Österreichs Museen sind rentabel, aber wenig digitalisiert

    5. Oktober 2018, 15:32
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    Laut der ersten österreichweiten Studie rentieren sich öffentliche Förderungen. Defizite gibt es bei Digitalisierung, Barrierefreiheit und Besucherbefragung

    Wien – Für jeden Euro, den die öffentliche Hand in Museen steckt, fließen rund 1,80 Euro in die Wirtschaft. Das war eine der Antworten auf die Frage "Museen – Wozu?", unter der die erste österreichweite Studie über die Wirkung von österreichischen Museen stand. Die Ergebnisse wurden am Freitag im Volkskundemuseum Wien anlässlich der "Langen Nacht der Museen" am morgigen Samstag veröffentlicht.

    Die Befragung wurde im Auftrag des österreichischen Museumbundes zusammen mit der ICG Integrated Consulting Group Ende 2017 bzw. Anfang 2018 durchgeführt. 58 Prozent der 742 registrierten Museen nahmen an der Studie teil. Fehlende Daten wurden aus öffentlich zugänglichen Quellen, darunter Statistik Austria und den Kulturbereichen der Bundesländer, ergänzt.

    Relevanz betont

    Bei der Präsentation der Resultate betonte Wolfgang Muchitsch, Präsident des österreichischen Museumbundes, die wirtschaftliche Relevanz der Einrichtungen. Die öffentlichen Subventionen beliefen sich 2016 auf 281 Millionen Euro, die daraus generierte Wertschöpfung auf 500 Millionen. Rund 60 Prozent der Subventionen flössen alleine durch Steuern und Tourismus wieder an den Staat zurück.

    Die registrierten Museen zusammen verzeichnen 19,1 Millionen Besuche – wobei aber nicht berücksichtigt wurde, ob eine Person mehrmals in Museen geht. Von ihnen nahmen knapp 14 Prozent an einer Führung oder einem Workshop teil. Die Besucher konnten Ausstellungen auf einer Fläche von rund 2,7 Quadratkilometer erleben, das entspricht etwa 380 Fußballfeldern. Ungefähr 80 Prozent der Museen verlangen dafür Eintritt oder eine freiwillige Spende, der Eintrittspreis liegt meistens zwischen fünf und zehn Euro.

    An den Museen gibt es etwa 6.300 Arbeitsplätze, durch die Vorlagerung und in Verbindung stehende Aktivitäten werden insgesamt 7.700 Vollzeitäquivalente geschaffen. Relevant zeigten sich die Museen ebenso für den Tourismus: Mehr als die Hälfte aller Besucher kommen aus Regionen außerhalb eines Umkreis von 30 Kilometer und gelten damit als Touristen. Die Museen würden 1,775 Milliarden Euro Wertschöpfung im Kulturtourismus generieren, so Günter Kradischnig von der ICG Consulting Group, und etwa 30.800 Arbeitsplätze schaffen.

    Schwachstellen

    Die Studie habe auch Schwachstellen aufgezeigt, sagte Muchitsch. Sie belege, dass nur etwa 30 Prozent der Museen eine Art "Besuchermanagement" hätten, also ihre Besucher direkt auf deren Erfahrung ansprachen. Die zweite Schwachstelle verortete er im digitalen Bereich. Bloß 193 Einheiten gaben an, ihre Sammlungen zu digitalisieren. Von diesen ist nur ein knappes Viertel öffentlich zugänglich. Ein Drittel der Einheiten ist auf sozialen Medien aktiv. In beiden Bereichen wäre "Unterstützung für die Häuser" notwendig, so Muchitsch.

    Die Bestandsaufnahme zeigte weiters, dass nur 40 Prozent der teilnehmenden Museen durchgehend barrierefrei sind. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen sind nur teilweise oder gar nicht barrierefrei zugänglich. Darüber hinaus bieten 80 Museen Vermittlungsprogramme für Gehörlose an, 93 für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung.

    Das Projekt des österreichischen Museumbundes wurde von den mit Kulturabteilungen der Bundesländer und dem Bundeskanzleramt finanziert. Hintergrund war laut Muchitsch unter anderem der härter werdende Wettstreit um öffentliche Förderungen.

    Erstmals Definition von "Museum"

    Der Begriff des Museums war bis dato nicht definiert. Im Zuge der Erhebung wurde erstmals festgelegt, wann es sich bei einer Einrichtung um ein Museum handelt: Das ist dann der Fall, wenn diese eine Sammlung mit Verzeichnis hat, die Rechtsträgerschaft geklärt sei und mindestens einen Tag im Monat geöffnet habe. Daraus ergaben sich die in der Studie angeführten 742 Museen. (APA, 5.10.2018)

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