Späte Rapid-Niederlage in Glasgow

    4. Oktober 2018, 23:09
    525 Postings

    Remis war trotz schwacher Leistung lange in Reichweite, ehe die letzten zehn Minuten die Partie drehen.

    Glasgow – Man kann es als Fußballer schon als Belohnung für die dunklen Tage des Konditionstrainings sehen, im Ibrox Stadium der Glasgow Rangers spielen zu dürfen. Rapid wurde diese Belohnung dank der Europa League zuteil, es war angesichts der 1:3-Niederlage ein Abend zum Vergessen.

    Im ersten Spiel unter Trainer Dietmar Kühbauer startete Rapid weder verschreckt noch übermütig, es entsponn sich eine anständige Partie ohne echte Torchancen. Bis zur 21. Minute, als Pavlovic nach einer Schwab-Musterflanke vorbeiköpfelte. Die nächste Strafraumszene hinterließ Spuren – im Gesicht von Rapid-Verteidiger Barac. Der klärte eine Flanke, Morelos kam zu spät, zurück blieb eine Platzwunde. Barac musste nach einer halben Stunde von Dibon ersetzt werden.

    Tor und Gegentor

    Die schottischen Gastgeber bekamen Oberwasser, Rapid war das egal. Ivan startete auf dem rechten Flügel aus dem unentdeckten Abseits, gab zur Mitte, eine Rangers-Grätsche leitete weiter zu Berisha und der traf zur Führung (42.). Es war eine kurzlebige: Querpass Tavernier, 1:1 Morelos (44.). Rangers-Coach Steven Gerrard brachte das erst mit Verzögerung zur Ruhe, er ließ den vierten Schiedsrichter seine Rage ob des Abseitstors noch ein wenig spüren.

    Zweite Halbzeit, ähnliches Bild: Glasgow war frischer, flotter, aber auch nicht sonderlich gefährlich. Am unterhaltsamsten war noch Gerrard, der bei jedem Kleinstfoul an der Seitenlinie randalierte.

    Elfer als Knackpunkt

    Aber dann, Minute 68: Ejaria köpfelte aus wenigen Metern, Strebinger flog nach rechts, fuhr die Pranke aus, parierte. Eine überragende Reaktion. Rapids Offensivabteilung war in der zweiten Halbzeit kollektiv abgemeldet. Dennoch wackelten die Grün-Weißen dem Remis entgegen, bis Sonnleitner Morelos im Strafraum umgrätschte. Klarer Elfmeter, Tarvenier trat an, traf zum 2:1 (84.).

    Rapid fand seine Offensivambitionen wieder, vermisste aber weiter jegliche Spielstruktur. In der vierten Minute der Nachspielzeit verschenkte Potzmann den Ball als letzter Mann, Morelos schloss den Konter mit dem 3:1 ab. Vor einer fantastischen Kulisse setzte es eine in dieser Höhe verdiente Niederlage für Rapid. Villarreal rettete im Parallelspiel gegen Spartak Moskau ein 3:3. Rapid muss in drei Wochen (25.10.) zu den Spaniern. (schau, 4.10.2018)

    Europa-League/Gruppe G/2. Runde:


    Glasgow Rangers – SK Rapid Wien 3:1 (1:1).
    Glasgow, Ibrox Stadium, 47.543, SR Buquet (FRA)

    Tore:
    0:1 (42.) Berisha
    1:1 (43.) Morelos
    2:1 (84.) Tavernier (Elfmeter)
    3:1 (94.) Morelos

    Rangers: McGregor – Tavernier, Worrall, Goldson, Flanagan – Arfield, Coulibaly, Ejaria – Kent (90. Halliday), Morelos (95. Middleton), Candeias

    Rapid: Strebinger – Müldür, Sonnleitner, Barac (33. Dibon), Potzmann – D. Ljubicic, Schwab – Ivan (58. Alar), Murg, Berisha (72. Bolingoli) – Pavlovic

    Gelbe Karten: McGregor bzw. Berisha, Ivan, Müldür, Schwab, Pavlovic

    Stimmen

    Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Stolz kann man bei einer Niederlage nie sein. Es war ein sehr zweikampfstarkes Spiel, in der ersten Hälfte haben wir da Präsenz gezeigt. Wir haben nichts zugelassen, gehen in Führung und kassieren dann leider schnell den Ausgleich. Das war der 'Game-Changer'. Denn wenn wir das 1:0 rüberbringen bis zur Pause, dann kriegen wir die zweite Luft und der Druck für die Schotten steigt. Bei den Rangers hat man gesehen, die haben nach der Pause die hohe Zweikampfpräsenz beibehalten, das ist uns nicht mehr so gelungen. Trotzdem haben wir wenig zugelassen."

    Mario Sonnleitner (Rapid-Innenverteidiger): "In der ersten Halbzeit gehen wir in Führung, haben das Spiel gut kontrolliert. Wir wussten, dass sie in der zweiten Halbzeit mit viel Elan kommen werden. Es war dann wenig Entlastung da. Wir haben gewusst, dass die Rangers ein sehr intensives Spiel spielen. Aber wir haben sehr gut dagegen gehalten, bis zur 80. Minute war es in Ordnung. Alles in allem sind wir nicht zufrieden, aber hier werden noch andere Mannschaften verlieren."

    Stefan Schwab (Rapid-Kapitän): "Das 1:1 zur Pause war angerichtet für uns. Dann hören wir zweite Halbzeit auf, Fußball zu spielen, lassen uns reindrängen. Sie haben das Tor erzwungen, wir hatten keine Entlastung mehr. Schade, in der 84. das Tor zu bekommen, den Punkt hätten wir mitnehmen können."

    Steven Gerrard (Rangers-Trainer): "Wir haben in der Gruppe einen guten Start hingelegt mit vier Punkten nach zwei Spielen, aber wir müssen am Boden bleiben. Meine Spieler haben eine großartige Leistung abgeliefert. Rapid ist die bisher stärkste Mannschaft, gegen die wir in dieser Europacup-Saison gespielt haben. Das Rapid-Tor war nicht regulär, aber ich möchte nicht darüber reden, sondern nur darüber, wie gut meine Spieler waren."

    Ticker-Nachlese

    Rapid verliert bei Rangers 1:3, Salzburg schlägt Celtic 3:1

    Weiterlesen

    Salzburg dreht Spiel nach frühem Rückstand gegen Celtic

    EL-Tabellen

    • Berisha brachte Rapid in Front.
      foto: reuters/russell cheyne

      Berisha brachte Rapid in Front.

    • Wenig später jubelte auch Morelos auf ähnliche Weise.
      reuters/jason cairnduff

      Wenig später jubelte auch Morelos auf ähnliche Weise.

    • Didi Kühbauer feierte sein Rapid-Trainerdebüt im Ibrox Park.
      foto: reuters/jason cairnduff

      Didi Kühbauer feierte sein Rapid-Trainerdebüt im Ibrox Park.

    Share if you care.