SPÖ: Fortschritt, nicht Rückschritt!

    Userkommentar5. Oktober 2018, 16:20
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    Die Arbeiterschaft ist längst verloren. Eine Erwiderung auf Michaela Grubesa, Michael Ludwig und Roland Fürst

    Mit großem Befremden musste ich als langjähriges Mitglied der SPÖ in den letzten Tagen Wortmeldungen einiger führender Genossinnen und Genossen meiner Partei vernehmen. Und ich muss sagen, da wurde mir schlecht. Es ist unerträglich, im Jahr 2018 von einem der führenden Parteivorsitzenden, namentlich Michael Ludwig, sexistische Wortmeldungen wie jene zu vernehmen, wonach der neuen Parteivorsitzenden die "Doppelbelastung" aus Partei- und Klubvorsitz nicht zugetraut wird. Würde man das auch bei einem Mann sagen? Wohl kaum! Angemerkt darf an dieser Stelle werden, dass Ludwig ja selbst Parteivorsitzender und regierender Bürgermeister von Wien ist. Man kann nur hoffen, dass er diese "Doppelbelastung" gut aushält.

    Gründet eure eigene Bewegung!

    Aber dem Fass den Boden schlagen Wortmeldungen der Genossin Michaela Grubesa (Steiermark) und des Genossen Roland Fürst (Burgenland) aus, die immer noch der Meinung sind, als "echte Arbeiterpartei" wieder zur Nummer eins in diesem Land werden zu können. Hallo! Aufwachen bitte! Wenn das der Kurs der Zukunft sein sollte, dann kann ich nur sagen: Ihr seid hoffentlich in der Minderheit innerhalb meiner Partei! Bitte verlasst diese meine SPÖ. Gründet eure eigene Bewegung, ihr werdet wohl kaum die Vierprozenthürde bei der nächsten Nationalratswahl überspringen! Die Zukunft aber liegt genau dort, wohin uns Menschen wie Pamela Rendi-Wagner und Thomas Drozda führen werden, dessen bin ich mir sicher! Und wie oft diese Menschen ins Theater gehen, in welchem Bezirk sie wohnen, wie viele oder welche Bücher sie lesen oder ob sie teuren Wein trinken, spielt dabei absolut keine Rolle.

    Die Arbeiterschaft nämlich, die haben wir längst verloren. Die SPÖ hat der Arbeiterschaft seit den 1880er-Jahren viel gegeben. Vieles wurde angenommen, sehr vieles wurde dank der Wahlunterstützung positiv umgesetzt. Man denke an den Sozialstaat, liberale Rechte, Wohlfahrtsstaat und so weiter. Ab den 1980er-Jahren aber lief leider vieles schief, die Arbeiterschaft hielt der SPÖ nicht mehr in gewohntem Maß die Treue, nicht ideologisch und auch nicht an der Wahlurne. Auch die SPÖ hat hier bis zu einem gewissen Grad versagt. Aber die Zeit kann man nicht retourdrehen. Wir werden nicht mehr die Partei sein, bei der 60 oder 70 Prozent der Arbeiterschaft ihr Kreuz machen! Leider!

    Viele heute erfolgreiche Unternehmen wurden erst so richtig groß, nachdem sie sich andere, oft sehr konträre Betätigungsfelder suchten oder suchen mussten. Wäre dem nicht so, wir würden viele heute gängige Unternehmensmarken gar nicht kennen.

    Neue "Kundschaft"

    Um es mit den Worten unserer neuen Parteivorsitzenden zu sagen: "Unsere Werte sind nach wie vor die richtigen." Aber wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir uns an einer andere "Kundschaft" richten müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein und diese "Werte" an die Frau und den Mann zu bringen. Um unsere bisherige "Kundschaft" buhlen nämlich schon viele andere. Aber da draußen warten noch viele, viele andere potenzielle Wählerinnen und Wähler, die unsere "Ware", unser Angebot ("Werte") liebend gerne in Anspruch nehmen wollen. Allein, wir müssen auf sie zugehen! In diesem Sinne: Fortschritt, nicht Rückschritt! (Alexander Schwarz, 5.10.2018)

    • Alexander Schwarz: Wir werden nicht mehr die Partei sein, bei der 60 oder 70 Prozent der Arbeiterschaft ihr Kreuz machen!
      foto: apa/helmut fohringer

      Alexander Schwarz: Wir werden nicht mehr die Partei sein, bei der 60 oder 70 Prozent der Arbeiterschaft ihr Kreuz machen!

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