Obike-Fiasko: 1.000 Räder in Wien eingesammelt, Schicksal unklar

    3. Oktober 2018, 10:37
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    Die Frist für den Anbieter ist abgelaufen, die MA 48 will eine Weiterverwertung evaluieren. Womöglich sind die Räder zu unsicher für den Straßenverkehr

    Gut ein Jahr lang waren die hunderten stationslosen Leihräder von Obike und Ofo ein Teil des Wiener Stadtbildes. Und auch ein Anlass für diverse Ärgernisse. Sie sorgten für die Überfüllung von Radständern und Verkehrsprobleme durch unüberlegtes Abstellen und wurden öfters Opfer von Vandalismus. Zahlreiche Räder waren etwa regelmäßig im Wienfluss zu finden.

    Im August erließ die Stadt strengere Regeln, die den Anbietern unter anderem das zeitnahe Abholen unsachgemäß platzierter Räder und eine Höchstzahl nebst Nummerierung für im Umlauf befindliche Bikes vorschrieb. Ofo zog sich daraufhin aus freien Stücken zurück. Die Obikes blieben, denn der Anbieter war schon davor in finanzielle Turbulenzen geschlittert und hatte sein Wiener Büro über Nacht geschlossen. Bis heute klagen Nutzer über die ausbleibende Rückerstattung der entrichteten Kaution.

    foto: derstandard.at/pichler
    Im Sommer waren regelmäßig Obikes im Wienfluss zu finden.

    1.000 Räder nun im Eigentum der Stadt

    Nun gibt es eine "Sammelbilanz" der Wiener Magistratsabteilung 48, die seit August federführend für das Aufklauben der Räder verantwortlich war. Rund 1.000 Leihräder, großteils Obikes, wurden in den vergangenen zwei Monaten von den Straßen geholt. Anfang Oktober ist für die meisten davon die Frist abgelaufen, innerhalb derer Obike die Räder hätte auslösen können.

    Damit sind die Bikes nun offiziell ins Eigentum der Stadt übergegangen. Was dort damit geschieht, ist bis dato allerdings unklar. Wer auf ein schnelles Schnäppchen am Flohmarkt der MA 48 hofft, wird sich auf jeden Fall gedulden müssen.

    foto: derstandard.at/pichler
    Viele Bikes waren schon vor August in desolatem Zustand.

    Bikes werden noch untersucht

    "Viele der Räder sind in einem sehr schlechten Zustand", heißt es aus der MA 48 gegenüber dem STANDARD. Über "die Wintermonate" will man alle Drahtesel näher inspizieren. Danach soll entscheiden werden, "wie sie bestmöglich verwertet werden können". Welche Nutzungsmöglichkeiten abseits des Secondhand-Verkaufs noch offenstehen, war kurzfristig nicht zu erfahren.

    Klar ist jedenfalls, dass die MA 48 oder etwaige Folgebesitzer bei den noch fahrtüchtigen Bikes Hand anlegen müssten. Denn ein schweres Schloss, das normalerweise über die Obike-App entriegelt wird, blockiert die Räder. Laut einer Anleitung der von Unbekannten gestarteten Initiative "Librebike" lassen sich die Schlösser aber relativ simpel knacken. Als Werkzeug sollen dafür schon ein Akkubohrer und Essstäbchen ausreichen.

    foto: ma 48
    In der Sammelstelle der MA 48 stehen die Räder dicht an dicht.

    Deutsche Behörde sieht Sicherheitsproblem

    Nach jüngsten Berichten aus Deutschland erscheint es allerdings fraglich, ob die Räder überhaupt wieder in Umlauf gebracht werden dürfen. In Hamburg waren übriggebliebene Obikes noch im August in einem Lagerabverkauf von einem Schweizer Transportunternehmen um 69 Euro pro Stück verkauft worden.

    Einige Wochen später warnte allerdings laut "SHZ" die Verbraucherschutzzentrale von Schleswig-Holstein davor, die Bikes zu verwenden, und übte scharfe Kritik an mangelhaftem Bremsverhalten. Der Verkauf wurde gestoppt. Die Behörde will nun auch einen Rückruf der Räder durchsetzen. (Georg Pichler, 3.10.2018)

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