UN-Experten schlagen Alarm: Wie die Klimakatastrophe verhindert werden kann

    8. Oktober 2018, 03:01
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    Der Weltklimarat verlangt in einem neuen Bericht schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen, um die Erderwärmung noch zu bremsen

    Genf – Der Weltklimarat der UN schlägt wieder Alarm. Das Expertengremium der Vereinten Nationen verlangt, dass die Menschheit den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzt. Anderenfalls drohten enorme Schäden für Erdbewohner und Umwelt, etwa ein starker Anstieg des Meeresspiegels, betonten die Klimaforscher am Montag in Incheon, Südkorea. Der Rat war in der Stadt zusammengekommen.

    Jeder noch so kleine Anstieg der Temperaturen habe Auswirkungen, warnte der Deutsche Hans-Otto Pörtner, einer der führenden Experten des Gremiums. In einem Sonderbericht verlangen die Fachleute schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen beim Energieverbrauch, in der Industrie und beim Transport.

    Entscheidende Jahre

    Damit die Erderwärmung nicht auf über 1,5 Grad Celsius steigt, müsste die Menschheit den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase drastisch reduzieren. "Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich die wichtigsten in unserer Geschichte", betonte Debra Roberts aus Südafrika.

    Der Fachmann Panmao Zhai aus China stellte klar: Die aktuellen "Extremwetter" wie Hitzewellen und Orkane sind Folge der bisherigen Erderwärmung – und sie geben der Menschheit einen üblen Vorgeschmack auf künftige Lebensbedingungen.

    Null Kohlendioxidausstoß ab 2050

    Der sogenannte Nettoausstoß von Kohlendioxid muss gemäß dem Bericht bis 2050 auf null sinken. Jede Emission von CO2 soll dann durch ein Herausziehen von schon vorhandenem CO2 aus der Atmosphäre ausgeglichen werden. Die Autoren räumen ein, dass bisherige Techniken zum Herausziehen von CO2 aus der Atmosphäre noch nicht "in großem Umfang" getestet seien. Zumal das Verbrennen fossiler Stoffe wie Öl und Kohle den Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre immer weiter nach oben treibt.

    In dem Bericht von mehr als 90 Wissenschaftern und Fachkräften werden die Konsequenzen aufgelistet, falls die Menschheit die Erderwärmung nicht begrenzt. Bis zum Jahr 2100 würde ein Anstieg der Erwärmung um zwei Grad Celsius einen Mehranstieg des Meeresspiegels um zehn Zentimeter zur Folge haben gegenüber einem Erwärmungsanstieg um 1,5 Grad Celsius.

    Vernichtung aller Korallenriffe

    Ein Erwärmungsanstieg um zwei Grad Celsius würde einen eisfreien arktischen Ozean im Sommer mindestens einmal pro Jahrzehnt zur Folge haben. Bei einem Erwärmungsanstieg um 1,5 Grad Celsius sei mit diesem Phänomen nur einmal pro Jahrhundert zu rechnen.

    Ein Erwärmungsanstieg um zwei Grad Celsius würde praktisch zur Vernichtung aller Korallenriffe führen, bei einem Erwärmungsanstieg um 1,5 Grad Celsius könnten noch einige gerettet werden.

    Pariser Ziele wackeln

    Vor drei Jahren einigten sich in Paris mehr als 190 Regierungen darauf, den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Wenn möglich, sollte das Limit bei 1,5 Grad Celsius liegen. US-Präsident Donald Trump erklärte inzwischen den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Abkommen – ein schwerer Schlag für den Kampf gegen die Erderwärmung.

    Der Weltklimarat (IPCC) in Genf rüttelt seit Jahren mit seinen Prognosen über die verheerenden Folgen der Erderwärmung viele Menschen wach und erhielt 2007 den Friedensnobelpreis. Auch aufgrund des Drängens des IPCC machten die Vereinten Nationen den Kampf gegen den Klimawandel zur obersten Priorität.

    Guterres warnt

    Zuletzt warnte UN-Generalsekretär António Guterres: Die Welt nähere sich dem "Abgrund". Ohne entschlossenes Handeln werde der Klimawandel immer schneller und sei dann nicht mehr aufzuhalten. (Jan Dirk Herbermann aus Genf, 8.10.2018)

    • Durch den Klimawandel verursachte Schäden werden immer öfter sichtbar: Der Rhein hatte diesen August nach anhaltender Dürre extremes Niedrigwasser. Das linke Ufer bei Düsseldorf trocknete stark aus.
      foto: imago/jochen tack

      Durch den Klimawandel verursachte Schäden werden immer öfter sichtbar: Der Rhein hatte diesen August nach anhaltender Dürre extremes Niedrigwasser. Das linke Ufer bei Düsseldorf trocknete stark aus.

    • EU-Treibhausgas-Reduktionsziele in ausgewählten EU-Ländern.
      foto: apa

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