Italiens Regierung beschwert sich wegen Medienkritik

    8. Oktober 2018, 11:01
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    Polemik um Attacke von Fünf-Sterne-Chef Di Maio gegen Tageszeitung "La Repubblica"

    Rom – Die italienische Regierung, die in den vergangenen Tagen schwere Kritik gegen ihrer Budget- und Defizitpolitik hinnehmen musste, beschwert sich wegen Medienattacken. "Jeden Tag werden wir von Zeitungen und Fernsehen attackiert. Kein Tag vergeht, ohne dass uns die EU-Kommissare angreifen. Doch ich beklage mich nicht, ich kaufe einfach keine Zeitungen", so Innenminister Matteo Salvini am Montag.

    Auch sein Regierungspartner und Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio beschwert sich über regierungskritische Berichterstattung durch Zeitungen in seiner Heimat. Dabei richtete sich die Kritik Di Maios insbesondere gegen die Tageszeitung "La Repubblica" und das Nachrichtenmagazin "L'Espresso", die er beschuldigte, die Interessen der oppositionellen Sozialdemokraten (Partito Democratico/PD) zu vertreten. Beide Medien gehören der Verlagsgruppe Gedi unter Kontrolle des Großunternehmers Carlo De Benedetti.

    "Typisch für eine Diktatur"

    Di Maio meinte, "La Repubblica" verbreite "Fake News" zur Verleumdung der aus seiner Partei und der Lega bestehenden Regierung. "Zum Glück sind wir gegen die Fake News der Zeitungen geimpft und das sind auch viele Bürger. Viele Zeitungen sterben, darunter jene der Gedi-Gruppe, die niemand mehr liest, weil sie die Wahrheit verzerren", kommentierte Di Maio, der auch Vizepremier und Arbeitsminister ist.

    Di Maios Worte lösten eine hitzige Reaktion der italienischen Journalistengewerkschaft aus. "Sich den Tod der Tageszeitungen zu wünschen, ist Politikern unwürdig, die ein Land mit soliden demokratischen Traditionen wie Italien führen, das ist typisch für eine Diktatur", so der Chef der Journalistengewerkschaft FNSI, Giuseppe Giulietti.

    Der Aufsichtsrat von "La Repubblica" rief Di Maio auf, sich keine Hoffnungen zu machen. "'La Repubblica', 'L'Espresso' und die anderen Medien unserer Gruppe werden nicht sterben, sondern werden weiterhin das machen, was sie heute tun: Die Wahrheit zu erzählen", so der Aufsichtsrat der römischen Tageszeitung, die bestritt Leser zu verlieren. Im Gegenteil, "La Repubblica" besetze Führungspositionen im Ranking der meistgelesenen Tageszeitungen in Italien. (APA, 8.10.2018)

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