Wie ein "Millionenvermögen" dahinschmolz

4. Oktober 2018, 13:15
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Beschuldigter sprach von Streit um großen Nachlass der Großmutter

Wien – Heute, Mittwoch, beginnt der 54. Tag der Buwog-Verhandlung, und auch diesmal wird zunächst der Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki befragt werden. Nach ihm steht dann noch die Einvernahme des früheren Rechtsanwalts und Steuerberaters von Walter Meischberger, Gerald Toifl, an.

Wicki war Vermögensverwalter von Karl-Heinz Grassers Schwiegermutter sowie von dessen Ehefrau und für die Briefkastenfirma Mandarin zuständig. Er sagte aus, deren wirtschaftlich Berechtigte sei ursprünglich seine, Wickis, Mutter gewesen, weil die nach dem Tod ihrer Mutter eine große Erbschaft erwartet habe. Aus der sei aber nichts geworden, sodass er das Konto für eigene Treuhandgeschäfte genützt habe. Die Angaben in den Kontoeröffnungsunterlagen zur wirtschaftlich Berechtigten hätten aber gestimmt: "Meine Mutter hat immer darauf gehofft, daher war das korrekt."

Angaben waren falsch

Nähere Angaben des damaligen Raiffeisen-Liechtenstein-Bankers zu Kundenprofil und Herkunft diverser Bareinzahlungen, in denen er sich auf Telefonate mit Wicki berufen hat, seien falsch. Da habe sich der Banker etwas zusammengebastelt, da stamme kein Wort von ihm, so Wicki sinngemäß.

Allerdings sagte dieser Exbanker auch in seiner Zeugeneinvernahme, dass er die Informationen zum Kundenprofil durch Telefonate von Wicki erlangt habe. Der Banker wurde von den Ermittlern einst auch befragt, ob es üblich sei, dass ein und dasselbe Konto für mehrere Kunden gleichzeitig verwendet werde. Zur Erinnerung: Auf dem Mandarin-Konto landeten Bareinzahlungen Wickis, das von Grasser rücküberwiesene "Schwiegermuttergeld" und MIP-Aktien von Walter Meischberger. Während Wicki sinngemäß erklärt, man habe das intern schon auseinanderdividieren können, sah es sein einstiger Banker anders: So eine Vermischung sei "absolut unüblich, das gibt es auf keiner Bank" und sei schon lange nicht mehr erlaubt.

Wechsel des wirtschaftlich Berechtigten

Dass er das Mandarin-Konto letztlich selbst benützte und es daher einen Wechsel des wirtschaftlich Berechtigten gegeben habe, teilte Wicki der Bank Ende 2011 per Brief mit. Seine Geschäftsführung habe die Meldung versäumt, erklärte er die Verspätung. Wörtlich: "Der Zweck des Kontos wären Zahlungseingänge aus der Erbschaft meiner Mutter gewesen. Bedingt durch Streitigkeiten der vier erbberechtigten Kinder (...) hat sich der Auszahlungstermin weit nach hinten verschoben und die Höhe der Erbschaft wurde durch Missmanagement bei den Vermögensanlagen stark verringert." Auch den Ermittlern erklärte Wicki später, dass seine Mutter ein Millionenvermögen erwartet habe, ein Verwandter habe aber den Großteil mit schlechten Veranlagungen verloren.

Die Ermittler führten Einvernahmen dazu durch und schafften den Verlassenschaftsakt der Großmutter Wickis, die laut Verwandtschaft stets in einfachen Verhältnissen gelebt hat, vom Notar bei.

Demnach sei die Verlassenschaft bescheiden gewesen und ohne Streit der vier Erben binnen vier Monaten abgehandelt worden. (Renate Graber, 3.10.2018)

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