Spanien überholt Italien als Ankunftsort für Migranten

    5. Oktober 2018, 15:37
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    Grund für die Verschiebung ist wahrscheinlich die restriktive Migrationspolitik der neuen italienischen Regierung

    Genf – In Spanien steigt die Zahl der über das Mittelmeer ankommenden Migranten. In den ersten Oktobertagen kamen durchschnittlich 353 Menschen pro Tag an, wie die UN-Organisation für Migration (IOM) am Freitag in Genf berichtete. Im August und September waren es durchschnittlich 225, in den ersten fünf Monaten deutlich weniger, nämlich 54 pro Tag.

    Spanien hat Italien damit mit mehr als 38.000 Ankömmlingen in diesem Jahr als wichtigsten Ankunftsort für Menschen – überwiegend aus Afrika – überholt. An Italiens Küsten kamen in diesem Jahr gut 21.000 Menschen an, in Griechenland waren es 23.500. Im vergangenen Jahr waren es bis Anfang Oktober 107.000 Menschen in Italien, 20.000 in Griechenland und etwa 12.000 in Spanien.

    Nicht alle überleben die Überfahrt von Nordafrika: Anfang September wurden vor der Südküste Spaniens die Leichen von fünf Flüchtlingen geborgen. Sie wurden bei einer Rettungsaktion für ein zwischen Spanien und Marokko in Seenot geratenes Boot entdeckt. Mindestens 1.777 Menschen kamen bis Anfang Oktober im Mittelmeer ums Leben – vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 2.749. Die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen, warnen Hilfsorganisationen, weil untergehende Boote nicht immer entdeckt werden.

    Insgesamt deutlich weniger Ankünfte

    Die Gesamtzahl der über das Mittelmeer ankommenden Menschen liegt bisher mit 85.000 aber deutlich unter dem Wert vom Vorjahr mit 140.000 Ankömmlingen. Nach IOM-Angaben hat die libysche Küstenwache in diesem Jahr bisher gut 14.000 Menschen auf Booten abgefangen und zurück nach Libyen gebracht. Wer dort keine gültigen Aufenthaltspapiere hat, wird in Internierungslager gesperrt, die nach Angaben von Hilfsorganisationen teils keine menschenwürdige Unterkunft bieten.

    Helfer vermuten, dass sich die kompromisslose Politik der neuen italienischen Regierung, die keine Flüchtlinge und andere Migranten mehr aufnehmen will, unter Schleppern herumgesprochen hat. Deshalb verlegten womöglich viele ihre Schmuggelrouten weiter nach Westen, nach Tunesien, Algerien und Marokko – und schicken die Boote dann Richtung Spanien los.

    Tausende kehren aus Griechenland in Heimat zurück

    Knapp 10.000 Migranten sind seit Jahresbeginn freiwillig aus Griechenland in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Dies teilte die griechische Polizei am Freitag in Athen mit. Allein im September seien es 966 Menschen gewesen. Sie seien vor allem nach Albanien, in den Irak und nach Pakistan zurückgekehrt.

    Die griechischen Registrierungslager auf den Inseln der Ostägäis sind dennoch weiterhin überfüllt – denn seit Jahresbeginn haben nach Angaben der UNHCR deutlich mehr Migranten aus der Türkei zu den griechischen Inseln in der Ostägäis übergesetzt. Demnach kamen bis Ende September 23.419 Menschen an, das sind 17 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wie die Organisation am Freitag in Athen mitteilte. Die Tendenz sei steigend.

    Mehr Migranten von Türkei nach Griechenland

    Allein in den ersten vier Oktobertagen setzten weitere 560 Menschen nach Griechenland über, teilte das Migrationsministerium in Athen mit. Zudem habe sich die Zahl der Migranten, die über den griechisch-türkischen Grenzfluss Evros nach Griechenland kamen, im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

    In den sogenannten Hotspots und anderen Lagern harren zurzeit rund 18.600 Menschen aus. Die Regierung in Athen versucht seit zwei Wochen, die Lage zu entschärfen. In den vergangenen zehn Tagen seien mehr als 2000 Flüchtlinge und andere Migranten zum Festland gebracht worden, hieß es aus Kreisen der Küstenwache. (APA, red, 5.10.2018)

    Wissen – Flüchtlinge oder Migranten

    Migranten sind nach der Definition der Internationalen Organisation für Migration (IOM) alle Menschen, die ihren Wohnort verlassen – egal aus welchen Gründen, wie lange oder ob freiwillig oder unfreiwillig. Flüchtlinge dagegen suchen Schutz vor Krieg oder vor drohender Verfolgung, etwa wegen ihrer Religion, Nationalität oder politischen Überzeugungen. Damit sind Flüchtlinge nach Definition der IOM auch Migranten. (APA)

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      foto: reuters/jon nazca

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