Van der Bellen warnt vor Folgen der Klimakrise: "Die Zeit läuft ab"

    8. Oktober 2018, 11:47
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    Umweltorganisationen fordern die Politik zum raschen Handeln auf. Die Liste Pilz und die Neos kritisieren die Regierung

    Der Weltklimarat (IPCC) hat am Montag einen alarmierenden Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel von Paris veröffentlicht. Begrenze man den globalen Temperaturanstieg nicht auf 1,5 Grad, drohten enorme Schäden für Mensch und Umwelt, etwa ein starker Anstieg des Meeresspiegels, betonen die Klimaforscher.

    Bundespräsident Alexander Van der Bellen äußerte sich auf Twitter mit deutlichen Worten zu dem Bericht: "Die Zeit läuft ab. Wird nicht sehr rasch umgesteuert, drohen durch die Klimakrise dramatische Folgen für unser Leben auf der Erde." Die internationale Staatengemeinschaft sei gefordert, wirksame Maßnahmen einzuleiten.

    Das Rote Kreuz warnt vor mehr und schwierigeren Katastropheneinsätzen. "Mehr als die Hälfte unserer Operationen sind inzwischen wetterbedingt, viele weitere werden vom Klima beeinflusst oder zusätzlich verschärft", sagte der Präsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), Francesco Rocca. Das extreme Wetter werde besonders grausam für jene Gemeinschaften, die schon jetzt wegen Konflikten, Unsicherheit und Armut ums Überleben kämpfen.

    EU-Klimakommissar will Planeten retten

    Die EU-Kommission fordert weltweit mehr Anstrengungen bei der Begrenzung von Treibhausgasen ein. Die Welt müsse den "gemeinsamen Ehrgeiz" erhöhen, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Canete. Die Rettung des Planeten solle bei der internationalen Gemeinschaft Aufgabe Nummer eins werden.

    Die EU-Umweltminister beraten am Dienstag in Luxemburg über die europäischen Ziele für die Reduzierung von Treibhausgasen. Ziel ist eine gemeinsame Position vor der Weltklimakonferenz Anfang Dezember in Polen.

    Für alle 28 EU-Mitgliedstaaten wurden im Vorjahr Ziele für die Zeit von 2021 bis 2030 festgelegt, die sich an der Wirtschaftsleistung orientieren. Sie reichen von null bis 40 Prozent Reduzierung der CO2-Emissionen gegenüber dem Jahr 2005. So muss Bulgarien seinen Ausstoß überhaupt nicht verringern, Luxemburg und Schweden dagegen um 40 Prozent. Österreich soll laut der EU-Vorgabe bis 2030 seine CO2-Emissionen um 36 Prozent reduzieren. Deutschland erhielt eine Quote von 38 Prozent. Ziel ist es, die Emissionen in der EU insgesamt bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent unter den Stand von 2005 zu drücken.

    Liste Pilz und Neos kritisieren Regierung

    Die Liste Pilz kritisiert Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). "Die aktuellsten Erkenntnisse verweisen die Umwelt- und Klimastrategie der Bundesregierung endgültig zurück an den Start. Wir brauchen keinen Marketingprospekt, wir brauchen Maßnahmen. Heiße Luft haben wir dank Klimaerwärmung schon jetzt mehr als genug", sagte Umweltsprecher Bruno Rossmann. "Ich erwarte mir hier von Ministerin Köstinger, endlich Farbe für Klima und Umwelt zu bekennen, anstatt beides an die Interessen von Konzernen und Investoren zu verkaufen, wie sie es letzte Woche im Falle der Umweltverträglichkeitsprüfung getan hat."

    Auch Neos-Umweltsprecher Michael Bernhard zeigte sich "alarmiert". Die Bundesregierung lasse jedes Problembewusstsein sowie eine umfassende Strategie vermissen. Er fordert eine "sozial-ökologische Steuerreform, die im Kern eine aufkommensneutrale CO2-Steuer beinhaltet".

    Greenpeace und WWF fordern Maßnahmen

    Auch Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die nationalen Klimaziele "erheblich nachzubessern", denn diese seien "reine Augenauswischerei". Statt Klimaschutz mit Tempo 140 an die Wand zu fahren, müsse die Regierung ihre "zahnlose Strategie erneuern".

    Derzeit liegt das CO2-Reduktionsziel in Österreich bei 36 Prozent bis 2030. Greenpeace fordert EU-weit eine Erhöhung auf 65 Prozent. "Dürren, Hitzewellen und Waldbrände sind in Europa keine Ausnahme mehr und könnten zur Normalität werden", warnt Adam Pawloff von Greenpeace. Außerdem fordert die Umweltorganisation: 100 Prozent erneuerbarer Strom aus Sonne, Wind und Wasser bis 2030 und ein klares Aus für Öl- und Gasheizungen bei Kesseltausch und Neubauten sowie ein Verkaufsstopp für Diesel-, Benzin- und Hybridfahrzeuge ab 2028.

    Der WWF fordert einen raschen Ausstieg aus fossilen Energien und eine "naturverträgliche Energiewende". "Es ist völlig absurd, dass Österreich mit viel Geld fossile Energieträger subventioniert und zum Beispiel Dieselpreise künstlich niedrig hält", verweist Plattner auf das überholte Dieselprivileg. "Wie viele Weckrufe braucht es eigentlich noch? Eine große Öko-Steuerreform ist seit Jahren überfällig. Zusätzlich braucht es ein großes Energiesparprogramm und einen starken Naturschutz-Check für alle Projekte", nennt WWF-Vertreterin Plattner zentrale Aufgaben für die Umweltministerin. (red, APA, 8.10.2018)

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