Fall Khashoggi: Türkei darf saudisches Konsulat durchsuchen

    9. Oktober 2018, 12:29
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    Riad erlaubt der türkischen Polizei in Istanbul offenbar, nach Spuren des verschwundenen Journalisten zu suchen, dessen Ermordung türkische Ermittler den Saudis zur Last legen sollen

    Ankara – Saudi-Arabien hat der türkischen Polizei erlaubt, das Konsulatsgebäude des Königreichs in Istanbul zu durchsuchen. Man werde den türkischen Behörden "trotz der Immunität, die die Wiener Konvention Konsulatsgebäuden verleiht", gestatten, in dem Haus nach Hinweisen auf den verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi zu suchen, gab das saudische Außenministerium am Dienstag bekannt.

    Das türkische Außenministerium reagierte umgehend auf die Mitteilung. Man werde das Konsulat durchsuchen, die Ermittlungen "gehen intensiv voran", hieß es. Die Ermittler vermuten nämlich, dass der gelegentlich als Regierungskritiker auftretenden Publizist in dem Gebäude ermordet und später via Diplomatengepäck außer Landes gebracht wurde.

    Austausch von Verdächtigungen

    Der Journalist hatte das Konsulat im Viertel Levent am vergangenen Dienstag betreten, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, war aber laut türkischen Ermittlern nicht wieder herausgekommen. Seine Verlobte wartete nach eigenen Angaben stundenlang vor dem Eingang auf ihn. Medien und Freunde berichteten daraufhin unter Berufung auf türkische Ermittler und Regierungskreise, dass Khashoggi ermordet worden sei. Saudi-Arabien weist das zurück und behauptet, er sei erst nach dem Verlassen des Konsulat verschwunden.

    Die BBC veröffentlichte am Donnerstagabend einen ungewöhnlichen Mitschnitt von Gesprächen, die Khashoggi off air vor einem Interview mit Journalisten geführt hatte. In diesen sprach Khashoggi nur wenige Tage vor seinem Verschwinden über die zunehmende Repression in Saudi-Arabien. Es gebe immer wieder Leute, die verschwinden würden, ohne dass man wisse, was der Grund dafür sei. Erst kürzlich sei ein Freund von ihm festgenommen worden, ohne dass ein Grund dafür genannt worden sei. "Vielleicht hat er bei einer Dinnerparty etwas Falsches gesagt", so Khashoggi.

    Kritik aus den USA

    Zuletzt hatten sich auch die USA in den Fall eingeschaltet. US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence äußerten sich in der Nacht auf Dienstag kritisch gegenüber Saudi-Arabien. "Ich bin besorgt", sagte Trump. "Im Moment weiß niemand etwas darüber, aber es kursieren einige böse Geschichten. Das gefällt mir nicht." Er hoffe auf eine positive Lösung.

    Sollten die Berichte über den Tod Khashoggis wahr sein, wäre das "ein tragischer Tag", twitterte Pence. "Gewalt gegen Journalisten weltweit ist eine Bedrohung der Pressefreiheit und der Menschenrechte", schrieb er und forderte Aufklärung. "Die freie Welt hat Antworten verdient." (mesc, Reuters, APA, 9.10.2018)

    • Vor dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul wird seit Tagen wegen des Verschwindens von Journalist Jamal Khashoggi demonstriert.
      foto: apa / afp / ozan kose

      Vor dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul wird seit Tagen wegen des Verschwindens von Journalist Jamal Khashoggi demonstriert.

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