Yotam Ottolenghi kocht jetzt ganz "simple"

    6. Oktober 2018, 07:53
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    Der britisch-israelische Starkoch setzt in seinem neuen Buch auf einfacheres Kochen

    Vor sieben Jahren erschien ein dunkelrot eingebundenes Kochbuch mit dem Titel "Genussvoll vegetarisch" von Yotam Ottolenghi. Bei Kochinteressierten stieß es auf ähnlich großes Interesse, wie einst das erste Kochbuch von Jamie Oliver. Plötzlich sprachen alle von den tollen vegetarischen Gerichten, lobten die großartigen Kombinationen und Zubereitungsweisen, die der aus Israel stammende Koch, der in London lebt, hier versammelt hatte. Und auch in diversen Lokalen hierzulande standen immer öfter Gerichte auf dem Tisch, die ihre Inspiration wohl recht eindeutig aus "Genussvoll vegetarisch" bezogen hatten.

    Bald schon folgte der zweite Streich "Ottolenghi – Das Kochbuch", der nicht nur vegetarische Rezepte brachte, sondern vor allem jene, die im Lokal "Ottolenghi", in London auf der Speisekarte standen.

    "Jerusalem", das dritte Buch, wird von den meisten Ottolenghi-Anhängern als "das Beste" beschrieben. Es ist Reise- und Kochbuch zugleich und Ottolenghi schrieb es gemeinsam mit Sami Tamimi, einem ebenfalls in London lebenden Palästinenser, der 2002 mit ihm gemeinsam das Lokal "Ottolenghi" eröffnete und nach wie vor als Chefkoch der mittlerweile sechs Restaurants tätig ist.

    Danach folgten die Bände "Vegetarische Köstlichkeiten", "Nopi" und schließlich im Vorjahr "Sweet: Süße Köstlichkeiten".

    Einfach SIMPLE

    Seit Wochen schlägt Otttolenghi bereits auf Social Media die Werbetrommel für "SIMPLE", seine neueste Kochbuchkreation, die auf Deutsch nur wenige Wochen nach der englischen Ausgabe auf den Markt kam.

    Die Rezepte darin sind im Prinzip jene, die man von Ottolenghi erwartet: Gerichte – viele davon vegetarisch – die großteils von der maghrebinischen sowie der mediterranen Küche inspiriert sind. Zusätzlich gibt es auch Einflüsse und Zutaten aus dem ostasiatischen Raum.

    Neu ist allerdings die Gliederung der Rezepte, die einem Schema unterliegen, das durchaus praktisch ist. Denn wenn es Kritik bezüglich der Gerichte in den früheren Büchern gab, dann meist jene, dass zu viele Zutaten verwendet werden (womöglich noch exotische) und dass die Sachen schlicht zu lange dauern. Das kann mit dem neuen Buch natürlich immer noch passieren, aber es wird die Planbarkeit erleichtert, nachdem bei jedem Rezept Piktogramme abgebildet sind, die für einen Buchstaben von "SIMPLE" stehen.

    Auf Englisch steht der Titel nämlich für:

    S – short on time = schnell fertig (weniger als 30 Minuten)

    I – 10 ingredients or less = nicht mehr als 10 Zutaten

    M – make ahead = lässt sich vorbereiten

    P – pantry = aus dem Vorratsschrank

    L – lazy = Macht sich fast von allein

    E – easyier than you think = einfacher als gedacht

    Damit sollen auch die unterschiedlichen Kochvorlieben abgedeckt werden, denn während einer lieber mit einer Handvoll Zutaten kocht, will die andere lieber ein Essen, das sich gut vorbereiten lässt oder lange schmort, während man daneben anderen Tätigkeiten nachgehen kann. Sehr aufwändige Gerichte, wie sie teilweise in NOPI zu finden waren, wird man jedenfalls vergeblich suchen.

    Was man daheim haben sollte, wird bereits am Beginn erläutert, der Vorratsschrank wird in "Alltägliche Zutaten" wie "Nudeln" oder "griechisches Joghurt" und "Ottolenghi Zutaten" wie "Za'atar" oder "Tahin" eingeteilt. Dass man einen Einkaufszettel benötigt, um etwas nachzukochen, leugnet aber auch Ottolenghi nicht, schließlich braucht es einfach auch frische Zutaten, schreibt er in der Einleitung.

    Das Layout der Rezepte ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, etwas cleaner als das der Vorgängerbücher, Fotos gibt es aber nicht zu knapp. Die Kapitel starten mit dem Thema Brunch (s. Rezept unten), rohes Gemüse und gegartes Gemüse. Dann geht es zu Reis, Getreide und Hülsenfrüchten, Nudeln, Fleisch, Fisch und Desserts. Abschließend liefert Ottolenghi noch Menüvorschläge vom Alltagsessen bis zum Festmahl. (Petra Eder, 6.10.2018)


    Nachfolgend ein Rezept aus dem Buch (Copyright: Text Yotam Ottolenghi)

    Setzeier mit Lauch und Za’atar

    Ein warmes Essen, das im Handumdrehen auf dem Tisch steht. Das Gericht eignet sich bestens für einen Brunch, mit knusprigem Weißbrot und einem Glas Wein schmeckt es aber auch abends. Lauch und Spinat lassen sich bis zu 1 Tag im Voraus zubereiten und kalt stellen, sodass man kurz vor dem Servieren nur noch die Eier hineinschlagen und garen muss.

    foto: dorling kindersley verlag/jonathan lovekin

    Für 6 Personen
    30 g Butter
    2 EL Olivenöl
    2 große (oder 4 kleinere) Lauchstangen, geputzt und in 5 mm dicke Scheiben geschnitten (530 g)
    1 TL Kreuzkümmelsamen, geröstet und leicht zerstoßen
    2 kleine eingelegte Zitronen, entkernt, Schale und Fruchtfleisch fein gehackt (30 g)
    300 ml Gemüsebrühe
    200 g Babyspinat
    6 große Eier
    90 g Feta, in 2 cm große Stücke gebröckelt
    1 EL Za’atar
    Salz und schwarzer Pfeffer

    1. Die Butter mit 1 EL Öl in einer großen Pfanne (zu der es einen passenden Deckel gibt) bei mittlerer bis hoher Temperatur erhitzen. Sobald die Butter schäumt, den Lauch mit ½ TL Salz und nicht zu wenig Pfeffer hinzufügen. 3 Minuten garen, dabei häufig rühren, bis der Lauch weich ist. Kreuzkümmel, Zitronen und Gemüsebrühe dazugeben und alles 4–5 Minuten sprudelnd kochen lassen, bis der Großteil der Brühe verdampft ist. Den Spinat unterheben und 1 Minute mitgaren, bis er zusammengefallen ist, dann mittlere Hitze einstellen.

    2. Mit einem großen Löffel sechs Mulden in die Mischung drücken und in jede ein Ei schlagen. Die Eier mit 1 Prise Salz bestreuen und rundherum die Fetastückchen verteilen. Den Deckel auflegen. Das Gericht 4–5 Minuten köcheln lassen, bis das Eiweiß gestockt, das Eigelb aber innen noch flüssig ist.

    3. Das restliche Öl (1 EL) mit Za’atar mischen und die Eier damit bestreichen. Das Gericht sofort servieren, direkt aus der Pfanne.

    (Anm. d. Red: Die abgebildeten Piktogramme im Buch beim Rezept: Schnell fertig – Nicht mehr als 10 Zutaten – Lässt sich vorbereiten – Macht sich fast von allein)

    Weiterlesen:

    Yotam Ottolenghi: "Die Sünde ist mir nicht fremd"

    Sweet: Backen mit Yotam Ottolenghi

    Nopi: Das Kochbuch

    Der nächste Streich: Vegetarische Köstlichkeiten

    Ottolenghi-Kochbuch: Jerusalem

    Rezept aus Jerusalem: Mejadra

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