Proptechs, die kleinen digitalen Helferlein

    8. Oktober 2018, 09:00
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    25 Proptechs, darunter drei aus Österreich, rittern heuer auf der Expo Real wieder um die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger

    Wenn die Digitalisierung auf die Immobilienwirtschaft trifft, dann ist schnell von den sogenannten Proptechs die Rede. Das sind kleine, innovative Software- oder auch Hardwarelösungen, die mittlerweile in sämtlichen Bereichen der Immobilienwirtschaft Anwendung finden können. Manchmal als kleines elektronisches Helferlein, das eine neue, schnellere Lösung für ein altbekanntes Problem ermöglicht, manchmal sogar als ganz neues Geschäftsmodell.

    Seit etwa zwei Jahren ist viel von den Proptechs die Rede. Wettbewerbe werden veranstaltet, die Start-up-Competition oder Pitch genannt werden. Im Vorjahr entdeckten auch die Veranstalter der beiden großen Immobilienmessen in Europa, der Expo Real und der Mipim, das Thema.

    Plan Radar zeigt es vor

    Auf der Expo in München gab es 2017 erstmals ein Real Estate Innovation Network, kurz REIN genannt. 25 Proptechs wurden ausgewählt, um sich auf der Messe zu präsentieren, fünf davon stammten aus Österreich. Mit dabei war etwa Plan Radar (früher Defect Radar), das mittlerweile als so etwas wie das Vorzeige-Proptech-Unternehmen wurde – nicht nur österreichweit, sondern weltweit. Das österreichische Start-up mit Sitz in Wien, das im Wesentlichen eine Software für Baudokumentation und Mängelmanagement darstellt, hat mittlerweile über 2400 Kunden aus 29 verschiedenen Ländern (neben zahlreichen europäischen auch Australien, Kanada, Mexiko, Südafrika und Singapur) und wurde in den vergangenen Monaten mit Preisen überhäuft.

    Für die heurige Expo Real wurden gleich 1600 europäische Start-ups angesprochen, 460 haben sich beworben. Die Jury des Real Estate Innovation Networks hat die 55 besten Konzepte und Ideen ausgewählt, die sich am 25. und 26. April in Berlin in einem Pre-Pitch vorgestellt haben.

    Drei Proptechs aus Österreich

    Unter den 25 Finalisten landeten drei aus Österreich, nämlich Insider Navigation, Greenbird.FM und Nuki (siehe unten). Die beiden Letztgenannten treten in der Kategorie "Manage & Operate" an, wo man sich mit einer digitalen Dokumentenverwaltung aus den Niederlanden, einer italienischen Lösung zur energetischen Gebäudeoptimierung und einer deutschen Vermietersoftware matcht.

    Nuki ist schon vielen Leuten ein Begriff. Dabei handelt es sich um ein Türschloss, das mit dem Smartphone bedient werden kann. An der Grazer Firma ist mittlerweile der US-Konzern Allegion mit 23 Prozent beteiligt, und man kooperiert mit Airbnb.

    Augmented Reality

    Insider Navigation läuft in der Kategorie "Market" und hat dort unter anderem einen Konkurrenten aus Irland, der eine Lösung zum Auffinden von Pop-up-Verkaufsflächen anbietet. Geschäftsführer Clemens Kirner und sein Team haben ein Augmented-Reality-System zur Orientierung in Räumen entwickelt, das kein GPS benötigt und ohne "Beacons", kleine Sender, auskommt. Genau das will man auf der Expo hervorheben: "Wir wollen zeigen, dass es auch eine Lösung ohne Beacons gibt", denn diese würden ständig Signale abgeben, was manchmal technisch nicht unproblematisch sei und außerdem viel teurer komme als das Insider-Navigation-System, wenn man viele davon brauche. Im deutschen Zwickau hat man das VW-Werk damit ausgestattet; dort wären ansonsten 72.000 Beacons nötig gewesen, erzählt Kirner.

    Auf Sensoren setzt wiederum Harald Peterka, Gründer und Geschäftsführer von Greenbird.FM, mit seiner Lösung zur Optimierung von Reinigungsdienstleistungen. Reinigungskräfte werden per Tablet darüber informiert, wo zu putzen ist und wo nicht. Das Unternehmen gibt es seit einem Jahr, man ist bereits in Österreich, Deutschland und der Schweiz aktiv und strebt nach mehr. Von der Expo erwartet sich Peterka "gute Gespräche mit potenziellen Interessenten – und dass große Bestandhalter auf uns aufmerksam werden".

    Seine Software ist schon in mehr als 20 Sprachen verfügbar – in erster Linie aber deshalb, "weil das Reinigungspersonal oft multikulturell aufgestellt ist". (Martin Putschögl, 6.10.2018)

    Die drei österreichischen Proptechs im Wettbewerb

    Greenbird: Die Revolution der Gebäudereinigung

    foto: greenbird
    Auf dem Tablet sieht das Reinigungspersonal, wo zu putzen ist.

    Nichts Geringeres als die Gebäudereinigung zu revolutionieren, das hat Harald Peterka mit seinem Start-up Greenbird.FM vor. Das funktioniert folgendermaßen: Mithilfe von Sensoren werden allerlei Informationen im Rauminneren gesammelt, etwa Bewegungen, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder CO2-Gehalt. Mit einem Sensor pro Raum bzw. mit einem pro 30 bis 40 Quadratmeter findet man dabei das Auslangen, so Peterka. Die selbstentwickelte Software berechnet daraus dann den Reinigungsbedarf. Und nicht nur das: Auch das Nachfüllen von Seifen- oder WC-Papier-Spendern wird angezeigt.

    "Reinige im Gebäude nur, was verschmutzt bzw. benutzt wurde", so lautet die Kernidee der IoT-Anwendung, die man selbst entwickelt und programmiert hat. Reinigungskräfte können auf Tablets sehen, welche Bereiche das betrifft. Die Einsparungen würden mindestens das Doppelte der Kosten für das System betragen, so Peterka zum Standard. (mapu)

    Insider Navigation: Orientierung in Flughäfen und Büros

    foto: insider navigation
    Orientierungshilfe per Augmented Reality in Lagerhallen etc.

    Am Flughafen in Dubai, demnächst auch in Amsterdam-Schiphol, kann man sich mithilfe des eigenen Smartphones orientieren: Man hält es in die Höhe und sieht auf dem Display, wohin man gehen muss, sofern man zuvor ein Ziel eingegeben hat. Möglich macht das das Wiener Start-up Insider Navigation. "Die Applikation macht ein Gebäude für das Handy erkennbar", erklärt Geschäftsführer Clemens Kirner. "Jedes Gebäude wird dadurch wie eine interaktive Website." Notwendig dafür sind nur "akkurate", wie Kirner betont, 2D-Pläne des Gebäudes. Die Orientierung funktioniert auf einen bis fünf Zentimeter genau.

    Nicht nur zur Orientierung, etwa auch in Lagerhallen, sondern auch zum Finden freier Meetingräume in einem Bürogebäude könne Insider Navigation dienen. Wo die Daten liegen, können sich die Kunden aussuchen – entweder auf der Cloud des Start-ups oder auf dem eigenen Server – was eine Sicherheitsfrage sei. (mapu)

    Nuki: Der digital gesteuerte Haustürschlüssel

    foto: nuki
    Ein Türschloss, das sich von überall aus bedienen lässt.

    Ein elektronisches Schloss, das per Smartphone bedient wird: Das war die Gründungsidee von Nuki, einem Grazer Start-up, das seit 2016 auf dem Markt ist. "Smart-Home-Anwendungen gab es 2014, als wir starteten, bereits viele. Um unser intelligentes Zuhause zu betreten, benutzten wir aber immer noch einen normalen, alten Schlüssel. Das wollten wir ändern" , sagte Gründer Martin Pansy im vergangenen Frühjahr dem STANDARD.

    Nuki wird an der Innenseite der Tür auf dem bestehenden Schloss befestigt (ob der Zylinder kompatibel ist, lässt sich auf der Nuki-Website überprüfen). Über die Nuki-App lässt sich das Schloss per Smartphone öffnen, in Verbindung mit Nuki Bridge auch von unterwegs oder etwa von Airbnb-Gästen. Mit dem Nuki Keypad präsentierte man kürzlich auf der IFA in Berlin außerdem ein neues digitales Zahlenschloss, das entweder in Verbindung mit einem Smartphone oder ganz ohne ein solches genutzt werden kann. (mapu, 8.10.2018)

    • Nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2017 (Bild) geht das Real Estate Innovation Network heuer in die zweite Runde.
      foto: messe münchen / alex schelbert

      Nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2017 (Bild) geht das Real Estate Innovation Network heuer in die zweite Runde.

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