Wie sich ein früher einsetzender Frühling auf die CO2-Bilanz auswirkt

    4. Oktober 2018, 06:00
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    Studie kommt zum Schluss, dass längere Vegetationsperioden nicht unbedingt von Vorteil sein müssen

    Wien – Den bekannten Faktoren, die für einen Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre sorgen, stehen einige gegenüber, die ihn absenken – allen voran Pflanzen, die das Treibhausgas für ihre Photosynthese verwenden und in Biomasse umsetzen. Da die Erderwärmung das Pflanzenwachstum fördert, kann dieses den Klimawandel etwas abmildern.

    Mehr Grün bedeutet aber nicht automatisch eine Verbesserung der CO2-Bilanz, es ist wie so oft etwas komplizierter. So hat die zeitliche Ausdehnung des Pflanzenwachstums – durch früher einsetzenden Frühling – keinen positiven Effekt, berichtet nun ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachmagazin "Nature".

    Die Untersuchung

    Das Team um Wolfgang Buermann von der Universität Leeds analysierte Satellitenbilder aus den vergangenen 30 Jahren rund um den Globus nördlich des 30. Breitengrades. Dort liegen etwa Kairo, Delhi, Shanghai und Houston. "Wo viel Vegetation vorhanden ist, wird grünes Licht stark absorbiert und infrarotes Licht wird stark reflektiert", erklärte der Mitautor der Studie, Matthias Forkel vom Department für Geodäsie und Geoinformation der Technischen Universität (TU) Wien. Dadurch lasse sich für jeden Punkt bestimmen, wie viel Photosynthese stattfindet und wie viel Biomasse produziert wird.

    Es war bereits bekannt, dass sich das Pflanzenwachstum durch den Klimawandel im Jahresverlauf deutlich nach vorne verschoben hat, so Forkel. Viele Wissenschafter hätten vermutet, dass die Vegetation dadurch mehr Biomasse produziert, weil sie jedes Jahr mehr Zeit zum Wachsen hat. Das war aber offenbar eine Fehlannahme.

    Der frühe Frühling bringt laut der Studie weniger Pflanzenwachstum im Sommer mit sich. Das könne sogar so weit gehen, dass in der Gesamtrechnung weniger Biomasse entsteht, in der atmosphärisches CO2 eingelagert wird. Möglicherweise verbraucht das frühe Wachstum zu viel Wasser, das später fehlt, meinten die Forscher. In den bisherigen Modellen war dieser Effekt auf die CO2-Bilanz nicht berücksichtigt. "Leider verändern sich dadurch die Klimaprognosen in eine unerfreuliche Richtung", sagte Forkel. (APA, red, 4. 10. 2018)

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