Wie Familienhotels sommerfest werden

    11. Oktober 2018, 09:00
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    In der Ferienhotellerie funktionieren Hotels mit Fokus auf eine klare Zielgruppe wie Familien gut. Standorte, die Vorsorge für die Sommersaison treffen, boomen besonders.

    Himbeer Golli, Heidi und Co wissen Bescheid: Wenn Familien am Land Urlaub machen, muss man ihnen etwas bieten. Wegen der grünen Wiese allein kommen die wenigsten, daher braucht es neben liebenswerten Maskottchen noch andere Attraktionen und zeitgemäße Unterkünfte.

    "Familienhotels haben neben den Wellnesshotels aufgrund ihrer klaren Konzentration auf eine Zielgruppe die besten Bilanzkennzahlen in der Ferienhotellerie", bestätigt Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung. Deren Auslastungszahlen würden über dem Durchschnitt liegen, man könne durchaus von einem Boom sprechen. Rund acht bis neun Prozent der angebotenen Betten in der Ferienhotellerie im alpinen Bereich seien bereits auf Familienfreundlichkeit spezialisiert – mit steigender Tendenz.

    Cocooning und Enkelurlaub

    Zwei Trends dominieren den Familienurlaub im ländlichen Bereich. Der eine ist das sogenannte Cocooning: Familien verbringen im Alltag oft zu wenig Zeit miteinander und wollen im Urlaub wieder Rituale einführen. Etwa so einfache Dinge wie gemeinsam Essen vorbereiten und am Tisch zusammensitzen. Familienhotels reagieren darauf, indem sie zusätzlich Chalets anbieten oder im Hotel größere Einheiten für Familien, die mehr Privatsphäre bieten, etwa für das Abendessen im eigenen Apartment. "Eltern und Kinder wollen generell auch wieder mehr gemeinsam machen, viele Väter wollen etwas nachholen", so der Tourismusexperte. Die Hotels bieten daher Programme an, die das berücksichtigen. Oft seien es bereits bestehende Hotels, die das Familiensegment für sich entdecken und passende Konzepte entwickeln, weil die Familienbetriebe selbst Kinder im jeweiligen Alter haben.

    Einen zweiten Trend ortet Reisenzahn als Reaktion auf ein sich veränderndes Publikum: Immer mehr Großeltern verreisen mit ihren Enkeln, legen in den langen Sommerferien noch eine Woche Urlaub kurz vor Schulstart drauf. Hier sei der Sicherheitsaspekt wichtig, den Enkeln soll ja nichts passieren.

    Regionale Attraktionen

    Die Hoteliers brauchen außerdem Attraktionen in der Umgebung. "Wichtig sind die Sommerbahnen, denn wegen der Hitze fahren die Familien gern auf den Berg", so Reisenzahn. Positivbeispiele in Tirol sind etwa die Sommerbahn Steinplatte, das Hexenwasser in Söll oder der Klettersteig in Brixen.

    Das sieht auch Rainer Schönfelder so, der gemeinsam mit Hermann Maier im kärntnerischen Bad Kleinkirchheim bald den vierten Standort der Cooee Alpin Hotels in Österreich eröffnet, um Familien leistbaren Winter- und Sommerurlaub anzubieten. Neben vorhandenen Thermen und Pisten ist dort für Sommer 2019 auch Europas längster "Flow Country Trail" für Mountainbiker geplant. Die beiden Ex-Skirennläufer setzen mit ihrem gehobenen Drei-Sterne-Konzept auf schlanke, budget-angehauchte Motiv-Hotels, die auf Style und Lifestyle für Familien ausgerichtet sind. Praktisch für die Zielgruppe ist die Möglichkeit, Räume bei Bedarf abzutrennen oder Betten auf Schienen auseinanderzuschieben. Die Hotels stehen dort, wo die Regionen für den Sommer Vorsorge getroffen haben.

    Umzusetzen sei das leistbare Konzept nur mit Neubauten: "Wir bauen so, dass es im Gebäude kurze Wege gibt, um es mit möglichst wenig Personal führen zu können." Auch inhaltlich wird abgespeckt: Kein großer Wellnessbereich, nur ein kleiner Kinder- und Fitnessbereich, und an der Rezeption bekommt man gute Informationen, aber keine personalintensiven Angebote wie etwa Butlerdienste. "Die Preise werden der jeweiligen Region angepasst", so Schönfelder, der seine Hotels (Vertriebspartner ist Rewe) als Ergänzung zum bestehenden Angebot, nicht als Konkurrenz sieht.

    Geplant ist, weiter zu expandieren: "Der Markt gibt allein in Österreich zehn bis 15 Standorte her", verrät er dem Standard, denn es gebe einerseits ein Überangebot an Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, andererseits sei die Zahl der klassischen Skipensionen rückläufig.

    Konkurrenzangebote

    Trotz guter Zahlen sieht auch Reisenzahn eine gewisse Sättigung im Vier- und Fünf-Sterne-Segment: "Die Auslastung ist nicht so gewachsen wie die Anzahl der Betten." Ernsthafte Konkurrenz bekommen die Hoteliers, die meist Familienbetriebe sind, von Plattformen wie Airbnb: "Ihr Bettenanteil ist zuletzt um zehn Prozent gestiegen und ernst zu nehmen, insbesondere in Regionen mit leerstehenden Freizeitwohnsitzen", so Reisenzahn, der kürzlich für die Landesregierung in Tirol eine Studie dazu gemacht hat.

    Der Trend zum Cocooning trägt dazu bei. Ausstechen können professionelle Betriebe die Konkurrenz mit persönlicher Betreuung, kinderfreundlicher Möblierung und zeitgemäßer Technik. Dazu gehört auch die Playstation im Hotel, was den Maskottchen zwischendurch eine Pause gönnt. (Marietta Adenberger, 11.10.2018)

    • Das neueste Cooee Alpin Hotel von Rainer Schönfelder und Hermann Maier befindet sich in Gosau am Dachstein. 2019 folgt eine weitere Neueröffnung in Bad Kleinkirchheim.
      foto: cooee alpin hotels

      Das neueste Cooee Alpin Hotel von Rainer Schönfelder und Hermann Maier befindet sich in Gosau am Dachstein. 2019 folgt eine weitere Neueröffnung in Bad Kleinkirchheim.

    • Einfach, aber stylisch und funktional: Zimmer in einem der Cooee Alpin Hotels in Kitzbühel.
      foto: cooee alpin hotels

      Einfach, aber stylisch und funktional: Zimmer in einem der Cooee Alpin Hotels in Kitzbühel.

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