Söder gibt Berlin die Schuld am Rekordtief der CSU in Umfragen

    4. Oktober 2018, 19:15
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    Die Absolute ist für die CSU in weiter Ferne. Koalition mit zweitstärksten Grünen wäre die einzige Zweier-Konstellation, die eine Mehrheit hätte.

    München – Zehn Tage vor den bayerischen Landtagswahlen ist die CSU in der neuesten Umfrage auf ein Rekordtief abgesackt. Demnach käme die Partei in der Sonntagsfrage lediglich auf 33 Prozent (minus zwei Prozentpunkte im Vergleich zum September). Bei der Landtagswahl 2013 hatte man mit Spitzenkandidat Horst Seehofer (CSU) noch 47,7 Prozent und damit die absolute Mehrheit geholt. Diese scheint nach den aktuellen Umfragewerten aussichtslos.

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht die Schuld dafür bei der Regierungskoalition in Berlin."Das sind alles Zahlen, die unglaublich geprägt werden durch Berliner Politik", sagte Söder der "Bild". Er warnte davor, dass die Landtagswahl zu einem "Denkzettel für Berlin" werde.

    "Ich will keine Berliner Verhältnisse im Bayerischen Landtag", sagte Söder. "Interner Streit schadet immer – egal, von wem er kommt. Ich gebe zu, in Berlin kann es noch besser werden." Söder forderte die Koalition in Berlin zur Kompromissfindung auf: "Wenn sich Ego First weiter durchsetzt, führt das zur Unregierbarkeit."

    Licht und Schatten bei der Opposition

    Die SPD käme verglichen mit der September-Befragung unverändert auf elf Prozent. Auch das ist ein mehr als deutliches Minus zu den 20,6 Prozent die noch bei der vergangenen Landtagswahl erreicht wurden. Die Freien Wähler würden hingegen mit elf Prozent einen Rekordwert erreichen.

    Die Grünen würden mit den in der Umfrage prognostizierten 18 Prozent sogar zweitstärkste Kraft werden und einen neuen Höchstwert in Bayern erreichen. Schwarz-Grün wäre damit auch die einzig mögliche Zwei-Parteien-Koalition, die für eine Mehrheit im Landtag reichen würde. Die FDP könnte mit aktuell sechs Prozent (plus ein Prozentpunkt) wieder in den Landtag einziehen. Bangen muss Die Linke – sie würde mit 4,5 Prozent derzeit knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde landen. Auf die in Bayern erstmals antretende AfD würden derzeit zehn Prozent (minus ein Prozentpunkt im September-Vergleich) entfallen. Die sonstigen Parteien kämen auf 6,5 Prozent.

    Söder sprach sich indes gegen jede Zusammenarbeit mit der AfD aus: "Da gibt es null Zusammenarbeit. Null denkbares Miteinander. Für Bayern kann ich das garantieren." Die AfD sei "gefährlich".

    "Mia ned"

    Die Zivilbevölkerung mobilisiert indes auf kreativem Wege gegen die rechtspopulistische AfD. Der Anti-AfD-Song der Initiative "Künstler mit Herz" wurde in den vergangenen Tagen mehr fast zwei Millionen Mal auf Facebook angesehen und tausendfach geteilt.

    Mehrere bayerische Schauspieler laufen dabei tanzend und singend durch die Stadt und nehmen sich in ihrem Text das AfD-Programm zur Brust. Egal, wen man wähle: "Hauptsache eine Partei, die das Land nicht spalten will." (red, Reuters, 4.10.2018)

    Info: Für die Sonntagsfrage im Auftrag der ARD-Tagesthemen hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest "dimap" von Montag bis Dienstag 1002 Wahlberechtigte in Bayern befragt.

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    • Angesichts der Umfrageergebnisse dürfte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ins Schwitzen kommen.
      foto: reuters/michael dalder

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