Österreich droht wegen Almflächen Millionenstrafe der EU

4. Oktober 2018, 13:42
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Die EU-Rechnungsprüfer warnen Wien vor einer Finanzkorrektur wegen der Almflächen, auch der Brennerbasistunnel wird geprüft

Brüssel/Wien – Österreich droht nach Worten seines Vertreters im Europäischen Rechnungshof, Oskar Herics, eine Finanzkorrektur wegen bestehender Mängel bei seinen Almflächen. Im Raum stehe ein Betrag knapp unter zehn Millionen Euro, sagte Herics anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts des EU-Rechnungshofs in Brüssel.

Das Landwirtschaftsministerium kontert: "Österreich ist nach wie vor der Auffassung, die EU-Verordnung richtig umgesetzt zu haben." Zutreffend ist laut dem Ministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP), dass es nach wie vor unterschiedliche Auffassungen zwischen Kommission und Österreich in der Frage der Methode und Genauigkeit der Almfutterflächenfeststellung gibt. "Diese Auslegungsfragen werden derzeit auf technischer Ebene behandelt."

Herics kritisierte, dass seit September 2017 weder von der EU-Kommission noch von österreichischer Seite Auskunft zu dem Verfahren erteilt worden sei. Grundlage ist ein Sonderbericht des EU-Rechnungshofs von 2016, in dem Österreichs Almflächen geprüft wurden und der an die EU-Kommission übergeben wurde. Er werde den Eindruck nicht los, dass möglicherweise unangenehme Nachrichten für Österreich während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft verschleppt würden, sagte Herics. Österreich habe es seit 17 Jahren nicht geschafft, ein verlässliches System der Flächenidentifizierung durchzuführen.

Brennerbasistunnel

Herics kündigte weiters einen Bericht des EU-Rechungshofs zum Brennerbasistunnel an, der zu 40 Prozent von der EU gefördert wird. Der Bericht soll bis Ende 2019 vorliegen, er wurde vom Verkehrsausschuss des EU-Parlaments beantragt. Es gebe gerade von deutscher Seite massive Bedenken gegen das Projekt. Bisher gebe es auf der nördlichen Zulaufstrecke nur wenige Baumaßnahmen.

Im Hinblick auf die von der EU angestrebte Verlagerung von der Straße auf die Schiene werde der Bericht einen EU-weiten Vergleich der Alpenüberquerungen, auch in der Schweiz, enthalten. Untersucht werde außerdem, ob die von Österreich geschlossenen Abkommen mit Deutschland und Italien zum Streckenausbau München–Verona Verbindlichkeit und Relevanz hätten.

Weitere Prüfungen des Rechnungshofs werde es zur Luftverschmutzung, zur Breitbandtechnologie, zum Hochwasserschutz und zum Juncker-Invesitionsfonds EFSI geben. Österreich liege nach den ausgelösten Investitionen beim EFSI nur an 23. Stelle in der EU, sagte Herics. (APA, 4.10.2018)

  • Den Kühen ist die Vermessungsmethode egal, den Bauern und Prüfern weniger.
    foto: imago

    Den Kühen ist die Vermessungsmethode egal, den Bauern und Prüfern weniger.

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