Judith Schwentner wird neue Grazer Grünen-Stadträtin

    8. Oktober 2018, 11:14
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    Die frühere Nationalratsabgeordnete wird auch Stadtparteichefin

    Graz – Die frühere Grünen-Nationalratsabgeordnete Judith Schwentner (50) wird neue Grazer Stadträtin und Stadtparteichefin, gaben die Grazer Grünen am Montag bei einer Pressekonferenz bekannt.

    Die frühere Nationalratsabgeordnete wird am 17. Jänner 2019 den Stadtratssitz von Tina Wirnsberger übernehmen. Damit haben die Grazer Grünen sechs Wochen nach dem überraschenden Rücktritt von Wirnsberger eine Spitzenfrau mit langer politischer Erfahrung. Die Parteivorsitz-Frage soll laut Klubobmann Karl Dreisiebner im November bei der Stadtparteivorstandssitzung geregelt werden.

    Erleichterung

    Den Mitgliedern der Grazer Grünen und des Gemeinderatsklubs war am Montag im Medienzentrum in Graz eine gewisse Erleichterung anzumerken, die sich auch in lang anhaltendem Applaus niederschlug, mit dem Schwentner begrüßt und ihr Statement umrahmt wurde. "Wir freuen uns sehr. Judith Schwentner kennt und liebt Graz und wird uns weiter auf einem guten Weg halten", meinte Klubobmann Dreisiebner. Ungefähr zehn Tage nach Wirnsbergers Rücktrittsankündigung habe man mit Schwentner Kontakt aufgenommen und sie überzeugt, wieder in die Politik zurückzukommen, so Dreisiebner zur APA.

    Schwentner selbst sagte, der Stadtparteivorstand und der Gemeinderatsklub hätten ihr großes Vertrauen entgegengebracht. Der Vorschlag sei einhellig erfolgt. "Vor einem halben Jahr hätte ich sicher nicht gesagt, dass ich einen Schritt zurück in die Politik mache. Es ist eine Richtungsentscheidung in meinem Leben und eine große Herausforderung, denn es steht demokratiepolitisch viel auf dem Spiel. Schwarz-Blau ist nicht gut für Österreich und diese Stadt", sagte Schwentner, die eine Zusammenarbeit mit der FPÖ ausschloss. Noch-Stadträtin Wirnsberger (36), die sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzieht, war bei der Präsentation ihrer Nachfolgerin übrigens nicht dabei.

    "Große Liebe" zu Graz

    Dann gab die frühere Journalistin, die nach der Wahlniederlage der Grünen 2017 aus dem Nationalrat ausgeschieden war und dann bei der Caritas andockte, eine Liebeserklärung an Graz ab: "Ich bin eine Tochter der Stadt, bin hier zur Schule gegangen, habe hier studiert, hier meine ersten Jobs gehabt. In Graz lebt meine Familie, und ich habe immer wieder gehadert mit dieser Stadt, wie immer bei großer Liebe." Ihr gehe es um eine Stadt, die viel Potenzial habe, mehr als derzeit angeholt werde. "Doch ist Graz nicht nur schön, sondern ist leider auch Stau- und Feinstaubhauptstadt, hat zu wenig Platz für Radfahrer und in Graz ist der Grünraum bedroht und es gibt zu wenig leistbaren Wohnraum", so die Ex-Abgeordnete. Man habe ihr berichtet, dass das Klima im Gemeinderat kein gutes sei, es werde zu wenig zugehört und hier wolle sie ansetzen. Sie sei für ein "Aufeinanderzugehen".

    Was den tatsächlichen Klimawandel angehe, so dränge die Zeit. "Es gibt keine Veränderungen im Großen ohne die im Kleinen, das sollte sich langsam auch bis in die Grazer Stadtregierung herumsprechen. Die Wirtschaft der Zukunft kann nicht gegen die Natur arbeiten, in anderen Städten hat man das längst begriffen."

    Schwentner ist am 5. September 1968 in Graz geboren worden. Sie ist mit dem Grazer Journalisten und FH-Lehrbeauftragten Thomas Wolkinger verheiratet und hat zwei Kinder. Sie studierte Slawistik und Germanistik, studierte in Moskau und arbeitete als Lektorin in Lemberg. Schwentner war u.a. Chefredakteurin der Grazer Straßenzeitung Megaphon. Von 2008 bis 2017 war sie für die Grünen im Nationalrat, vor allem als Sprecherin für Soziales, Familien und Frauen. (APA, 8.10.2018)

    • Schwentner im Juni 2017 auf dem Grünen Bundeskongress. Bis zur Nationalratswahl im Oktober war Schwentner Sozialsprecherin im grünen Klub und dort unter anderem Expertin für Mindestsicherung.
      foto: die grünen/ines bacher

      Schwentner im Juni 2017 auf dem Grünen Bundeskongress. Bis zur Nationalratswahl im Oktober war Schwentner Sozialsprecherin im grünen Klub und dort unter anderem Expertin für Mindestsicherung.

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