Wie aus Abfällen Markenartikel entstehen könnten

8. Oktober 2018, 18:15
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Neue Vorgaben für Recycling in der EU lassen Köpfe rauchen – Österreichs Entsorgen könnten beraten

Wien – Der Sickerprozess hat einige Monate gedauert. Nun aber ist in fast allen Betrieben die Erkenntnis gereift, dass die im Mai vom EU-Rat beschlossenen strengeren Abfallvorgaben selbst in Österreich, wo die Recyclingquoten zu den höchsten Europas gehören, ein neues Herangehen erfordern.

"Wir begrüßen das Kreislaufwirtschaftspaket; Produktionsbetriebe und Entsorger arbeiten seit längerem eng zusammen, um die Recyclingfähigkeit eingesetzter Materialien zu erhöhen," sagt der stellvertretende Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Peter Koren, dem STANDARD. Nun sei verstärkt Forschung und Entwicklung nötig, um die Qualität der Sekundärrohstoffe an die der Primärrohstoffe anzugleichen. Koren: "Das geht nur mit Innovation." Mit der für 2019 in Aussicht gestellten neuen Forschungsfinanzierung, die drei- bis vierjährige Zielvorgaben mit entsprechenden Geldflüssen der öffentlichen Hand vorsieht, sei ein erster wichtiger Schritt getan.

Markenartikel statt Müll

Angesichts zunehmender Erderwärmung, Ressourcenknappheit, Vermüllung ganzer Landstriche und schwimmender Plastikinseln im Meer gibt es inzwischen weltweit Bestrebungen, gebrauchte Produkte wieder in Verkehr zu bringen bzw. die Materialien für neue Markenartikel aufzubereiten. Die EU geht voran, auch weil Europa bei vielen Rohstoffen in hohem Maße importabhängig ist.

Ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Kreislaufwirtschaft bilden etwa die Recyclingziele für Siedlungsabfälle. Davon müssen ab 2025 mindestens 55 Prozent wiederverwertet werden, ansteigend auf 60 Prozent 2030 und 65 Prozent ab 2035. Die maximale Deponierate darf ab 2035 nur mehr zehn Prozent betragen.

Druck von EU

Koren hofft, dass Brüssel beharrlich Druck auf Länder wie Malta, Griechenland, Zypern oder Rumänien macht, ihren Deponieanteil von derzeit 80 Prozent und mehr tatsächlich rasch zu senken. Das sei eine Wettbewerbsverzerrung, die Österreichs Wirtschaft schade, weil das Deponieren deutlich billiger sei als die stoffliche oder thermische Verwertung.

Österreichs Entsorger hätten das nötige Know-how, diesen Ländern unter die Arme zu greifen, sagt Hans Roth, Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe und Aufsichtsratschef der Saubermacher Dienstleistungs AG. Er plädiert darüber hinaus für eine Arbeitsteilung. Produktionsbetriebe sollten sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und das Umweltmanagement Spezialisten überlassen. Roth: "Wir haben einen anderen Blick auf die Dinge, haben tagtäglich damit zu tun und können entsprechend mehr bewegen." (stro, 8.10.2018)

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