Glücklich robotanzen wie Theresa May

    Kolumne9. Oktober 2018, 09:35
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    Doris Knecht tanzt wie Theresa May – und fühlt sich dabei pudelwohl

    Unlängst gab es in meiner Hütte eine spontane Party. Es kamen welche vorbei, dann noch welche, dann kaperten welche Spotify auf meinem Laptop, der an die Anlage angekabelt war: "Ich spiel' euch jetzt die beste Nummer der Welt!" Das wurde zum Motto des Abends. Es zeigte sich, dass jede noch so enge Hütte eine Tanzfläche eingebaut hat, wenn man nur ein bisschen die Tische und Stühle wegstapelt. Wir tanzten bis sechs Uhr früh. Es war fabulös.

    Tanzen macht glücklich, weiß ja jeder. Meine Facebook-Timeline spült mir immer wieder Tanzvideos durch, und ich lasse mich reinziehen, denn schon das Zuschauen dabei, wie andere tanzen, macht froh. Rührt, bringt zum Lachen, macht Lust, selbst zu tanzen, weil man immer eines sieht: Diesen Leuten geht es gut. Jetzt einmal abgesehen von Theresa May.

    Die Macht der Bilder

    Die britische Premierministerin besuchte unlängst Südafrika, Nigeria und Kenia und wurde während der Reise zweimal zum Mittanzen genötigt, von Männern und Frauen, die das können. Obama hat auch immer getanzt. Obama kann tanzen, er weiß, wie gut er dabei aussieht, er ist sich der Macht der Bilder eines lachend groovenden Präsidenten bewusst. Er weiß, dass Tanzen vorübergehend alle gleichmacht, das bringt Sympathiepunkte, über politische Grenzen hinweg.

    foto: rodger bosch/pool via reuters
    Theresa May in Südafrika.

    Theresa May nicht. Theresa May kann nicht gut tanzen. Leute haben Videos davon gemacht und ins Netz gestellt. Es ist nicht schön anzuschauen, wenn Theresa May tanzt, und sie wirkt nicht glücklich, wie sie auf der Stelle stampfend ihre Arme abwechselnd in die Luft faustet, ruppig und ungelenk. Theresa May tanze wie ein Roboter, schrieben die Medien. Theresa May habe keinen Groove. Aber bei allem, was es politisch gegen Theresa May einzuwenden gibt: Hier bin ich Team Theresa.

    Es gibt Gründe. Ein paar Freundinnen – ein Freund war auch dabei – überredeten mich zum Tanzkurs in einem Dance-Studio. Ich sagte, ich kann nicht tanzen. Sie sagten, kein Problem, es ist eh Modern Dance. Ich kaufte einen Zehnerblock. Ich kann nicht tanzen, auch nicht modern. Ich verwechselte links und rechts, mein Körper merkte sich die einfachsten Abläufe nicht, und vom Rollen auf dem Boden wurde mir schlecht.

    Vom Zehnerblock habe ich noch sechs Einheiten, aber ich glaube, sie sind verfallen. Ich habe keinen einzigen Tanzknochen in meinem Körper. Oder vielleicht habe ich viele Tanzknochen, aber es sind alles Eigenbrötler, die nicht miteinander kommunzieren.

    Trotzdem, die Tanzparty in meinem Wohnzimmer mit allen besten Songs der Welt, das war einer der befreiendsten Abende überhaupt. Jemand hat gemeinerweise ein Video gemacht, wie ich mit der zauberhaften Frau Hie abshake. Mimi Hie tanzt wie Obama. Ich robotanze wie Theresa May; nur dass ich dabei vollkommen glücklich aussehe. (Doris Knecht, RONDO, 9.10.2018)

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    • In dieser Woche erinnert sich Doris Knecht an ihren Modern-Dance-Kurs. Dabei lernte sie, dass sie keine begnadete Tänzerin ist. Macht nix. Tanzen macht ihr trotzdem Spaß.
      foto: irina gavrich

      In dieser Woche erinnert sich Doris Knecht an ihren Modern-Dance-Kurs. Dabei lernte sie, dass sie keine begnadete Tänzerin ist. Macht nix. Tanzen macht ihr trotzdem Spaß.

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