Zu viel Nähe: Jörg Haider als Aufreger bei "Im Zentrum"

8. Oktober 2018, 16:40
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Der bei einem Autounfall Verunglückte emotionalisiert nach wie vor

Die Zeit wird erhellen, ob sich Jörg Haider zu einer Art Romy Schneider der Innenpolitik eignet. Zum ewig wiederkehrenden Thema, bei dem Verklärung und nüchternes Interesse aufeinanderprallen. Zur historischen Figur auch, aus deren Beurteilung aktuelle Politik dauerhaft egoistisch Mehrwert zu generieren sucht. Die Chancen stehen gut: Der bei einem Autounfall Verunglückte emotionalisiert nach wie vor.

Es hat jedenfalls der alte Haider-Mitstreiter Dieter Böhmdorfer schnell die Faxen dicke: Dass der Jörg im Vorspann "trotz seiner Verdienste" auf Sprüche reduziert wird – etwa jenen von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik", wegen dem Haider zurücktreten musste –, ärgert Böhmdorfer in "Im Zentrum" im ORF. Und dass Eva Rossmann Haider die Misere um die Hypo Alpe Adria umhängen will, lässt ihn wie Heinz-Christian Strache unruhig sitzen. SPÖler Josef Cap springt ihr bei. Er mahnt Strache, seine, Caps, Bücher zu lesen, und zählt auf: Haider hätte eine Regierung in Luft gesprengt, wäre ein Pionier der Fremdenfeindlichkeit gewesen und ein Selbstausgrenzer.

Die Fans geben Kontra: Haider, der Loyale. Haider, der Bodenständige, der sich für nichts zu schade und nicht so abgehoben wie Christian Kern war.

Es ist zu viel für Rossmann: Man möge Haider keinen Heiligenschein umhängen! Hitzig geht es dann Richtung Tagespolitik: Strache präsentiert seinen Drohwunsch nach Infragestellung der ORF-Gebühren. Ein Polizeipferd könne zehn Beamte ersetzen, sagt er. Rossmann nennt die Berittenen eine Tierquälerei, die Diskussion entgleitet. Auch zehn Jahre nach Haiders Tod fehlt ihnen Distanz. Historiker wären besser gewesen. (Ljubiša Tošić, 8.10.2018)

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