Skelett aus der Frühzeit Venedigs ausgegraben

    4. Oktober 2018, 07:00
    4 Postings

    Fund stammt von Inselchen, auf dem einst bis zu 20.000 Menschen lebten – heute nur noch etwa ein Dutzend

    foto: ca' foscari university of venice
    Skelettfund aus der Zeit, als die kleine Insel Torcello noch große Bedeutung hatte.

    Venedig – Ein Skelettfund in der Lagune von Venedig illustriert, wie sehr sich die Besiedlungs- und Lebensschwerpunkte in der Region über die Jahrhunderte verändert haben. Fundort ist die nur 44 Hektar große Insel Torcello im Norden der Lagune. Heute lebt nur noch etwa ein Dutzend Menschen auf ihr – im Frühmittelalter hingegen handelte es sich um ein geschäftiges Zentrum.

    Der Fund

    Archäologen der Universität Venedig führen seit den 1960er Jahren immer wieder Ausgrabungen auf Torcello durch. Dabei wurden schon die sterblichen Überreste einer ganzen Reihe von Menschen gefunden – das nun entdeckte Skelett ist allerdings außergewöhnlich alt. Der Bestattete, ein junger Erwachsener, starb etwa um das Jahr 700. Zu dieser Zeit war Venedig noch der nordwestliche Ausläufer des Byzantinischen Reichs und schickte sich langsam an, selbst zu einem Handels- und Machtzentrum aufzusteigen.

    Das Skelett ist kopflos. Der Schädel wurde laut den Forscher irgendwann in späterer Zeit bei Bauarbeiten zerstört – vermutlich durch das Einsetzen eines Holzpfahls, wie sie für Venedigs Hausbauweise typisch sind. Ob es sich bei dem Toten um einen Arbeiter, einen Sklaven oder den Angehörigen einer anderen Gesellschaftsschicht handelte, ist laut den Forschern noch unklar. Von näheren Untersuchungen, unter anderem der DNA, werden weitere Aufschlüsse erhofft.

    Aufstieg und Niedergang

    Der Archäologe Diego Calaon, der die jüngste Grabungskampagne leitete, spricht von einem Zeugnis der Bevölkerungsexplosion, die Torcello damals gerade erlebte. Bei früheren Grabungen war man bereits auf die Überreste von Holzhäusern gestoßen, die auf der kleinen Insel damals dicht an dicht gebaut worden waren. Dazu kommen Relikte von Lagerhäusern, Dockanlagen und Handwerksstätten sowie zahlreiche Funde aus dem Alltagsleben, von Küchengeschirr bis zu Amphoren für Wein und Olivenöl.

    Der damalige Boom wurde buchstäblich auf den Überresten früherer Zeitalter aufgebaut: So haben die Archäologen festgestellt, dass für die Lagerhäuser römische Ziegel recycelt wurden, die teilweise noch ihre aus der Antike stammenden Markierungen trugen.

    Der Boom sollte einige Jahrhunderte andauern. Mit bis zu 20.000 Einwohnern war Torcello für einige Zeit sogar größer – und reicher – als das eigentliche Venedig. Im Hochmittelalter ging diese Blütezeit dann aus natürlichen Gründen zu Ende: Die Lagune um Torcello begann zu versumpfen, der Ort war für den Handel nicht mehr geeignet. Nachdem der Großteil der Menschen abwandert war, setzte für die verbliebene Inselbevölkerung ein langsamer, stetiger Niedergang ein, der bis in die Gegenwart anhält. (red, 4. 10. 2018)

    Share if you care.