Schönborn sieht Politik bei Ehe und Partnerschaft gefordert

    4. Oktober 2018, 15:20
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    Kardinal spricht sich für Suche nach verfassungskonformer Möglichkeit aus – doch die "Ehe als Bund von Mann und Frau, offen für Nachwuchs", sei "unersetzlich"

    Wien – Die katholische Kirche bleibt dabei, dass nur Heterosexuelle heiraten sollen. Kardinal Christoph Schönborn "erwartet" von der Regierung eine "gewissenhafte Prüfung", ob es Wege gibt, das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs so umzusetzen, dass die Ehe als "Sicherung der Generationenfolge durch Mann und Frau" erhalten bleibt.

    Freude bei der FPÖ

    Dies sei "ganz im Sinne der Meinung der FPÖ", freuten sich die Freiheitlichen umgehend. Deren Klubobmann Walter Rosenkranz lud per Aussendung umgehend "den ÖVP-Parlamentsklub ein, gemeinsam an einer verfassungskonformen Lösung in diese Richtung zu arbeiten". Denn um Homosexuellen weiterhin die Ehe zu verwehren, ist ein Gesetzesbeschluss nötig – und damit eine Einigung der Regierung.

    Justizminister Josef Moser (ÖVP) hat allerdings – unter Hinweis darauf, dass Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) das auch so sehe – wissen lassen, dass Ehe und eingetragene Partnerschaft künftig Homo- und Heterosexuellen gleichermaßen offenstehen sollen.

    Kein Gesetz bringt Ehe für alle

    Ohne Gesetz stehen ab 1. Jänner 2019 sowohl Ehe als auch eingetragene Partnerschaft sowohl Hetero- als auch Homosexuellen offen. Denn das Höchstgericht hat ab dann die Bestimmungen aufgehoben, die Homosexuellen den Zugang zur Ehe verwehrten und für sie nur die eingetragene Partnerschaft vorsahen – mit der Begründung, dass der Gleichheitsgrundsatz eine Diskriminierung verbietet.

    Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofs seien zu respektieren und umzusetzen, räumt Schönborn im Interview mit dem "Sonntag" ein. Diskriminierungen müssten beseitigt werden, es dürfe "keine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung" mehr geben – aber die Regierung müsse prüfen, ob es einen Weg gibt, dass "trotzdem die Unverwechselbarkeit der Ehe bleibt – in ihrer Doppelfunktion des öffentlichen Gelöbnisses und der Sicherung der Generationenfolge durch Mann und Frau".

    Der Kardinal kann zwar "gut verstehen, dass Menschen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft die eingetragene Partnerschaft zu wenig ist". Aber "ich bin überzeugt, dass die unverwechselbare Ehe als Bund von Mann und Frau, offen für Nachwuchs, unersetzlich ist". Der Gesellschaft täte es gut, meint er, sich auf das Leitmodell "Vater Mutter Kinder" zu einigen und gleichzeitig "sehr viel behutsamer umzugehen mit den vielen Situationen, die nicht so sind".

    Für Hosi eine Zumutung

    Für die Homosexuellen-Initiative Wien (Hosi) sind diese Ausführungen Schönborns eine "Zumutung". Obmann Moritz Yvon hält die Argumentation des Kardinals für absurd, hieß es in einer Aussendung. Obfrau Lui Fidelsberger merkte an: Die Kirche sollte "sich mehr um die Aufarbeitung der Vergewaltigung von Kindern in ihrer Obhut kümmern. Das wäre jedenfalls sinnvoller, als die gesetzlichen Rahmenbedingungen ihrer Zeugung als Vorwand zu nutzen, um erwachsenen Liebenden die Ehe abzusprechen."

    (APA, red, 4.10.2018)

    • Kardinal Schönborn, hier mit Kanzler Kurz: "Ich bin überzeugt, dass die unverwechselbare Ehe als Bund von Mann und Frau, offen für Nachwuchs, unersetzlich ist."
      foto: reuters / kathpress / dragan tatic

      Kardinal Schönborn, hier mit Kanzler Kurz: "Ich bin überzeugt, dass die unverwechselbare Ehe als Bund von Mann und Frau, offen für Nachwuchs, unersetzlich ist."

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