Wie man Freizeitunfälle finanziell richtig versorgt

    6. Oktober 2018, 14:00
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    Die Krankenversicherung schützt Erwerbstätige im Krankheitsfall. Bei Freizeitunfällen klaffen aber Lücken, die zur finanziellen Last werden können

    Der Herbst lädt förmlich ein zu Aktivitäten im Freien. Zum Mountainbiken etwa. Etwas später werden sich die Skipisten wieder füllen, und nach der Hüttengaudi fährt es sich gleich noch beschwingter.

    Doch Vorsicht: Immer dabei ist hier die Unfallgefahr. Und die werde gemeinhin unterschätzt, warnt Wilhelm Klimon, Experte für Unfallversicherung in der Wiener Städtischen Versicherung. Frage man Leute, ob sie versichert seien, antworteten sie meist mit Ja. Vergessen werde aber, dass es sich dabei in den überwiegenden Fällen nur um die normale Krankenversicherung handelt, die jeder im Erwerbsleben Stehende automatisch hat. Durch diese seien freilich notwendige Erstversorgung, die Behandlung im Spital oder in einer Rehabilitationseinrichtung gedeckt.

    Schutz oft nicht ausreichend

    "Bleiben von einem Unfall aber Dauerfolgen, die etwa die volle Arbeitsleistung nicht mehr ermöglichen, oder bleibe das Opfer ein Pflegefall, bleibt der Verunfallte auf seinem Ausfall bzw. Schaden und damit Kosten sitzen", erklärt Klimon. Eine Rentenleistung aus der Krankenversicherung gebe es erst, wenn eine Minderung der Erwerbstätigkeit von mindestens 20 Prozent festgestellt wurde, erklärt Klimon. Die Basis für diese Rentenleistung ist das jeweilige Einkommen. Doch durch die Höchstbemessungsgrundlage gebe es laut dem Versicherungsexperten eine Deckelung. Diese könnte für Besserverdiener aber zu einer Unterversorgung führen.

    Aktuell sei es so, dass nur rund 14 bis 16 Prozent aller Unfälle Arbeitsunfälle sind. Der überwiegende Rest spiele sich im Privat- und Freizeitbereich ab – und hier könne die Krankenversicherung zu kurz greifen. Fußballspielen, Ski- und Radfahren sind jene Tätigkeiten, bei denen sich die Menschen am häufigsten verletzen. Beim Ski- und Radfahren komme hinzu, dass die jeweils neue Technik vermehrt für drastischere Unfälle sorge. So hätten die Carvingski die Drehungen der Bretter derart verändert, dass es im Fall des Falles nun häufiger zu komplizierten Knieverletzungen kommt als früher, wo bei Skiunfällen hauptsächlich Knochenbrüche ein Thema gewesen seien.

    Geschwindigkeit von E-Bikes oft unterschätzt

    Beim Radfahren haben laut Klimon die E-Bikes für ein neues Risiko gesorgt. Denn die erreichte Geschwindigkeit werde oft unterschätzt und könne häufig nicht mehr rechtzeitig abgebremst werden. Damit sei im Fall eines Zusammenstoßes oder Sturzes auch die Aufprallgeschwindigkeit höher geworden. "Das gilt auch für das Mountainbiking, das mit E-Bikes auch für jene möglich wurde, die es ohne unterstützenden Motor wohl nicht bergauf schaffen würden. Beim Abwärtsfahren käme es dann aber häufig zu Problemen.

    "Dass Bewusstsein für eine private Unfallversicherung ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen", sagt Klimon. Es gebe aber eben noch immer große Wissenslücken. Dabei sei ein privater Unfallschutz für Erwachsene – der auch Therapiekosten ersetze und Ausfallzahlungen leiste – bereits ab zehn Euro pro Monat möglich. Für Familien und Pensionisten – die für die Freizeitindustrie eine immer wichtigere Zielgruppe werden – gibt es spezielle Pakete.

    Auch die Hubschrauberbergung ist für Klimon ein Punkt großer Wissenslücken. Sie ist durch die Krankenversicherung nicht gedeckt. Und die oft gebuchten Zusatzpakete für die Dauer der Skiwoche versicherten im Fall eben wirklich nur den Heli-Transport. Unfalllangzeitfolgen würden auch hier nicht abgedeckt. (Bettina Pfluger, 6.10.2018)

    • E-Bikes bringen für ungeübte Mountainbiker eine neue Gefahr.
      apa / trailcenter hww / markus wessig

      E-Bikes bringen für ungeübte Mountainbiker eine neue Gefahr.

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