Spitz-Chef Mayer: "Die Leute gönnen sich gerne was Süßes"

Interview9. Oktober 2018, 13:55
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Josef Mayer über den Grund, warum Plastik nicht aus den Regalen verschwinden wird, und die Bauordnung

Die Konzentration im Handel mit Spar, Rewe und Hofer ist in Österreich sehr hoch, der Kampf um den Platz im Regal intensiv. Das trifft auch Spitz. Der Traditionsbetrieb produziert aber im Segment "Handelsmarkengeschäft" auch Produkte für andere Hersteller. Daher ist Spitz oft drinnen, wo es gar nicht draufsteht.

STANDARD: Der Anteil von Zucker in Lebensmitteln wird stark kritisiert. Was bedeutet das für Sie als Hersteller von Sirup und Marmelade?

Mayer: Ernährung ist ein umfassendes Feld. Das Herausnehmen von einem Thema ist eine Vereinfachung, die nie sinnvoll ist. Vor einigen Jahren wurde Salz schlechtgemacht. Jetzt gibt es wieder Studien, die sagen, dass Salz nicht für Bluthochdruck sorgt. Mit unseren Ernährungswissenschaftern beschäftigen wir uns natürlich auch mit dem Zucker-Anteil. Aber: Wir sind heute in der Situation, dass wir uns mehr Essen leisten können. Nun muss der Mensch selber entscheiden, wie viel der davon aufnimmt.

STANDARD: Es wird also keine Produkte mit dem Aufdruck "weniger Zucker" bei Ihnen geben?

Mayer: Unser Slogan etwa für die Marke Auer ist: "Mit Auer beginnt das süße Leben" – und dazu stehen wir. Die Leute gönnen sich halt gerne auch etwas Süßes. Aber wir haben auch für Kinder Getränke, die nur aus Fruchtsaft und Wasser sind. Da ist kein extra Zucker drinnen. Wir füllen diese Säfte aseptisch ab, brauchen also keine Chemie mehr für die Konservierung und erhalten dabei Aromen und Vitamine. Über diese physikalische Optimierung redet keiner, weil es komplizierter ist als ein Thema wie der Zucker.

STANDARD: Für den Energy-Drink Power House hat Spitz ein Halal-Zertifikat. Ist das ein Trend, dass man jetzt auch halal sein muss?

Mayer: Die Halal- und Koscher-Zertifizierungen sind für unseren Export in die arabischen Länder und Nahost sehr wichtig. Wir sind oft angehalten, bestimmte Zertifikate zu haben, um in einigen Märkten präsent sein zu können.

STANDARD: Derzeit soll auch alles bio sein. Kämen Sie mit rein biologischen Lebensmitteln überhaupt durch in der Produktion?

Mayer: Nein. Das ist auch mit Importen nicht zu erfüllen. Bio ist für uns als Lebensmittelhersteller aber natürlich ein Thema. Aber: Die Weltbevölkerung wächst stetig, und ein wesentlicher Punkt wird sein, dass wir alle Menschen auch ernähren können. Das wird sich mit rein biologischem Landbau wohl nicht ausgehen.

STANDARD: Ein anderes Thema, das auf EU-Ebene wichtig wurde, ist Plastik. Spitz-Sirup etwa wird nach wie vor in Plastikflaschen abgefüllt.

Mayer: Heute will man im Supermarkt alles haben. Von aufgeschnittener Wurst bis Getränke. Voraussetzung dafür ist, dass wir ordentliche Verpackung dafür haben. Kunststoff hat sich von der Wirksamkeit und der Kostenseite her etabliert und durchgesetzt.

STANDARD: Das Plastik im Meer lässt sich so nicht wegdiskutieren.

Mayer: Für Pet-Flaschen haben wir in Österreich – etwa mit der Ara – ein gutes Sammel- und Recycelsystem. Das daraus gewonnene Recyclat wird zu uns geliefert, und wir stellen damit neue Flaschen her. Wir haben einen geschlossenen Kreislauf. Drei Länder weltweit sind für 85 Prozent der Verschmutzung der Weltmeere verantwortlich. Da ist kein europäisches dabei. Wir leisten unsere Beiträge, bei Spitz gibt es Programme, um die Verpackung zu reduzieren. Aber die Verschmutzung der Meere kann mit der Plastikflasche in Österreich nicht in Verbindung gebracht werden.

STANDARD: Die Mitarbeiter in Ihrem Werk repräsentieren rund 16 Nationen. Wie leben Sie Diversität?

Mayer: Ein wesentlicher Punkt sind sprachliche Barrieren. Wir bieten unseren Mitarbeitern seit Jahren Deutschkurse an. Denn sie müssen nicht nur in Arbeits- und Lebensmittelsicherheit geschult werden. Auch die Angaben an den Maschinen müssen die Mitarbeiter verstehen. Die aktuelle Zuwanderungskultur ist schon eine Herausforderung, weil sie neben der Sprache auch Themen wie Kultur berührt – da müssen wir mehr darauf achten, dass alle Standards erfüllt werden.

STANDARD: Warum schafft es Spitz mit seinen Fruchtsirupen nicht zurück in die Regale?

Mayer: Wir haben in Österreich eine Handelskonzentration wie in keinem anderen Land. Händler treffen Entscheidungen oft auch, um sich von anderen zu differenzieren. Im Sirupmarkt haben wir einen Anteil von gut 25 Prozent. Da wir mit Sirup stark im Handelsmarkengeschäft sind, tun wir uns oft schwer, dass die Händler dann unsere eigenen Sirupe auch aufnehmen. Aber wir arbeiten daran.

STANDARD: Sie stellen ja auch für andere Händler Produkte unter deren Marke her. Bringt da jeder sein eigenes Rezept oder ist eine Schnitte eine Schnitte und bekommt nur ein jeweils anderes Etikett?

Mayer: Das Handelsmarkengeschäft hat uns einen Wachstumsschub beschert, weil sich die Handelsorganisationen durch ihre eigenen Marken differenzieren wollen. Es wird mit jedem Kunden vereinbart, was er haben will. You get what you pay.

STANDARD: Die Standortpolitik wird oft kritisiert, weil die Bürokratie enorm hoch ist. Wie sehen Sie das?

Mayer: Mit der Gemeinde und der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Da gibt es kompetente Leute mit kurzen Entscheidungswegen. Flächenwidmungspläne kritisiere ich. In Deutschland etwa gibt es ein Industriegebiet, einen Gewerbepark und dann ein Wohngebiet. In Österreich ist das alles vermischt. Das liegt daran, dass die Bauordnung erster Instanz in Österreich der Bürgermeister ist. Die Zuständigkeiten gehören meiner Meinung nach geändert. Weil der Bürgermeister ein gewählter Vertreter ist.

STANDARD: Warum geht Spitz nicht an die Börse?

Mayer: Wir sind ein Familienunternehmen und wollen langfristig wirtschaften. An der Börse zählen oft die kurzfristigen Zahlen, auf die wollen wir uns nicht runterdividieren lassen.(Bettina Pfluger, 9.10.2018)

Josef Mayer (68) leitet Spitz seit 2009, seit 2013 auch Auer-Blaschke, die Spitz übernommen hat. Mayer hat BWL studiert und war lange in der Papierindustrie tätig, etwa bei Neusiedler oder Mayr-Melnhof. Spitz erwirtschaftete 2017 mit rund 700 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 256 Millionen Euro.

  • Spitz-Chef Josef Mayer möchte nicht an die Börse: "Wir wollen uns nicht auf kurzfristige Zahlen runterdividieren lassen."
    foto: picturedesk/eizinger

    Spitz-Chef Josef Mayer möchte nicht an die Börse: "Wir wollen uns nicht auf kurzfristige Zahlen runterdividieren lassen."

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