Warum wir frühstücken sollten

    6. Oktober 2018, 08:00
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    Essen wir zu viel oder zur falschen Zeit? Nichts ist endgültig bewiesen, aber erste Studien zeigen: Frühstück könnte die wichtigste Mahlzeit sein

    Was ist gesund und hält schlank? Gar kein Frühstück, wie es schätzungsweise jeder dritte bis vierte Österreicher oder Deutsche macht, mit maximal einer Tasse Kaffee am Morgen? Oder doch mit reichlich Gebäck, Butter und Marmelade – gemäß dem Sprichwort "Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler" in den Tag starten?

    Zwar stammt das Sprichwort aus der Zeit vor der Industrialisierung, wo der Bauer morgens für die Arbeit auf dem Feld viel Energie tanken musste – doch immer mehr aktuelle Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass die antiquierte Regel möglicherweise auch in der modernen Bürowelt mit deutlich weniger Bewegung eine Berechtigung hat.

    Glukose abbauen

    Vergangenes Jahr stellten US-Forscher ihre Studie im Journal of Nutrition vor, für die sie die Essgewohnheiten von 50.000 Probanden über sieben Jahre genau beobachteten. Ihr Resümee: Wer die grösste Kalorienmenge als Frühstück zu sich nahm, konnte sein Gewicht deutlich reduzieren. Wer mittags am meisten aß, hielt sein Gewicht (immerhin).

    Die Probandengruppe, die am Abend viel aß, legte deutlich an Gewicht zu. Die Studie lässt vermuten, dass der Verdauungsprozess früh am Tag am effektivsten arbeitet. Die gleiche Mahlzeit am Abend gegessen, so die Forscher, könnte dazu führen, mehr Gewicht anzusetzen, da die Bauchspeicheldrüse anscheinend morgens mehr Insulin ausschüttet, um die Glukose aus dem Blut zu bekommen, als am Abend.

    Mehr Kalorien verbrennen

    Über ähnliche Erkenntnisse berichteten israelische Forscher schon ein paar Jahre zuvor im Fachblatt Obesity. Sie setzten Dutzende Übergewichtige zwölf Wochen lang auf Diät. Die eine Teilnehmergruppe nahm ihre Hauptmahlzeit morgens zu sich und hatte am Ende 2,5-mal mehr Kilos abgespeckt, als jene Teilnehmer, die immer erst mittags aßen.

    Zahlreiche andere Untersuchungen bei Kindern und Erwachsenen ergaben, dass besonders diejenigen ein erhöhtes Risiko für Diabetes-Typ-2 und Übergewicht zu haben schienen, die das Frühstück regelmäßig ausfallen ließen.

    So rekrutierte der Forscher James Betts von der University of Bath in Großbritannien drei Dutzend Testpersonen und ließ die eine Hälfte frühstücken, die andere überging die morgendliche Mahlzeit einfach. Die Ergebnisse waren überraschend: Durch ihr üppiges Frühstück nahm die eine Gruppe über den Tag gesehen zwar mehr Kalorien zu sich, allerdings, das zeigten Bewegungstracker an ihren Handgelenken, verbrannten sie auch mehr Kalorien, da sie sich allgemein deutlich mehr bewegten oder herumliefen, als jene Probanden, die kein Frühstück intus hatten.

    Stabiler Glukosespiegel

    Ob das mit dem Energieüberschuss durch das Frühstück oder einfach durch eine bessere Stimmung aufgrund der Kohlenhydraten-Zufuhr begründet war, konnten die Forscher nicht herausfinden. Fakt bleibt jedoch: Das Mehr an Bewegung glich die erhöhte Kalorienzufuhr am Ende wieder aus. Zudem blieb in der Frühstücks-Gruppe der Glukosespiegel im Blut für den Rest des Tages stabiler, also besser für den Zuckerstoffwechsel.

    Noch fehlt die Evidenz, ob, wann, wieviel und vor allem was wir frühstücken sollen. Die bisherigen Ergebnisse decken sich aber überraschend deutlich mit den Empfehlungen von Chronobiologen. Sie sagen: Jedes Organ hat seinen eigenen Zeitplan. So arbeitet beispielsweise die Verdauung nur zu bestimmten Zeiten besonders effektiv, denn dann hat der Körper die Verdauungsorgane dafür vorbereitet.

    Auf die Organe hören

    Wer zu anderen Zeiten isst, könnte daher eher ansetzen. Vor allem zwischen acht und zehn Uhr vormittags fährt der Körper hoch und braucht viel Energie, die ihm ein Frühstück liefert. Denn zwischen zehn und zwölf Uhr erreicht der Körper sein geistiges und körperliches Leistungshoch. Gegen Mittag entwickelt der Körper den größten Hunger, die Verdauungsorgane sind bereit, die Galle bildet Verdauungssäfte, um Fette und Kohlenhydrate gut zu verarbeiten. Auch zwischen 18 und 20 Uhr sind Leber und Bauchspeicheldrüse aktiv, allerdings eher zurückhaltend – zum Abbau von Kohlenhydraten braucht der Körper abends dreimal so lange wie beim Frühstück. (Andreas Grote, 6.10.2018)

    • Untersuchungen haben gezeigt: Ein erhöhtes Risiko für Diabetes-Typ-2 und Übergewicht hat, wer das Frühstück regelmäßig ausfallen lässt.
      foto: istockphoto

      Untersuchungen haben gezeigt: Ein erhöhtes Risiko für Diabetes-Typ-2 und Übergewicht hat, wer das Frühstück regelmäßig ausfallen lässt.

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