. Die Aktion brachte den beiden eine Anzeige wegen Anstandsverletzung ein, was wiederum österreichweit für mediales Aufsehen sorgte.

Weil so eine Anzeige aber ins Geld gehen kann, bis zu 360 Euro Strafe stehen auf diese moderne Form der Majestätsbeleidigung, entschloss sich Koschuh kurzerhand, seinen Neid hintanzustellen und den beiden Amateurkomikern solidarisch zur Seite zu springen. Wenn es um provokante Sprüche gegen die Obrigkeit geht, gibt es in Innsbruck seit Jahrzehnten eine Institution, das Treibhaus. Dessen Intendant Norbert Pleifer versteht es wie kaum ein Zweiter, dem politischen Establishment mit Kritik in Form von Wortwitz zu begegnen.

"Das kreative Imperium schlägt zurück"

Und so rief Koschuh in Kooperation mit dem Treibhaus kurzfristig den "Bitt schön, Herr Kickl!"-Transparent-Contest aus. Weil, so die Begründung der Aktion: "Das kann's nicht sein. Wenn der Gaulleiter zurückschlägt, muss das kreative Imperium noch kreativer zurückschlagen. Lasst uns dem Herren Innenminister unsere Meinung sagen: Ordentlich, also: anständig, nicht verletzend, transparent, plakativ, meinungsfreiheitlich."

Gesagt, getan. Rund 250 Besucher waren am Montagabend gekommen, um die zahlreichen Einreichungen zu bewundern und zu bewerten. Dazu erhielt jeder beim Eintritt drei bunte Klebepunkte, sogenannte Kickl-Pickl, die er neben seinen favorisierten Beiträgen anbringen konnte. So wurden die Sieger des Wettbewerbs ermittelt.

Bürgermeister Willi lädt Kickl nach Innsbruck ein

Selbst Innsbrucks grüner Bürgermeister Georg Willi ließ sich die Vernissage nicht entgehen. Denn: "Die Antwort auf Repression war immer Kreativität." Er habe schon als Nationalratsabgeordneter nie verstanden, wie humorlos Kickl sei, und rät ihm daher: "Ein bisschen Kritik muss man aushalten." Innsbruck stehe für "Lebensfreude und eine gewisse Gelassenheit", so Willi. Daher wolle er Kickl über diesen Weg in die Tiroler Landeshauptstadt einladen: "Damit er sieht, dass man auch humorvoll durchs Leben gehen kann." (Steffen Arora, 10.10.2018)

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foto: steffen arora

Hoppe, hoppe Reiter – wenn wer nicht kuscht, dann schreit er.

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