Im Norden Sulawesis werden nach Tsunami Lebensmittel knapp

    2. Oktober 2018, 14:39
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    Retter bemühen sich seit drei Tagen, die von der Außenwelt abgeschnittene indonesische Region Donggala zu erreichen

    Jakarta – Nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi ist die Zahl der Toten nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde auf mehr als 1.200 gestiegen.

    Die Region im Nordwesten der Insel ist seit Freitag von der Außenwelt abgeschnitten. Während die Rettungsarbeiten in der 300.000-Einwohner-Stadt Palu, wo die Katastrophe besonders große Schäden angerichtet hat, nun voll angelaufen sind, warten die Bewohner der angrenzenden Region Donggala, die noch näher am Epizentrum liegt, weiter auf Hilfe.

    Es ist bereits zu Plünderungen gekommen. Ein lokaler Fernsehsender zeigte, wie Überlebende Geschäfte stürmten und Schachteln mit Lebensmitteln davontrugen.

    foto: apa/afp/adek berry
    Plünderer vor dem Matahari-Einkaufszentrum in Palu.

    Lokalpolitiker Kasman Lassa klagte gegenüber dem "Guardian", dass viele Menschen seit Tagen nichts zu essen bekommen hätten: "Wir haben Reis verteilen lassen, aber die Vorräte reichen nicht aus", erklärte er und forderte die Bevölkerung auf, nur Essbares aus den Geschäften mitzunehmen.

    Überlebender geborgen

    In Palu gelang es den Rettern am Montagabend, einen Überlebenden aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses zu bergen. Der Mann namens Sapri Nusin wurde aus der Ruine eines Regierungsgebäudes gerettet, wo er seit Freitagabend verschüttet war.

    dunia maya

    Die Behörden veröffentlichten am Dienstag ein Video, das die Rettung zeigt. Darauf ist zu sehen, wie Nusin von einem Helfer gefragt wird: "Kannst du gehen?" Er antwortete "Ja, aber ich bin sehr durstig", bevor er er zu einem Krankenwagen gebracht wurde.

    Unter den Überresten des siebenstöckigen Hotels Roa, das bei dem Beben einstürzte, werden weitere Überlebende vermutet. Am Dienstag fanden die Helfer eine weitere Leiche in den Trümmern, drei Menschen konnten bisher lebend geborgen werden.

    foto: apa/afp/azwar
    Eingestürztes Hotel.

    Seit der Katastrophe ist in der Region der Strom ausgefallen, die Retter sind auf Generatoren angewiesen, die das Militär zur Verfügung stellt.

    Toter Fluglotse befördert

    Ein indonesischer Fluglotse, der im Dienst ums Leben kam, wurde post mortem geehrt. Anthonius Gunawan Agung arbeitete im Kontrollturm auf dem Flughafen Mutiara Sis Al-Jufrie in Palu, als das Erdbeben Sulawesi traf. Der 21-Jährige weigerte sich, seinen Posten zu verlassen, bis ein Flugzeug der indonesischen Linie Batik Air sicher gestartet war.

    foto: reuters/airnav indonesia
    Soldaten tragen Anthonius Gunawan Agungs Sarg.

    Erst dann sprang er aus dem vierten Stock des einsturzgefährdeten Towers, wobei der sich so schwer verletzte, dass er kurz darauf starb. Sein Arbeitgeber ehrte ihn mit einer posthumen Beförderung um zwei Dienstgrade.

    foto: apa/afp/adek berry
    Der Flughafen Mutiara Sis Al Jufri wurde schwer beschädigt.

    In der Kirche verschüttet

    In den Trümmern einer zerstörten Kirche auf Sulawesi wurden 34 tote Bibelschüler gefunden. Die Opferzahl könnte noch steigen, weil zunächst 86 Bibelschüler als vermisst gemeldet wurden, erklärte eine Sprecherin des indonesischen Roten Kreuzes. Bei der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe sind mindestens 1.234 Menschen ums Leben gekommen

    Am Dienstag ereigneten sich neue Beben im Süden Indonesiens: Vor der Insel Sumba wurde zunächst ein Beben der Stärke 5,9 gemessen, kurz darauf eines der Stärke 6,0. Berichte über schwere Schäden auf der Insel mit rund 750.000 Bewohnern lagen zunächst nicht vor. (red, APA, 2.10.2018)

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