Prinzip Hoffnung: Vettel gibt Titel nicht verloren

    3. Oktober 2018, 12:01
    33 Postings

    Ferrari-Star will "Druck machen" und baut auf Ausfälle Hamiltons – Aufholjagd wie John Surtees 1964 wäre nötig

    Suzuka – Sebastian Vettel muss auf fremde Hilfe hoffen. Im WM-Rennen der Formel 1 spricht seit Wochen alles für Lewis Hamilton. Und doch fällt Vettel nicht vom Glauben an den WM-Titel ab und hofft, den britischen Titelverteidiger doch noch überflügeln zu können. Der kommende Grand Prix von Japan am Sonntag in Suzuka (7.10 Uhr MESZ, live ORF 1) wird ein Schlüsselrennen

    Auf dem langen Weg nach Japan bot sich Vettel sogar die Chance zur Gruppentherapie über den Wolken. Im Charterflieger mit sechs Formel-1-Kollegen dürften dem Ferrari-Piloten Fragen nach dem Einbruch im Titelrennen mit Hamilton kaum erspart geblieben sein. Mit an Bord war sogar der Finne Valtteri Bottas, der zuvor den Sieg in Sotschi per Mercedes-Teamorder Hamilton hatte überlassen müssen.

    Immer-Weitermachen

    Auf 50 Punkte ist Vettels Rückstand vor dem 17. Saisonlauf gewachsen. Bei nur noch fünf Rennen ist der Deutsche auf mindestens ein Missgeschick von Hamilton angewiesen, um den britischen Titelverteidiger doch noch überflügeln zu können. Vettel aber macht stur das Prinzip Hoffnung geltend, das Mantra vom Immer-Weitermachen. "Es braucht nur einen Ausfall, idealerweise zwei, und die Sache sieht wieder ganz anders aus. Ich wünsche Lewis das nicht. Aber man weiß nie, was passiert", betonte der 31-Jährige.

    Bestärkt wird Vettel dabei von seinem Teamchef. "Wenn alles gut geht, wissen wir, dass wir trotz der schwierigen Situation in der Gesamtwertung die richtigen Mittel haben, um bis zum Schluss mitzukämpfen", beteuerte Maurizio Arrivabene. Und doch klingt bei der Scuderia längst vieles nach pflichtschuldiger Durchhalteparole.

    Gnadenloser Hamilton

    Seit den erschütternden Niederlagen in Monza und Singapur, als ein furioser Hamilton die Fehler und Schwächeanfälle bei Ferrari und Vettel gnadenlos bestrafte, ist das Pendel endgültig in Richtung Mercedes geschwungen. "Ferrari macht ein Eigentor nach dem anderen", jammerte die Zeitung "La Repubblica" jüngst in Erinnerung an die verspielten Siege der vergangenen zwölf Wochen, in denen aus acht Punkten Vorsprung ein fast aussichtsloser Rückstand wurde.

    Das im Sommer gerühmte rote Auto ist längst wieder dem Silberpfeil unterlegen. Die Branche spekuliert, dass der Weltverband mit schärferen Kontrollen eine Ferrari-Trickserei in der Grauzone des Regelwerks unterbunden hat. Der geheimnisumwitterte Zusatzschub auf den Geraden sei plötzlich wieder verschwunden, berichtete das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport".

    Wie soll so noch die WM-Wende gegen den entfesselten Hamilton gelingen, der zuletzt dreimal in Serie gewann? Noch nie hat Vettel im Ferrari in Suzuka triumphiert, seine vier Siege holte er sich alle noch im Red Bull. Seit Beginn der Hybrid-Ära vor vier Jahren fuhr stets ein Mercedes-Pilot als Erster in Japan ins Ziel.

    "Teile und Forschritte"

    Und doch hofft Vettel weiter. "Wir haben einen Plan. Es kommen noch Teile, und Fortschritte sind geplant", sagte der viermalige Champion. Mit seinem Team hat er eine riskante Reifentaktik für Suzuka gewählt, deutlich mehr von den weicheren und schnelleren, aber auch weniger haltbaren Gummiwalzen ausgewählt als Hamilton. "Wir müssen Druck machen", forderte Vettel. Er will zur Stelle sein, wenn sein Dauerrivale doch einmal patzen sollte.

    Einzigartig immerhin wäre eine erfolgreiche Aufholjagd dieser Dimension im Endspurt nicht. Auf das heutige Punktesystem gerechnet lag John Surtees 1964 vor den verbliebenen fünf Saisonläufen sogar 54 Punkte hinter Jim Clark – und wurde doch noch Weltmeister. (APA, 3.10.2018)

    • Ein Fuß auf dem Mercedes.
      foto: imago/motorsport images

      Ein Fuß auf dem Mercedes.

    Share if you care.