USA stellen NATO weiter Cyberkrieg-Fähigkeiten zur Verfügung

    4. Oktober 2018, 15:40
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    Zusicherung von Verteidigungsminister Mattis bei Treffen in Brüssel

    Die USA werden der NATO künftig auch Cyberkrieg-Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Angriffe in dem Bereich seien zuletzt häufiger, komplexer und zerstörerischer geworden, sagte Verteidigungsminister James Mattis am Donnerstag nach einem Treffen mit Kollegen aus den anderen Bündnisstaaten in Brüssel. Die USA wollten die NATO dabei unterstützen, auch in diesem Bereich gefechtsbereit zu sein.

    Hintergrund der amerikanischen Ankündigungen sind vor allem Bündnispläne, bei NATO-Einsätzen künftig auch Cyber-Waffen einzusetzen. Dazu waren bereits Ende des vergangenen Jahres Leitlinien für militärische Cyber-Angriffe vereinbart worden. Eigene Fähigkeiten für Attacken entwickelt die NATO vorerst allerdings nicht. Sie werden freiwillig von Mitgliedstaaten bereitgestellt werden. Neben den USA tun dies bisher Großbritannien, die Niederlande, Estland und Dänemark.

    London wirft russischem Militärgeheimdienst Hackerangriffe vor

    Großbritannien und Australien haben am Donnerstag dem russischen Militärgeheimdienst GRU vorgeworfen, großangelegte Cyberattacken in aller Welt auszuführen. Der Geheimdienst sei nachweisbar verantwortlich für Hackerangriffe auf politische Institutionen, Unternehmen, Medien und Sportinstitutionen weltweit, erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt Verteidigungsminister Gavin Williamson kritisierte, Russland verhalte sich wie ein "Pariastaat". Großbritannien und seine Verbündeten würden sich den russischen Versuchen entgegenstellen, "die internationale Stabilität zu schwächen", erklärte auch Hunt. Demnach konnte die britische Agentur für Cybersicherheit (NCSC) GRU-Mitarbeiter als Verantwortliche für eine Reihe großangelegter Computerattacken ausmachen.

    Bekannte Angriffe

    Viele der Angriffe waren bereits mit Russland in Verbindung gebracht worden – etwa die Erpressersoftware "BadRabbit", die 2017 unter anderem den Flughafen von Odessa in der Ukraine sowie russische Medien zum Ziel hatte, ein Cyberangriff auf die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in der Schweiz oder Cyberattacken auf die Demokratische Partei in den USA vor der Präsidentschaftswahl 2016. Die britische Regierung geht davon aus, dass letztlich der Kreml für die Attacken verantwortlich ist.

    Williamson kündigte bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel ein gemeinsames Vorgehen mit Großbritanniens Alliierten an. Zusammen mit seinen Verbündeten sei es das Ziel Großbritanniens, Russland zu "isolieren" und seine "rücksichtslose" Vorgehensweise offenzulegen.

    Das russische Vorgehen sei "inakzeptabel"

    Die australische Regierung schloss sich den Vorwürfen aus London an. "Die russischen Streitkräfte und ihr Geheimdienst-Arm GRU sind verantwortlich für dieses Muster von niederträchtiger Cyberaktivität", erklärten Premierminister Scott Morrison und Außenministerin Marise Payne. Das russische Vorgehen sei "inakzeptabel".

    Spione in den Niederlanden

    Die niederländische Regierung gab am Donnerstag die Ausweisung von vier Russen wegen Spionageverdachts bekannt. Bei den Russen handle es sich um GRU-Agenten, die einen Einsatz gegen die in Den Haag ansässige Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) geplant hätten, sagte Verteidigungsministerin Ank Bijleveld. Die niederländischen Geheimdienste hätten die Operation vereitelt.

    Die russischen Agenten hatten den Angaben zufolge ein Auto voller elektronischer Geräte im Parkhaus eines Hotels neben dem OPCW-Sitz in Den Haag abgestellt, um in das Computersystem der Organisation einzudringen. Die niederländische Regierung sprach von einem "äußerst besorgniserregenden" Vorfall.

    Die Chemiewaffen-Experten der OPCW hatten in jüngster Zeit Untersuchungen angestellt, die auch russische Interessen berühren. So dokumentierten sie den Einsatz von Chemiewaffen gegen Zivilisten im Syrien-Krieg. Die mit Russland verbündete syrische Regierung wird verdächtigt, diese Waffen eingesetzt zu haben.

    Beweise?

    Auch mit Blick auf die Cyberangriffe betonte das russische Außenministerium, London habe keine echten Beweise für die Anschuldigungen präsentiert. Die Fantasie der britischen Behörden kenne keine Grenzen mehr. "Hier wird einfach alles vermischt: GRU, Cyperspione und Kremlhacker. Das ist einfach eine Parfümmischung aus der Hölle", sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Donnerstag in Moskau. Der Satz war eine Anspielung auf die Angaben britischer Ermittler, wonach das Nowitschok-Gift in einer Parfüm-Probe transportiert worden sei. Eine Britin war gestorben, nachdem sie sich mit dem im Müll gefundenem vermeintlichem Parfüm eingesprüht hatte. (APA, 4.10. 2018)

    • Der Source-code der bekanntesten Cyberwaffe der Welt: Stuxnet, die im Jahr 2010 auf Atomanlagen im Iran beschädigte.
      foto: apa

      Der Source-code der bekanntesten Cyberwaffe der Welt: Stuxnet, die im Jahr 2010 auf Atomanlagen im Iran beschädigte.

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