Ermittlungen von Südkorea bis zum Heurigen in der Causa BVT

    2. Oktober 2018, 18:44
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    BVT-Beamte sollen sich finanzielle Vorteile verschafft haben, unter anderem geht es um eine Südkoreareise

    Die Vorwürfe in der Causa BVT drehen sich unter anderem um die Weitergabe dreier nordkoreanischer Passrohlinge an den südkoreanischen Geheimdienst durch zwei BVT-Beamte.

    Vorgeworfen wird ihnen auch, sie hätten sich so finanzielle Vorteile verschafft, etwa durch eine um einen Inselbesuch erweiterte Dienstreise nach Südkorea. Der Vorgesetzte hatte die Dienstreise genehmigt, vom Abstecher auf die Insel habe er nicht gewusst. Er gehe aber davon aus, dass dort "Fachgespräche" geführt worden seien, sagte der Beamte als Zeuge aus.

    Auch Essenseinladungen sind Thema. Eine Zeugin wusste nämlich zu berichten, dass sich die Österreicher von ihren südkoreanischen Kollegen bei deren Besuchen in Wien öfter haben einladen lassen. Für die acht Beschuldigten in der Causa BVT gilt die Unschuldsvermutung.

    Recherchen in der Heurigenszene

    Um dem Einladungsverdacht nachzugehen, recherchierten die Ermittler in der Heurigenszene rund um Wien, wie sich aus dem Akt erhellt. Zunächst fahndeten sie in Purkersdorf westlich von Wien, wo die Treffen laut Zeugin stattfanden.

    Kein Treffer. Denn offenbar war Perchtoldsdorf südlich von Wien der mutmaßliche Tatort. Dort konnte sich eine Heurigenwirtin anhand vorgelegter Fotos an die Gesuchten erinnern. Gemäß Reservierungsbüchern gab es von 9. April 2015 bis 12. Juli 2017 fünf Treffen, jeweils ab 18 Uhr. Einmal habe sie eine Rechnung ans Innenministerium geschickt, erinnerte sich die Frau.

    Essen mit Südkoreanern

    Eine weitere hat sie sogar noch gefunden, sie liegt nun im Akt. Demnach hat die österreichisch-südkoreanische Gästedelegation für eine Vorspeisenplatte für neun Personen 59,90 Euro und für neun Abendessen 112,50 Euro bezahlt, dazu kamen Getränke um 109,80 Euro. Macht in Summe 281,80 Euro, bezahlt wurde in bar, erklärte die Gastgeberin bei ihrer Zeugenaussage. Sie wisse, dass die Leute (die vom Foto) zum Innenministerium gehörten, öfter seien auch Asiaten dabei gewesen. Immer dieselben Personen? Das könne sie nicht sagen.

    Auch die Kernfrage blieb mit folgender Antwort unbeantwortet: "Wer die Rechnungen bezahlt hat, daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern", bedauerte die Wirtin. (gra, 2.10.2018)

    • Bei so einer Heurigenjause kommen die Leut' zsamm. Das kann in sehr seltenen Fällen zu Ermittlungen führen.
      foto: apa/barbara gindl

      Bei so einer Heurigenjause kommen die Leut' zsamm. Das kann in sehr seltenen Fällen zu Ermittlungen führen.

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