Zunahme an Dürren, Hitzewellen und Fluten nicht mehr zu stoppen

    5. Oktober 2018, 10:55
    281 Postings

    Wissenschafter des Weltklimarats: "Ich weiß nicht, wie irgendjemand das lesen und es nicht total alarmierend finden könnte"

    Incheon – Der Weltklimarat schlägt einmal mehr Alarm. Ein Bericht, der im Detail Anfang kommender Woche vorgestellt werden soll, zeichnet ein düsteres Bild vom Weltklima. Viele Folgen der Erderwärmung, heißt es dort, seien schon jetzt nicht mehr umkehrbar. So müsste sich die Welt in den kommenden Jahrzehnten auf mehr Hitzewellen, Dürren, Superstürme und Überschwemmungen einstellen. Die anhaltende Tendenz zur Erderwärmung zeige zudem keine Signale der Abschwächung. Ob das Ziel halten kann, die Erwärmung auf das – ohnehin schon sehr problematische – Maß von 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, stehe mehr denn je infrage.

    Dieses Ziel war erstmals im Pariser Klima-Abkommen von 2015 als Wunsch international festgeschrieben worden, verpflichtet haben sich die Staaten darin zu zwei Grad Differenz. Um sich bei der Umsetzung dieses ehrgeizigen Ziels auf den neuesten Forschungsstand stützen zu können, beauftragten die Vertragsstaaten den Weltklimarat IPCC mit einem umfassenden Bericht zum 1,5-Grad-Ziel. Er zeigt nun, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine enorme Lücke klafft.

    "Wichtigstes Treffen der Geschichte"

    Bereits seit vergangenem Montag beugen sich Diplomaten aus aller Welt über eine Zusammenfassung des rund 400 Seiten starken IPCC-Berichts, den 86 Wissenschafter zusammengetragen haben. Die Diplomaten gehen das 22-seitige Resümee Zeile für Zeile durch, um es schließlich zusammen mit dem kompletten Bericht zu verabschieden.

    IPCC-Chef Hoesung Lee sprach zum Auftakt der Beratungen im südkoreanischen Incheon von einem "der wichtigsten Treffen in der Geschichte" des Weltklimarats. Tatsächlich dürfte der Bericht, für den mehr als 6.000 Studien aus anerkannten Wissenschaftspublikationen ausgewertet wurden, einen maßgebliche Einfluss auf die Klimapolitik der kommenden Jahrzehnte haben. Zwar versteht sich der IPCC ausschließlich als beratendes Gremium, seine Erkenntnisse können die politischen Entscheidungsträger aber kaum ignorieren.

    "Total alarmierend"

    "Leider sind wir weiter mitten auf dem Weg zur 1,5-Grad-Grenze, und die anhaltende Tendenz zur Erwärmung zeigt kein Zeichen einer Verlangsamung", sagte die Vize-Chefin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Elena Manaenkova, in Incheon. Drastischer formuliert Peter Frumhoff von der US-Organisation Union of Concerned Scientists die Botschaft des IPCC-Berichts: "Ich weiß nicht, wie irgendjemand das lesen und es nicht total alarmierend finden könnte."

    Tatsächlich enthält der Bericht die Botschaft, dass selbst eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter die Zunahme gefährlicher Wetterextreme nicht stoppen wird. Schließlich hat die schon erfolgte Erderwärmung um etwa ein Grad bereits für eine deutliche Zunahme von Hitzewellen, Dürren, Superstürmen und Überschwemmungen gesorgt.

    Kein klares Ja oder Nein

    Um eine noch gefährlichere Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad zu verhindern, bedarf es laut IPCC weltweit eines schnellen und vollständigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbaus. Umweltschützer kritisieren, dass der Weltklimarat in seinen Szenarien dennoch wie selbstverständlich von einer wachsenden Weltwirtschaft ausgehe.

    Einen klimapolitischen Masterplan für die Regierungen in aller Welt wird der IPCC-Sonderbericht in keinem Fall liefern. Er enthalte auch keine definitive Antwort auf die Frage, ob das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann, sagt der französische Mitautor Henri Waisman. "Der Bericht wird nicht einfach Ja oder Nein sagen." Vielmehr hätten er und seine Kollegen versucht, "so viele Informationen wie möglich in die Hände der Politiker zu legen". Was diese damit anfangen, wird sich bereits bei der nächsten UN-Klimakonferenz im Dezember in Kattowitz zeigen. (red, APA, 5.10.2018)

    • Bangladesch kämpft mit Dürre und Fluten. Das soll künftig noch schlimmer werden, meinen Klimaforscher.
      foto: apa / afp / munir uz uaman

      Bangladesch kämpft mit Dürre und Fluten. Das soll künftig noch schlimmer werden, meinen Klimaforscher.

    Share if you care.